Zusammen sind wir stark

Kostenfreies Open-Access-Publizieren dank kooperativer Finanzierungsmodelle

Wenn ich mit Wissenschaftler*innen über Open Access spreche, höre ich oft:

„Open Access ist mir zu teuer!“

Tatsächlich hat sich das sogenannte Author-pays-Modell insbesondere im Zeitschriftenbereich schnell etabliert und ist vielen heute als einziges Open-Access-Geschäftsmodell bekannt. Bei diesem Modell verlangen die Verlage autorenseitige Publikationsgebühren. Dass das viele Autor*innen vor Herausforderungen stellt, ist Bibliotheken und Forschungseinrichtungen sehr wohl bewusst. Neben der Einrichtung von Publikationsfonds, bei denen Institutionen die individuellen Kosten „ihrer“ Autor*innen stellvertretend übernehmen, gibt es daher ein wachsendes Interesse an Geschäftsmodellen, die auf eine Finanzierung der gesamten Publikationsinfrastruktur abzielen, so dass auch andere Autor*innen davon profitieren können.

Das funktioniert in der Regel ähnlich wie das ursprüngliche Verfahren der Subskription: Für die Finanzierung werden transparent Kosten in einer bestimmten Höhe angesetzt, die von den beteiligten Einrichtungen getragen werden. Allerdings wird das „Produkt“ – im Unterschied zur Subskription – nicht nur für die eigene Einrichtung gekauft, sondern allen ohne Nutzungsbeschränkung frei zur Verfügung gestellt. Dadurch können alle Autor*innen kostenfrei in solchen Publikationsorganen im Open Access veröffentlichen, unabhängig davon, ob sie einer der beteiligten Einrichtungen angehören oder nicht.

Bild auf die Füße von zwei Menschen und die Aufschrift "Passion led us here"

Die Universitätsbibliothek Leipzig übernimmt hier ebenfalls Verantwortung und beteiligt sich seit mehreren Jahren an kooperativen Modellen der Open-Access-Finanzierung. So investierte sie 2020 rund 34.000 EUR ihres Erwerbungsetats in solche Modelle.

In diesem Beitrag stellen wir unsere Beteiligungen vor und möchten Sie zur Nutzung dieser von uns mitfinanzierten Open-Access-Publikationsorgane einladen.

Knowledge Unlatched

Logo "Knowledge Unlatched"

Eine der bekanntesten Crowdfunding-Initiativen im Bereich wissenschaftlicher Bücher ist Knowledge Unlatched. Hier können Verlage ihre Veröffentlichungen (vorrangig aus den Geistes- und Sozialwissenschaften) zum „Entsperren“ („to unlatch“) durch die weltweite Bibliotheks-Community anbieten. Seit dem Start 2014 konnten so bisher mehr als 1.800 Veröffentlichungen im Open Access zugänglich gemacht werden.

Die UB Leipzig beteiligt sich seit 2016 an den Crowdfunding-Aktionen für KU Select und engagiert sich auch mit mehreren Fachreferent*innen im Title Selection Committee, welches für die Auswahl der Publikationen in den einzelnen Kollektionen zuständig ist. Seit 2018 unterstützt die UB über die KU-Plattform auch den führenden linguistischen OA-Verlag Language Science Press sowie die OA-Fachkollektionen Transcript OPEN Library Politikwissenschaft und Peter Lang IT-Recht.

Open Book Publishers

Logo "Open Book Publishers"

Open Book Publishers ist der größte unabhängige Verleger wissenschaftlicher Literatur vor allem aus den Geistes- und Sozialwissenschaften, in dem Autor*innen kostenfrei publizieren können. Möglich ist dies dank eines nachhaltigen Finanzierungsmodells, in dem u. a. Mitgliedsbeiträge aus dem Library Membership Programme eine wichtige Säule sind. Auch die UB Leipzig nimmt seit 2018 daran teil. Seit der Gründung im Jahr 2008 konnten so mehr als 200 Open-Access-Titel veröffentlicht werden.

Open Library of Humanities

Open Library of Humanities ist Verlag, Publikationsplattform und Megajournal zugleich und verpflichtet sich ebenfalls einem kostengünstigen und nachhaltigen Open-Access-Modell für die Geistes- und Sozialwissenschaften. Neben dem gleichnamigen Megajournal werden auf der Plattform mittlerweile 27 Gold-Open-Access-Zeitschriften publiziert. Sie alle verzichten auf die Beteiligung von Autor*innen an den Publikationsgebühren zugunsten einer institutionellen Finanzierung. Aktuell tragen rund 300 Bibliotheken, Forschungseinrichtungen und Forschungsförderer weltweit durch freiwillige jährliche Beiträge die laufenden Kosten des Verlages, darunter seit 2017 auch die UB Leipzig.

PhilPapers Foundation

Die kanadische Non-Profit-Organisation PhilPapers Foundation ist Betreiberin des größten Open-Access-Archivs sowie eines umfangreichen Index zur Philosophie, der aktuell bibliographische Angaben zu mehr als 2,5 Millionen Zeitschriftenaufsätzen, Büchern und Online-Dokumenten enthält. Die Kosten für die Plattform werden durch Subskriptionen öffentlicher Institutionen in Ländern mit hohem Bruttoinlandsprodukt mitgetragen. Seit 2018 beteiligt sich auch die UB Leipzig mit einem jährlichen Beitrag daran.

SciPost Foundation

Logo "SciPost Foundation"

SciPost Foundation ist eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in den Niederlanden, die ein Online-Portal mit aktuell 15 OA-Zeitschriften aus den Fachgebieten Mathematik, Physik, Astronomie, Biologie, Chemie und Politikwissenschaften betreibt. Die Publikationen sind sowohl für Autor*innen als auch für Leser*innen kostenfrei. Möglich ist dies dank der finanziellen Beteiligung von rund 60 Institutionen weltweit, darunter seit 2018 auch von der UB Leipzig.

SCOAP3

Logo "SCOAP3"

Das Akronym SCOAP³ steht für „Sponsoring Consortium for Open Access Publishing in Particle Physics“ und ist ein vom CERN koordiniertes Konsortium aus Bibliotheken und Wissenschaftseinrichtungen zur Förderung von Open Access im Bereich der Hochenergiephysik (HEP). Seit der Gründung im Jahr 2014 konnten dadurch knapp 40.000 Open-Access-Artikel in insgesamt dreizehn anerkannten Fachzeitschriften finanziert werden. In der aktuell laufenden zweiten Phase des Projekts nehmen wieder elf Zeitschriften daran teil.

Die UB Leipzig unterstützt das Konsortium seit 2017 mit einem Kostenbeitrag, der sich nach dem Publikationsanteil unserer Autor*innen am gesamten Publikationsaufkommen in den teilnehmenden Zeitschriften bemisst. Im Gegenzug können HEP-Autor*innen ohne Kostenbeteiligung im Open Access publizieren und die Lizenzpreise (Subskriptionen) der teilnehmenden Zeitschriften werden entsprechend ihrem HEP-Anteil reduziert.

Mit diesem Überblick, der Angebote quer durch viele Wissenschaftsdisziplinen enthält, möchten wir Sie neugierig machen und Sie gleichzeitig ermuntern, den Kontakt zum Open Science Office zu suchen. Wir beraten Sie gern zu allen Fragen rund um Open Science.

Eine Hand hält eine Glühbirne

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