Es war einmal im Fürstenzimmer

oder: von minne und Liebe

Es gab einmal eine Zeit, in der nicht Corona unser Leben bestimmte und in der auch nicht Brandschutzbaumaßnahmen in der Bibliotheca Albertina die Oberhand hatten. An diese nichtgraue Vorzeit erinnere ich, denn das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen, wie die Literaten richtig schreiben.

Das Handschriftenzentrum in Leipzig ist für uns als Lehrende, nicht nur der germanistischen Mediävistik, ein unglaublicher Zugewinn. Denn wir können (früher zumindest konnten wir) die historischen Bestände als originale Quellen, nicht nur als Digitalisate, in unseren Unterricht einbeziehen und die bei den Studierenden oftmals unbeliebten Lektüren mittelalterlicher Texte durch den Blick auf originale Handschriften und deren Geheimnisse auflockern. Ich habe es mir zur Gewohnheit werden lassen, mit den Einführungskursen im Sommersemester stets auch eine Seminarsitzung zu konzipieren, die im Fürstenzimmer der Albertina stattfand, in der wir um den schweren Holztisch saßen und uns von Christoph Mackert oder von Katrin Sturm Handschriften aus dem Bestand der UB zeigen und erläutern ließen. Mittelalterliche Literatur wurde dadurch sichtbar und riechbar, ganz vorsichtig auch berührbar.

Das Leipziger Handschriftenzentrum (Gruppenphoto 2018) mit seinem Leiter Christoph Mackert (links)
Weiterlesen →

20 Jahre Leipziger Handschriftenzentrum

Am 6. Dezember 2020 feiert das Handschriftenzentrum an der Universitätsbibliothek (UB) Leipzig sein 20-jähriges Bestehen. Als eine zentrale Forschungs- und Kompetenzeinrichtung erschließt und digitalisiert es Handschriftenbestände für Institutionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen und darüber hinaus.

Weiterlesen →

Aus dem Tresor in die digitale Freiheit

Wie das Digitalisat einer mittelalterlichen Handschrift entsteht

Wie gelangt eine mittelalterliche Handschrift aus der Leipziger Universitätsbibliothek als Digitalisat ins Internet, für alle kostenfrei und weltweit zugänglich? Wir haben die Kolleg*innen aus dem Handschriftenzentrum und der Digitalisierung bei ihrer Arbeit vom Tresor bis vor den Computer begleitet.

Weitere Informationen zum Handschriftenzentrum.

Ein Bücherregal voller Originale über dem heimischen Schreibtisch

1. Der Altbestand als historischer Quellenfundus in Zeiten eingeschränkter Zugangsmöglichkeiten

In den Zeiten von Home-Office und virtuellem Studienbetrieb, in Zeiten, in denen größere Reisen nicht oder nur sehr beschränkt möglich sind, benötigt das wissenschaftliche Arbeiten mehr denn je Hilfsmittel und Möglichkeiten, die vorhandene Distanz virtuell zu überbrücken. Im Bereich der Versorgung mit aktueller Forschungsliteratur liefern E-Medien, Open-Access-Publikationen oder auch Fernleihe und Dokumentlieferdienste wichtige Formen, um trotz örtlicher Trennung schnell und direkt an die gewünschten Medien zu gelangen. Wie sie funktionieren und vor allem welche zusätzlichen Möglichkeiten während Covid19 vorhanden sind, haben zahlreiche Beiträge in unserer Rubrik ubleipzig@home ausführlich beschrieben. 

Weiterlesen →

Fragmente schreiben Literaturgeschichte

Neue Textfunde zur deutschsprachigen geistlichen Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts

Ein Beitrag von Werner Hoffmann, Matthias Eifler und Katrin Sturm

1. Wieder entdeckt und freigelegt

Jahrhundertelang überdauerten zwei Pergamentblätter unbeachtet als Einbandbezüge in den Magazinen der Bibliothek des Evangelischen Predigerseminars in Wittenberg, die jetzt Teil der Reformationsgeschichtlichen Forschungsbibliothek ist. Erst bei einer Bestandssichtung im Frühsommer 2019 entdeckte der stellvertretende Bibliotheksleiter, Pfarrer Matthias Piontek, dass sie nicht nur sehr altes, sondern darüber hinaus auch noch volkssprachiges Textmaterial enthalten.

Weiterlesen →

Unbekannten Handschriftenbeständen in Ostdeutschland auf der Spur

Aktivitäten des Leipziger Handschriftenzentrums zur Erschließung und Digitalisierung von Streuüberlieferung 

Ein Beitrag von Dr. Matthias Eifler und Dr. Werner Hoffmann

Fortsetzung eines Erschließungsprojektes am Leipziger Handschriftenzentrum

Seit den frühen 2000er Jahren engagiert sich das Handschriftenzentrum der UB Leipzig, eine von sechs Service- und Kompetenzeinrichtungen für die Erschließung und Digitalisierung von Handschriftenbeständen in Deutschland, in der Aufarbeitung von kleinen und kleinsten Handschriftensammlungen. Ein bis 2015 durchgeführtes, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördertes Pilotprojekt hat gezeigt, welchen reichen Fundus für Neuentdeckungen die Erschließung unbekannter Streuüberlieferung in städtischen und kirchlichen Archiven, Kloster- und Stiftsbibliotheken, Schulbibliotheken sowie Museen bietet.

Seit 2016 werden in einem Fortsetzungsprojekt 245 Handschriften und Fragmente aus elf Institutionen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern bearbeitet. Nach der positiven Begutachtung der ersten Arbeitsphase durch die DFG kann das Projekt nun seit Frühsommer 2019 für drei weitere Jahre fortgesetzt werden. Dies bietet Anlass, einige Ergebnisse und Funde aus der ersten Projektphase vorzustellen.

Weiterlesen →

Universität ohne Bibliothek

Bücher an der Universität Leipzig vor der Gründung der UB Leipzig (1409–1543)

1. Quellenfundus für das frühe Universitätsleben

Am 2. Dezember feiert die Universität Leipzig ihren 610. Geburtstag und damit ihr Gründungsjahr von 1409. Erst mit einer zeitlichen Verzögerung von fast 150 Jahren konnte die Universitätsbibliothek 1543 durch Caspar Borner eingerichtet werden. Somit konnte die UB für die ersten 150 Jahre der Universität damit also nicht die zentrale Rolle innerhalb des universitären Lebens einnehmen, die sie heute innehat.

Weiterlesen →

Sieben Fragen an… Franz Schollmeyer

… unseren neuen (aber nicht unbekannten) Mitarbeiter im Handschriftenzentrum.

1. Herr Schollmeyer, wer sind Sie und woher kommen Sie?

Ich bin in Dresden geboren, aufgewachsen aber in Pommritz, einem Dorf in der Oberlausitz, in einer Art Kommune. Später ging ich in das Internat der Kapellknaben nach Dresden. 2008 bin ich zum Studium der Germanistik nach Leipzig gekommen. Seit gut einem Jahr bin ich nun Mitarbeiter für Datenredaktion im DFG-Projekt Handschriftenportal.

Weiterlesen →

Zwischen Buch und Zelle

Das MikroBIB-Projektteam auf Exkursion in die Zisterzienserklöster Buch und Altzelle

Kolleginnen und Kollegen des BMBF-geförderten Verbundprojekts der TU Braunschweig und der UB Leipzig ‚Kontamination und Lesbarkeit der Welt: Mikroben in Sammlungen zur Sprache bringen‘ haben Anfang September 2019 die ehemaligen Zisterzienserklöster Buch bei Leisnig und Altzelle bei Nossen besucht, genauer gesagt: deren bauliche Überreste.

Weiterlesen →

Alte Handschrift – Frühes Papier

Eine der ältesten deutschsprachigen Papierhandschriften im Bestand der ehemaligen Donaueschinger Handschriften der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe entdeckt.

1. Intro

Seit 2015 wird am Handschriftenzentrum der Universitätsbibliothek Leipzig das DFG-Projekt ‚Neukatalogisierung der ehemals Donaueschinger Handschriften der BLB Karlsruhe (Teil B)‘ durchgeführt. Auch wenn das Projekt sich langsam dem Ende zuneigt, bringt es immer wieder bemerkenswerte Entdeckungen hervor. Mit der Handschrift Donaueschingen B V 13 kann nun aus kodikologischer – also materialitätsbezogener – Sicht ein ganz besonderer Fund vermeldet werden.

Weiterlesen →