Unter dem Titel „Ich habe mich nie hinter einer Maske versteckt“ (Regie: Rainer Pavel) erschien 1984 ein Dokumentarfilm über das Leben des Tänzers und Choreografen Jean Weidt. Darin beschreibt der damals 80-jährige sein v. a. von der Diktatur des Nationalsozialismus geprägtes und bewegtes Leben zwischen Widerstand und Selbstverwirklichung. Das titelgebende Zitat Weidts rekurriert zugleich auf eines seiner prägenden choreografischen und gestalterischen Mittel: die Verwendung von expressionistisch überhöhten Gesichtsmasken, die den Tänzer*innen und ihren Bewegungen einen spezifischen Ausdruck verleihen und ein groteskes Körperbild erzeugen. In seinen Choreografien spielte er bewusst mit Physis und Leid des ausgemergelten Körpers. Verbunden damit waren immer auch die Suche nach einem menschenwürdigen Leben sowie eine politische Aussage, was ihm bereits sehr früh in seiner Karriere den Beinamen „der rote Tänzer“ einbrachte.
Blickt man jedoch auf Weidts Biografie und sein Schaffen in der DDR, so stellen sich aus heutiger Perspektive einige Fragen. Inwieweit konnte er sich als überzeugter Kommunist und Künstler innerhalb des sozialistischen Systems verwirklichen? Hatte er auch hier mit Widerständen zu kämpfen? Wie bewegte er sich persönlich und künstlerisch zwischen Offenheit und (notwendiger) Maskierung? Wird Weidts Aussage „Ich habe mich nie hinter einer Maske versteckt“ in diesem Kontext zu einer verkehrten Selbstbehauptung? Diese Überlegungen standen im Zentrum der Vorbereitung der Ausstellung EinBlick #9: Jean Weidt / Masken des Widerstands und sollen in diesem Blogpost noch einmal vertieft werden.
Weiterlesen →

