FAQ: SCAN FOR FREE

Anfang März 2019 haben wir in einer Mail an unsere Nutzerinnen und Nutzer sowie auf unserer Website darüber informiert, dass ab dem 2. Mai 2019 an allen Standorten der Universitätsbibliothek Leipzig Buchscanner zur kostenfreien Nutzung zur Verfügung stehen, es im Zuge dessen allerdings keine Kopierer und Drucker mehr in der Räumen der Universitätsbibliothek geben wird.  In Reaktion auf diese Nachricht erreichten uns Zuschriften, mit einer Menge Lob und Unterstützung für diesen Schritt, aber auch mit Fragen und Unsicherheiten, auf die wir an dieser Stelle eingehen möchten. Weiterlesen →

Replik auf Beitrag zur Bibliothek Karl-Sudhoff

In Replik auf Klaus Grafs Beitrag „Bibliothek des bedeutendsten Medizinhistorikers aller Zeiten (Karl Sudhoff) wird verscherbelt“ vom 5. März (https://archivalia.hypotheses.org/98179)

Lieber Herr Graf,

gestatten Sie, dass ich auf Ihre heutige Offensive antworte und einiges richtigstelle, was Sie vorschnell behaupten. Sie werden sehen, dass hier kein Grund zu Alarmismus besteht.

Die Privatbibliothek von Karl Sudhoff und dessen Nachlass kam in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts zur Bayerischen Staatsbibliothek München und wurde dort erschlossen. Es verblieb in Leipzig in der Obhut der Universitätsbibliothek Leipzig die Bibliothek des Sudhoff-Instituts, in der sich keine Bücher aus Sudhoffs Privatbesitz befanden.

Die Institutsbibliothek hat Karl Sudhoff zu Lebzeiten mit aufgebaut. Nach seinem Tod ist auch seine Handbibliothek aus den Räumen des Instituts Teil der Bibliothek geworden, wie zahlreiche andere Werke wissenschaftlicher Art. Es handelte sich in weiten Teilen um eine Fachbibliothek zur Geschichte der Medizin und Naturwissenschaften, allerdings mit einem großen hausinternen Dublettenbestand. Wertvolle Teile der Bibliothek (wie mittelalterliche Handschriften, Inkunabel, Drucke des 16. und 17 Jahrhunderts, Teile des Nachlasses von Sudhoff) sind im 2. Weltkrieg verloren gegangen, das heißt die Sudhoff-Bibliothek bestand nach 1945 gar nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form. Die Prüfung und Umsetzung der Institutsbibliothek erfolgte in mehreren Etappen, mit dem Ziel, den Grundbestand der historischen Bibliothek zu erhalten. So wurden bereits in den 1990er Jahren die Titel mit Erscheinungsjahr vor 1850 in die Bibliotheca Albertina (Hauptmagazinbibliothek und Standort der Sondersammlungen) umgesetzt, unter Beibehaltung der alten Fachsignaturen des Instituts.

Nun hat die Medizinische Fakultät einen neuen Bibliotheksstandort erhalten (eingeweiht Januar 2019) und das alte Gebäude des Sudhoff-Instituts konnte keine Bücher mehr beherbergen. Bei der Umsetzung der Bestände wurde der Bestand bis 1938 (dem Jahr des Todes von Karl Sudhoff) komplett bewahrt und auch unter den alten Fachsignaturen aufgestellt, um den Gesamtzusammenhang der Bibliothek zu wahren. Alle später erschienenen Titel, wenn nicht dublett, sind in den normalen Bestand entweder der Bibliotheca Albertina oder in die Bibliothek Medizin/Naturwissenschaften umgesetzt worden.

Ich denke, Sie können dieses Vorgehen nachvollziehen. Da die Sudhoff-Institutsbibliothek nicht insgesamt einen herausragenden historischen Wert besitzt, haben wir den alten Bestand mit den Signaturen übernommen und Dubletten darüber hinaus aussortiert, wie das die meisten Bibliotheken tun und aus Platzgründen auch tun müssen. (Wir haben knapp sechs Millionen Bände insgesamt.)
Schmerzlich ist mir, dass Sie – ohne nachzufragen – in die Welt posaunen, wir würden seltene Bücher verkaufen lassen. Richtig ist, dass es sich bei den nun antiquarisch angebotenen Resten um eine breite Palette von Dubletten zu unseren durchweg wertvollen Medizinbeständen in der Regel mit Erscheinungsjahr nach 1850 handelt.

Auch Ihre Beispiele sind Dubletten zu unserem Bestand:

Bei den Konvoluten handelt es sich überwiegend um Dissertationen und Sonderdrucke, die ebenfalls Dubletten zu weiteren Exemplaren oder der jeweiligen Zeitschrift sind.

Ich schließe mit der Bemerkung, dass die Universitätsbibliothek Leipzig ein hervorragender Standort für die medizinhistorische Forschung ist und bleibt. Es ist die Hauptsorge der UB Leipzig, den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ihre Arbeit zu erleichtern, was wir sowohl mit der Bestandspflege wie mit vielen anderen Aktivitäten tun (beispielsweise der Retrodigitalisierung). Aber das ist ein anderes Thema.

Mit freundlichen Grüßen, Ihr Ulrich Johannes Schneider
Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig

Sieben Fragen an… Julia Raschke

…  unsere Auszubildende, die seit Ende August einen Abschluss als „Fami“ vorweisen kann.

1. Zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zur bestandenen „Fami“-Prüfung. Was versteht man eigentlich unter einem „Fami“ und was halten Sie von dieser Abkürzung?

Vielen Dank, ich bin froh, das kann ich Ihnen sagen!
Was versteht man nun unter einem „Fami“? Ein „FaMI“ ist ein/e Fachangestellter/e für Medien- und Informationsdienste. Es gibt fünf Fachrichtungen dieses Berufes: Bibliothek, Archiv, Information und Dokumentation, Bildagentur und Medizinische Dokumentation. Zu den Aufgaben in einer Bibliothek gehören die Erschließung und insbesondere die Vermittlung von Medien und Informationen sowie deren Erwerbung, die Bestandspflege, die technische Bearbeitung und Ordnungs- und Sortierarbeiten.
Was die Abkürzung betrifft, bin ich etwas ratlos. Will heißen, ich finde sie ungelenk, habe aber keine Alternative parat, die ich anbieten kann. Was ist mit Ihnen? Irgendwelche Ideen? Weiterlesen →

Schon gewusst: JSTOR ist auch BSTOR!

Die Datenbank JSTOR, kurz für Journal Storage, ist für die Geisteswissenschaften beinahe aller Couleur bekanntes Terrain. JSTOR enthält zehntausende Zeitschriftenartikel im Volltext. Früher war es noch notwendig, die Artikel direkt in der Datenbank zu suchen, heute werden die Artikel direkt im Katalog angezeigt. Auf diese Weise ersparen sich die Forscherinnen und Forscher einen zweiten Schritt. Direkt in die Datenbank zu gehen, empfiehlt sich aber immer noch bei der Suche nach Literatur zu einem bestimmten Thema. So weit, so gut. Was aber vielleicht viele nicht wissen: JSTOR bietet auch E-Books an, ist also nicht nur ein Journal –, sondern auch ein Book-Storage. „Ach“, winken Sie ab. „Das wird sich die Bibliothek doch eh nicht leisten können!“ „Doch, kann sie!“ sagen wir. Denn ein Teil der E-Books ist nämlich Open Access, also kostenlos von überall aus nutzbar. Außerdem können sie auch problemlos heruntergeladen werden. Aber werfen Sie selbst einen Blick auf die Sammlung. Weiterlesen →

Schreibhilfe im Vier-Augen-Prinzip

Ein Rückblick auf die zweite Auflage der Langen Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten

Bereits zum zweiten Mal fand am 01. März 2018 die Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten, organisiert vom Academic Lab | Wissenschaftslabor, der Universitätsbibliothek Leipzig und dem Studentenwerk Leipzig statt. Auf drei Etagen der Campus-Bibliothek konnten Studierende zwischen 18 und 22 Uhr aus insgesamt 22 Veranstaltungen und sieben persönlichen Beratungsangeboten wieder ihren ganz eigenen Veranstaltungs- und Motivationsplan zusammenstellen. Das Studentenwerk Leipzig versorgte zusätzlich alle Schreibwütigen über den Abend mit kostenlosen Snacktüten, Kaffee und Tee. Weiterlesen →

Sieben Fragen an… Ute Nitzschner

Leiterin des Teams Fernleihe

Leipzig – Hongkong und zurück
Auch Bücher haben ein bewegtes Leben

Als zweiten Teil unserer Reihe „Sieben Fragen an…“ befragten wir Ute Nitzschner, Leiterin des Teams Fernleihe an der UBL:

1. Stimmt es, dass die UBL Bücher nach Hongkong verleiht?

Ja, es handelte sich um eine französische Dissertation aus den 40er Jahren, die angefragt wurde und tatsächlich sechs Wochen dorthin unterwegs war. Zugegeben, ein seltener Fall, aber die internationale Fernleihe gehört ebenso zum Netzwerk Fernleihe wie der Verleih innerhalb Deutschlands. Weiterlesen →

Open-Access-Kritik im Faktencheck

Nachtrag zur Podiumsdiskussion „Der Gedanke und seine schriftliche Form“

Am 7. Dezember 2017 folgte der Heidelberger Literaturwissenschaftler Roland Reuß einer Einladung der AG Geisteswissenschaften des Student_innenRats nach Leipzig. In der Bibliotheca Albertina stand ein Podiumsgespräch zum Thema Geisteswissenschaften und elektronisches Publizieren auf dem Programm. Roland Reuß, ein prominenter Kritiker von Open Access, diskutierte mit dem Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) Ulrich Johannes Schneider sowie mit Nils Fandrei und Joachim Rautenberg als Vertretern der AG. In der durchaus kontrovers geführten Debatte wurden einige Thesen vertreten und Befürchtungen geäußert (nicht von Herrn Schneider), die uns im Kontext von Open Access und Open Science immer wieder begegnen. Mitunter scheinen diese auf Missverständnissen oder verkürzenden Verallgemeinerungen zu beruhen. Weiterlesen →

Sieben Fragen an… Olaf Mokansky

Leiter der Arbeitsgruppe Digitalisierung

Mit diesem Beitrag starten wir in unserem Blog eine kleine Reihe unter dem Titel: „Sieben Fragen an…“. Dabei handelt es sich um kurze Interviews, in denen wir Einblicke in den Arbeitsalltag derjenigen Kolleginnen und Kollegen geben möchten, die ansonsten meist „hinter den Kulissen“ bleiben. Den Anfang machen wir mit Herrn Olaf Mokansky, einem noch recht neuen Kollegen, der im April 2017 die Leitung der Arbeitsgruppe Digitalisierung übernommen hat. Weiterlesen →

Openness an der UBL – von der Befreiung unserer Daten

Offenheit ist an der UBL schon seit Jahren Programm. Wir setzen an vielen Stellen Open-Source-Software ein und entwickeln sie weiter (Paradebeispiel ist unser Katalog) und betreiben für die Forschenden an der Universität Leipzig ein Open Science Office. Was zunächst vielleicht vage klingt – ›offen‹ bzw. ›open‹ sind nun mal Modewörter –, hat durchaus Methode: Bibliotheken strukturieren Wissen, sie schaffen Daten und auch Medien. Das können Katalogdaten sein, Software und gescannte Dokumente, aber auch Fotos und Schulungsmaterial. Wer über Offenheit in Bibliotheken spricht, meint: Diese Güter sollten Bibliotheken nicht horten oder gar vermarkten, sondern sollten sie der Allgemeinheit zurückgeben. Weiterlesen →

Lesen und lesen lassen: Text- und Data-Mining in lizenzierten Ressourcen der UBL

Stellen Sie sich vor, ein gefährliches Virus bricht aus.

Meldungen über Neuinfektionen häufen sich und Sorge macht sich in der Bevölkerung breit. Unter Zeitdruck suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach einer Gegenstrategie – und stehen zunächst vor einem Berg an Fachliteratur, der unmöglich in kurzer Zeit zu lesen ist.

Ansicht des Kapsids (Proteinhülle) des Zika-Virus (David Goodwill / Wikimedia Commons, CC-BY 4.0, unverändert)

So geschah es im vergangenen Jahr beim Ausbruch des Zika-Virus in Südamerika. Der Chemiker und Open-Science-Aktivist Peter Murray-Rust konnte zeigen: Für einen ersten Überblick ist es nicht nötig, hunderte wissenschaftliche Fachartikel zu lesen. Es ist besser, sie lesen zu lassen – von einer Software, die Informationen aus Texten extrahiert. Welche Themen tauchen im Kontext von Zika auf? Lässt sich die Verbreitung des Virus eindämmen oder gibt es Ansätze zur Therapie der Krankheit?

Dies ist nur ein Beispiel für eine Methode namens Text-Mining. Je nachdem, wie strukturiert die durchsuchten Quellen vorliegen, spricht man auch von Data-Mining oder allgemein von Text- und Data-Mining (TDM). TDM wird in nahezu allen Forschungsbereichen angewandt. (In diesem Artikel von Bastian Drees finden Sie viele weitere Beispiele und Details.) Forschende, die mit der Methode des TDM arbeiten, sind immer auf den uneingeschränkten Zugang zu Texten und Daten angewiesen. In der Praxis ist das kein Problem bei gemeinfreien Werken oder Open-Access-Publikationen. Komplexer ist die Rechtslage bei aktueller wissenschaftlicher Fachliteratur, wo der Zugang durch Lizenzierung erworben werden muss: Manche Lizenzverträge erlauben TDM, manche nicht. Erst die Novellierung des deutschen Urheberrechtsgesetzes, die im März 2018 in Kraft tritt, sieht eine allgemeine Erlaubnis von TDM unter gewissen Einschränkungen vor (Gesetzentwurf, §60d).

Auf dieser Seite erhalten Sie bis dahin Auskunft darüber, ob unsere Lizenzen die Erlaubnis zu TDM beinhalten. Benötigen Sie Informationen zu den genauen Nutzungsbedingungen dieser Bestände oder Unterstützung beim Zugriff, so wenden Sie sich bitte an das Open Science Office.


Nachtrag, 2.3.2018:

Die erwähnte Übersicht darüber, welche unserer Lizenzen die Erlaubnis zu TDM enthalten, ist seit dem 1. März 2018 nicht mehr online, weil sie nach der UrhG-Änderung nicht mehr notwendig ist. An ihrer Stelle finden Sie stattdessen einige Hinweise, was Forschende beim TDM in lizenzierten Ressourcen beachten sollten.