Ukrainian Week 2026: Vom Erwachsenwerden im Krieg und blauen Orangen

Bevor wir einen Blick voraus auf die Veranstaltungen der Ukrainian Week werfen, schauen wir noch kurz zurück.

Im November letzten Jahres, genauer gesagt, am 10. November, fand ein Gespräch zur ukrainischen Gegenwartsliteratur statt. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die hohe künstlerische postmoderne Qualität der Texte gelegt und auf die Tatsache, dass die meisten Romane von Frauen verfasst wurden. Das Gespräch zwischen Dr. Alexander Kratochvil, einem Spezialisten für ukrainische Literatur und deren Übersetzer, und unserer Fachreferentin für Slavistik, Dr. Sophia Manns-Süßbrich, wurde dankenswerterweise vom Zentrum für Medienproduktion der Universität Leipzig live gestreamt und aufgezeichnet. Es kann jederzeit auf unserem Youtube-Kanal angeschaut werden:

Diese Veranstaltung war keinesfalls der Ersatz für die Ukrainische Woche im letzten Jahr, vielmehr sollte sie schon als kleiner Teaser dienen, denn nun, im Februar 2026, findet sie wieder statt: die Ukrainian Week. Mit neuen Schwerpunkten und weiteren Kooperationspartnern wie den Passage Kinos möchten wir alle Interessierten zu den Veranstaltungen herzlich einladen und stellen daher hier das Programm kurz vor.

Wie schon in den vergangenen Jahren wird der Horizont erweitert und weitere Aspekte der vielfältigen ukrainischen Identität präsentiert. Wir richten den Blick gleichsam in die Zukunft, auf Jugendliche und junge Erwachsene.

MONTAG, 16. Februar 2026

Den Auftakt macht die Eröffnung einer Fotoausstellung am 16. Februar um 19 Uhr. Die Ausstellung besteht, genau genommen, aus zwei Teilen, die sich wunderbar ergänzen: „Coming of Age Amidst War“ ist eine Fotoausstellung, die durch das Amerikahaus in Lviv initiiert wurde. Sie zeigt ukrainische Jugendliche und junge Erwachsene vor dem Hintergrund des Krieges, der seit 2014 ihr Land erschüttert. „Ukrainian portraits“ ist eine Fotoserie über die jungen Ukrainer*innen, die 2022 nach Leipzig kamen. Die Vernissage wird musikalisch von The Collin begleitet. Die Ausstellung wird vom 16. Februar bis zum 5. April in unserem Ausstellungsraum zu sehen sein.

DIENSTAG, 17. Februar 2026

Fortgesetzt wird die Woche mit einem Projekt, das ebenfalls mithilfe von jungen Menschen realisiert wurde. Gemeinsam mit dem Dozenten Dr. Christian-Daniel Strauch vom Institut für Slavistik der Universität Leipzig und Oksana Molderf, einer ukrainischen Übersetzerin, entstanden in Zusammenarbeit mit Studierenden gleich zwei Sammelbände ukrainischer Literatur in deutscher Übersetzung. Über diese Arbeit und die Herausforderungen spricht Frau Dr. Sophia Manns-Süßbrich am Dienstag, dem 17. Februar ab 18 Uhr im Fürstenzimmer der Bibliotheca Albertina mit Dr. Strauch und Studierenden.

MITTWOCH, 18. Februar 2026

Um den Krieg gegen die Ukraine und die transatlantischen Beziehungen geht es in einer Podiumsdiskussion am Mittwoch, dem 18. Februar ab 18 Uhr. Wir begrüßen Prof. Volodymyr Kupchak, ehemaliges Mitglied des Ukrainischen Parlamentes und Wirtschaftswissenschaftler, Dr. Margarete Klein von der Stiftung Wissenschaft und Politik und Dr. David Sirakov von der Atlantischen Akademie Kaiserslautern. Die auf Englisch stattfindende Veranstaltung wird von Erica Larsen Bautze moderiert und findet im Polnischen Institut, unserem langjährigen Kooperationspartner, statt.

DONNERSTAG, 19. Februar 2026

Wir freuen uns sehr auf ein besonderes Ereignis: Am Donnerstag geht’s ins Kino! Die Regisseurin Iryna Tsilyk reist eigens an und steht für ein kleines Q&A zur Verfügung, bevor ihr Film: „The earth is blue like an orange“ um 18 Uhr in den Passage Kinos gezeigt wird. Der Dokumentarfilm zeigt das Leben einer ukrainischen Familie im Osten des Landes: eine Tochter will sich bei der Filmhochschule Kyjiw bewerben, aber eigentlich lieben alle Familienmitglieder Kino über alles. Doch Russland hat schon einen Krieg gegen das Land begonnen und die Ukraine überfallen. Was bedeutet das für das Leben und die Träume? Die Regisseurin erhielt für diesen Film den Preis des Sundance Festivals. Die Passage Kinos nehmen zum ersten Mal an der Ukrainian Week teil, was uns natürlich sehr freut. Frau Tsilyks Aufenthalt wird unterstützt vom Ukraine Office Austria im österreichischen Außenministerium und dem OeAD-Kooperationsbüro Lemberg, wofür wir besonders dankbar sind.

FREITAG, 20. Februar 2026

Unsere Abschlussparty, die im November 2024 schon ein großer Erfolg war, geht in eine neue Runde. Ein Konzert mit Melanka Piroschik, Live Poetry, Getränken und ukrainischer Musik mit DJ Claire versprechen einen unterhaltsamen, schönen und fröhlichen Abend.

Wer immer noch zweifelt, kann sich beim Hören der Sendung zur Ukrainian Week bei Radio Blau noch mehr Anregungen und Hinweise holen: https://www.freie-radios.net/mp3/20260214-dieukrainisc-140872.mp3

Alle Veranstaltungen sind kostenlos und können, bis auf die Filmvorführung und die Abschlussparty, ohne Anmeldung besucht werden. Für die Filmvorführung oder/und Party bitten wir um eine kurze Nachricht per E-Mail an ludwig@dai-sachsen.de

Weitere Informationen zum Programm finden Sie beim Deutsch-Amerikanischen Institut Sachsen (DAIS).

Wir freuen uns auf Sie!

„Nun singet und seid froh“

Ms 1305 Ausschnitt des"In dulci jubilo" und UBL-Chor in der Bibliotheca Albertina

Im Chor an unserer Bibliothek.

Wer hätte das gedacht? Seit März 2025 haben wir an der UBL einen Chor! Mit 18 eingeschriebenen Sängerinnen und Sängern. Um Geschichte und Statistik etwas auszuführen: Eine Sprechmotette zur Verabschiedung unserer langjährigen Vizedirektorin Charlotte Bauer in den Ruhestand im Dezember 2024 war ein rauschender Erfolg. Von dieser Erfahrung beflügelt, ging im neuen Jahr eine Mail an die ca. 200 UB‑Adressen mit der Idee, einen Chor zu gründen. 20 Personen haben sofort geantwortet, also 10 Prozent! Zwei davon mit herzlichen Sympathiebekundungen und dem Zusatz, nicht singen zu können. 18 sagten zu, im Chor mitzumachen, davon vier Männerstimmen, was ein Fünftel ist. Davon können andere Chöre nur träumen. Auch Alt und Sopran, die tiefe und die hohe Frauenstimme, sind gut besetzt. Nun sind Zahlen bekanntlich Schall, der verraucht. Wie steht es mit dem vernehmbaren Schall?

Weiterlesen →

Dichterikone. GOETHE sammeln, erforschen, verehren, vermitteln

Ausstellungshinweis

Ausstellung aus Anlass des 100. Gründungsjubiläums der Leipziger Goethe-Gesellschaft (7. November 2025 bis 1. Februar 2026)

Schon wieder Goethe? Ja und nein. In Leipzig, dem Ort, wo der junge Jurastudent aus Frankfurt drei prägende Jahre seines Lebens zugebracht hat, fanden des Öfteren Ausstellungen statt, die ihn in den Mittelpunkt stellten: die erste 1849 zum 100. Geburtstag, die beiden letzten 1999 zum 250. Geburtstag Goethes. Diesmal aber ist der Fokus ein anderer, es geht nicht eigentlich um den „Dichterfürsten“, sondern um kulturelle Praktiken und die Bedeutungen, die Literatur und Autoren (seltener Autorinnen) in bestimmten historischen Kontexten zugeschrieben werden. Anlass ist das 100-jährige Bestehen der Leipziger Goethe-Gesellschaft. Hinzu kommt ein weiteres Jubiläum: Vor 200 Jahren wurde in Leipzig der Börsenverein des deutschen Buchhandels gegründet. Die Stadt veranstaltet deshalb 2025 das Themenjahr „Mehr als eine Geschichte. Buchstadt Leipzig“, und die UB Leipzig leistet mit der Sonderausstellung Dichterikone in der Bibliotheca Albertina ihren Beitrag zum Programm dieses Themenjahres.

Weiterlesen →

Unsere erste „Nacht der Bibliotheken“

Aufgeregte Kinderstimmen, Bastelkleber, ehemalige Studentinnen, Mediävisten und viele Leipziger*innen trafen am 4. April 2025 an der Universitätsbibliothek Leipzig aufeinander. Gleich an vier Standorten begrüßten wir Neugierige und Abenteuerlustige zur ersten bundesweiten „Nacht der Bibliotheken“.

Weiterlesen →

Leipzig liest 2025

Die Veranstaltungen von Leipzig liest 2025 in der Bibliotheca Albertina vom 26. bis 29. März waren auch dieses Jahr wieder ein fulminanter Erfolg für alle Literatur-Liebhaber*innen. Rund 1.000 Besuchende verteilt auf sechs Veranstaltungen durften wir im Café Alibi, im Vortragssaal und im Lesebereich West begrüßen. Ein Highlight war sicherlich der Besuch der Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk. Wir teilen die Eindrücke dieser spannenden Abende!

Weiterlesen →

Die Buchmesse in der DDR

Leipziger Buchmesse 1989, Foto: Gerhard Hopf/Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Ein Fundstück zum Themenjahr „Buchstadt Leipzig“

Die Schwarz-Weiß-Aufnahme nimmt uns mit in eine andere Zeit. Es ist März 1989. Zwar regt sich in Leipzig und anderswo an vielen kleinen Punkten schon Widerstand gegen den Staat und die Einengung, aber im Großen und Ganzen geht alles seinen sozialistischen Gang. Wie jedes Jahr findet die Internationale Leipziger Buchmesse innerhalb der großem Leipziger Frühjahrsmesse statt. Bücher sind also nicht die einzigen Waren, die auf der Handelsschau gezeigt werden. Maschinen, Werkzeuge und andere technische Güter finden sich in den Hallen auf dem weitläufigen Gelände der Technischen Messe nahe des Völkerschlachtdenkmals. In den Messehäusern der Innenstadt gibt es Porzellan zu sehen, Möbel, Musikinstrumente, Nahrungsmittel, Schmuck und Uhren, Schuhe und Spielwaren.

Weiterlesen →

Verstrickt?

Siegel der deutschen Botschaft in Kairo

Die Fäden der Papyruserwerbungen zurückverfolgen

Das Thema der kolonialen Kontexte ist in Bibliotheken angekommen.1

So beginnt der Bericht eines zweitägigen Workshops, der im November 2023 an der Staatsbibliothek zu Berlin veranstaltet wurde. Einer der zahlreichen Vorträge thematisierte einen problematischen Erwerbungskontext in der Papyrussammlung der SUB Hamburg. Für die Papyrussammlung der Universitätsbibliothek Leipzig können wir die Provenienz eines Teils der Papyri zurückverfolgen, während wir zum Herkommen des größeren Teils der Papyri nichts wissen. Unabhängig davon stellte ich mir als Kustodin unserer Sammlung die Frage: Haben wir hier in Leipzig bisher die Provenienz der Papyrussammlung schon kritisch beleuchtet? Das bildete den Auslöser dafür, im Jahr 2025 den EinBlick #6 „Unsere Papyri – wirklich unsere?“ zu gestalten und die vier Abende in der Vortragsreihe der Papyrussammung an Themen zu Provenienz und kolonialen Kontexten auszurichten.

Weiterlesen →

„Im Dunstkreis der Politik“ – Heisenbergs Tochter Barbara Blum im Interview

Vortrag über Verdienste und Konflikte des Nobelpreisträgers am 7. November

Beitrag von Susann Sika (Pressereferentin der Universität Leipzig)

Werner Heisenberg, einer der bedeutendsten Physiker des 20. Jahrhunderts, erhielt 1932 den Nobelpreis für die Begründung der Quantenmechanik. Im Zweiten Weltkrieg forschte er im „Uranprojekt“ an Einsatzmöglichkeiten der Kernspaltung, geriet aber auch in Konflikt mit den Nationalsozialisten, da er Kontakte zu jüdischen Wissenschaftler:innen hatte. Heisenbergs Tochter Barbara Blum hält am 7. November 2024 im Rahmen der Vortragsreihe „Werner Heisenberg in Leipzig“ in der Bibliotheca Albertina den Vortrag „Im Dunstkreis der Politik“, in der es vor allem um Heisenbergs Zeit in Leipzig von 1927 bis 1942 geht. Im Interview berichtet Blum über die schwierigen Zeiten, die ihr Vater in seiner Zeit als Professor an der Universität Leipzig erlebte. Sie befasst sich unter anderem mit der Frage, ob man die reine Wissenschaft von der Politik trennen kann. 

Weiterlesen →

Literatur, Gedächtnis, Musik – Willkommen zur zweiten Ukrainischen Woche im Herbst 2024

ukrainian_week

In Regensburg wurde im Herbst 2024 der Denkraum Ukraine gegründet. In ihrer Eröffnungsrede stellte Tanja Maljartschuk – eine der vielen hervorragenden ukrainischen Autor*innen – fest, dass die ukrainische Literatur und Kultur immer noch von der russischen verdeckt, und wenn nicht, dann zumindest mit dieser erklärt wird. Dank der unermüdlichen Arbeit von Übersetzer*innen wie Claudia Dathe, Maria Weissenböck, Alexander Kratochvil und vielen anderen liegt dem deutschen Lesepublikum ein stattliches Œuvre ukrainischer Literatur vor und das übrigens nicht erst seit der vollständigen Invasion der Ukraine durch Russland. Die Universitätsbibliothek Leipzig möchte dazu beitragen, dass die ukrainische Literatur und Kultur weiter bekannt und als solche anerkannt wird und lädt daher bereits zum zweiten Mal in Zusammenarbeit mit dem Deutsch-Amerikanischen Institut Sachsen (DAIS), dem Institut für Slavistik und den American Studies Leipzig der Universität Leipzig sowie dem Polnischen Institut Leipzig und dem Grassi Museum für Völkerkunde zur ukrainischen Woche ein, die in diesem Jahr vom 18. bis 22. November in Leipzig stattfindet.

Weiterlesen →

„Exit allowed?“ The manuscript is present(ed)

Banner "Exit allowed?"

Annährung an eine historische Sammlung

In der Universitätsbibliothek befinden sich 228 Handschriften in persischer Sprache. Ihr Entstehungsraum erstreckt sich vom heutigen Irak bis nach Indien, umfasst damit geografisch ungefähr den heutigen Iran. Die persischen Manuskripte sind damit Produkte und Erbe der iranischen Geschichte. Damit eröffnet sich gleichzeitig ein geopolitischer Kontext, der nicht zu ignorieren ist und eine andere Annäherung an die Sammlung notwendig macht.

Weiterlesen →