475 Jahre UB Leipzig: Ideale und Regale

Für unsere neue Reihe „475 Jahre UB Leipzig“ bitten wir Gastautorinnen und -autoren um ein paar Zeilen und Gedanken zum Geburtstag. Diese werden hier in loser Reihe in den kommenden Wochen und Monaten veröffentlicht. Den Anfang macht ein Gastbeitrag von Katharina Hahn, Promovierende an der Universität Leipzig.

Was könnte ich aus eigener Erfahrung zur Universitätsbibliothek und ihrer Geschichte beitragen? Ich kenne vor allem die Albertina, und meine Erfahrungen beziehen sich auf den hinsichtlich der Jubiläumszahl mageren Zeitraum von zehn Jahren. Erst kam ich als Studentin hierher, dann als Promovierende.

Das Innenleben verändert sich permanent

Das Gebäude der Albertina wirkt von außen und innen so prachtvoll, dass gleich klar ist: Hier geht es um etwas Wichtiges. Und dieses Wichtige, das zeigt sich zunächst in einer unüberschaubaren Menge von Gängen, Büchern, Regalen, Regeln und Signaturen. Natürlich, das ist nur das offen Wahrnehmbare. Eine Oberfläche, die auf noch komplexere Strukturen im Innern verweist. In einer so großen Bibliothek kann ein ‚erster Schritt‘, um sich zurechtzufinden, langfristig nur heißen: Ein Bein ist immer in der Luft. Denn anders, als das Gebäude zunächst vermuten ließ, verändert sich sein Innenleben permanent. Weiterlesen →

Sieben Fragen an… Julia Raschke

…  unsere Auszubildende, die seit Ende August einen Abschluss als „Fami“ vorweisen kann.

1. Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zur bestandenen „Fami“-Prüfung. Was versteht man eigentlich unter einem „Fami“ und was halten Sie von dieser Abkürzung?

Vielen Dank, ich bin froh, das kann ich Ihnen sagen!
Was versteht man nun unter einem „Fami“? Ein „FaMI“ ist ein/e Fachangestellter/e für Medien- und Informationsdienste. Es gibt fünf Fachrichtungen dieses Berufes: Bibliothek, Archiv, Information und Dokumentation, Bildagentur und Medizinische Dokumentation. Zu den Aufgaben in einer Bibliothek gehören die Erschließung und insbesondere die Vermittlung von Medien und Informationen sowie deren Erwerbung, die Bestandspflege, die technische Bearbeitung und Ordnungs- und Sortierarbeiten.
Was die Abkürzung betrifft, bin ich etwas ratlos. Will heißen, ich finde sie ungelenk, habe aber keine Alternative parat, die ich anbieten kann. Was ist mit Ihnen? Irgendwelche Ideen? Weiterlesen →

Bombenstimmung im Hörsaal

Ein unvermutetes Highlight unter den griechischen Handschriften der UB Leipzig

Die Universitätsbibliothek besitzt unter ihren zahlreichen Handschriften auch viele griechische, darunter solche, die dem Weltdokumentenerbe zugeordnet sind, wie der berühmte Codex Sinaiticus aus dem 4. Jahrhundert (Cod. gr. 1) oder das Zeremonienbuch des byzantinischen Kaisers Konstantinos Porphyrogennetos aus dem 10. Jahrhundert (Rep. I 17), das zur bedeutenden Bibliothek des ungarischen Königs Matthias Corvinus (1442–1490) gehörte und nur in der Leipziger Handschrift vollständig erhalten ist. Weiterlesen →

Sieben Fragen an… Leander Seige & Caroline Bergter

Leander Seige, Leiter des Bereichs Digitale Dienste und Caroline Bergter, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit haben mit einem engagierten Team den Kultur-Hackathon Coding da Vinci Ost koordiniert. Hier stellen sie sich unseren „Sieben Fragen“.

1. Was ist ein Hackathon, hackt man da im Marathon?

Das ist mit der Frage wunderbar auf den Punkt gebracht. Das Wort Hackathon setzt sich aus Hacken und Marathon zusammen. Leider wird der Begriff Hacken oft ganz falsch und einseitig im Kontext der Computerkriminalität verwendet. Tatsächlich bezeichnet Hacken einen kreativen, leidenschaftlichen, unkonventionellen Umgang mit Technik und Daten. Und so ist auch unser Kultur-Hackathon zu verstehen. Coding da Vinci Ost war eine weitere Ausgabe der Hackathon-Serie Coding da Vinci.

2. Was sind Kulturdaten?

Schon die Bereitstellung dieser Daten ist ein spannender Prozess

Diese Frage mussten wir uns im Laufe der Vorbereitungen auch stellen. Auf den ersten Blick werden natürlich Digitalisate (Scans) von Gemälden, Handschriften, Zeichnungen, Landkarten, Fotografien und so weiter darunter verstanden. Doch bei Coding da Vinci werden auch viele andere Daten verwendet: Videos, Sounds, 3D-Modelle und auch Metadaten, Tabellen und Listen ganz unterschiedlicher Herkunft stehen zur Verfügung. Weiterlesen →

Finden und Filtern

Wer im Netz sucht, der findet – und landet dann in der Regel vor endlosen Listen. Das Filtern von unüberschaubaren Trefferlisten zu handelbaren Ergebnissen ist zu einer Kulturtechnik geworden, die wir intuitiv lernen und anwenden: Bei Amazon filtern wir nach den Produkten, die portofrei geliefert werden; bei der Suche nach Wohnungen sortieren wir die ohne Balkon gleich aus; bei Airbnb schränken wir auf die machbare Preisspanne ein; und wenn wir rauskriegen wollen, ob Pablo Escobar in echt so aussah wie Wagner Moura in Narcos, interessieren uns bei den Google-Ergebnissen nur die Bilder.

Das Recherchieren im Bibliothekskatalog bildet da keine Ausnahme. Der Vorteil, dass man über den Katalog der UB Leipzig so umfassend in über 150 Mio. Titeldaten von Büchern und Aufsätzen suchen kann, kann zum Nachteil werden, wenn man in der Flut der Ergebnisse die Übersicht verliert. Deshalb lassen sich auch im Katalog der UB schon lange die Ergebnisse nach verschiedenen Kriterien einschränken. Und das funktioniert noch dazu ziemlich gut. Weiterlesen →

UBL tritt internationaler Entwickler-Community OLE bei

Logo der OLE Community

Die UB Leipzig ist seit Mai 2018 neuestes Mitglied der internationalen Open Library Environment (OLE) Community, die sich der gemeinsamen Entwicklung quelloffener Bibliothekssoftware verschrieben hat. Aber welche Vorteile bringt uns diese Mitgliedschaft – und was bedeutet sie eigentlich genau?

Offenheit ist an der UBL schon seit Jahren Programm. Unser Engagement im Bereich Open Source, Open Data und Open Science gehört mittlerweile zum Selbstverständnis unserer Bibliothek. Nicht zuletzt verdanken wir das Prädikat Bibliothek des Jahres 2017 auch diesem Engagement. Mit 7 von 10 erfüllten Kriterien ist die UB Leipzig zudem ein würdiger Träger des Open Library Badge 2016. So einfach der Begriff “Offenheit/Openness” auch wirkt, er bedeutet für Bibliotheken weltweit viel Arbeit, personelle und auch finanzielle Ressourcen. Was wir im Gegenzug gewinnen ist Unabhängigkeit, Innovationskraft, eine stärkere Eigenkompetenz und natürlich einen breiteren offenen Zugang zu Informationen.

Für den Bereich Open Source Software lässt sich eine einfache Formel aufstellen: Weiterlesen →

Sieben Fragen an… Eman Aly Selim

Restauratorin aus Kairo, die zehn Wochen bei uns in der UB gearbeitet hat

1. Wie kommt man von Kairo nach Leipzig in die Papyrussammlung?

Ich bin direkt in Kairo geboren. Meine Eltern kommen aus einer Stadt in Ägypten, die für ihre Papyri berühmt ist. Deshalb wundert sich eigentlich in Ägypten niemand darüber, dass ich mich damit beschäftige, wenn sie hören, woher meine Eltern eigentlich kommen.

Nach der Schule habe ich an der Universität in Kairo „Alte Europäische Zivilisation“ studiert. Weil ich mich für Papyri interessiert habe, wollte ich lernen, wie man griechische Papyri liest, deshalb habe ich noch einen Master „Papyrus-Editing“ angeschlossen. Beim Arbeiten mit den Originalen ist mir aufgefallen, wie viele Fehler entstehen können, wenn sie von jemandem restauriert werden, der die Textfolge nicht kennt. Deshalb fand ich, das muss verbunden werden: das Lesenkönnen und das Restaurieren. Also habe ich an einem „Conservation Programme“ teilgenommen und noch einen Master in der Restaurierung von Papyri gemacht. Währenddessen war ich u. a. in verschiedenen Orten: in Kairo, in Catania (Italien), in den USA, in der Bibliothek von Alexandria und auch in Berlin.
Über diese Kontakte bin ich schließlich nach Leipzig gekommen. Leipzig hat eine sehr schöne Papyrussammlung und Herr Graf ist sehr nett und hat viel Erfahrung beim Arbeiten mit den Papyri. Ich erhielt während dieser zwei Monate Unterstützung vom Deutschen Archäologischen Institut in Kairo. Als ich noch etwas länger bleiben wollte, ermöglichte das Ägyptische Museum in Leipzig eine Verlängerung meines Aufenthaltes um weitere zwei Wochen. Weiterlesen →

Deutsche Psalter-Fragmente aus Stralsund und Hamburg …

… am Leipziger Handschriftenzentrum zusammengeführt

Ein Großteil der Überlieferung der mittelalterlichen deutschen Literatur besteht aus Fragmenten von ehemals vollständigen Handschriften, die in späterer Zeit zerschnitten wurden und in Bucheinbänden als Spiegel, Falzverstärkung, Einbanddecke o. ä. Verwendung fanden. Viele dieser Bruchstücke wurden schon im 19. Jahrhundert wieder aus den Einbänden gelöst und werden heute in Fragmentsammlungen der Bibliotheken aufbewahrt, ohne dass sich noch klären lässt, in welchen Bänden sie sich einst befanden. Häufig befinden sich die Fragmente jedoch noch an ihrem ursprünglichen Ort und sind weiterhin Teil eines Einbandes.

Unter den Handschriften des Stadtarchivs Stralsund, die zur Zeit im Rahmen des DFG-Projekts „Erschließung von Kleinsammlungen mittelalterlicher Handschriften in Ostdeutschland“ am Handschriftenzentrum der UB Leipzig erstmals katalogisiert werden, gibt es zwei deutsche Fragmente, die sich noch in Einbänden von neuzeitlichen Drucken befinden: zum einen ein kleines Fragment eines juristischen Texts, der als „Lübisches Recht“ identifiziert werden konnte, zum andern ein Fragment eines deutschen Psalters. Weiterlesen →

GELDKULTURERBE

Vorbereitungen für die Ausstellung zum 300-jährigen Jubiläum der Münzsammlung

Dass die UB Leipzig auch eine Sammlung historischer Münzen und Medaillen bewahrt, ist vielen Bibliotheksnutzerinnen und -nutzern wahrscheinlich wenig geläufig. Münzen in einer Bibliothek, abgesehen vom Wechselgeld in den Kassenautomaten oder dem Kleingeld in der Spendenbox in der Eingangshalle, mögen als Kuriosum erscheinen. Dass es sich bei der Münzsammlung der UB Leipzig sogar um eines der großen numismatischen Kabinette im nationalen Vergleich handelt, dürfte für die meisten daher umso überraschender sein. Tatsächlich umfasst der Sammlungsbestand ca. 86.000 Objekte, mit denen die internationale geldgeschichtliche Entwicklung von ihren Anfängen im 6./7. Jahrhundert v. Chr. bis ins späte 19. Jahrhundert repräsentativ abgedeckt wird. Die Leipziger Sammlung ist damit nicht nur das bedeutendste numismatische Kabinett an einer Universität in Deutschland, sondern rangiert auch auf Augenhöhe mit so manchem staatlichen Landesmünzkabinett. Weiterlesen →

#BibTour: Musik

Die Musikstadt Leipzig hat nicht nur ein Herz, sie hat viele: Neun Orte Leipzigs wurden jüngst als Europäisches Kulturerbe ausgezeichnet, darunter die Musikhochschule, das Mendelssohnhaus und das Gewandhaus mit seinem weltberühmten Orchester. Ein Standort der UBL ist diesen Musikorten besonders nahe – räumlich, historisch und ganz aktuell: die Bibliothek Musik. Weiterlesen →