Kompass und Ziel 

Das gedruckte Strategiepapier "UBL 2030plus"

UBL2030plus, das Strategiepapier der Universitätsbibliothek Leipzig

Im Frühjahr 2026 hat die Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) das Strategiepapier UBL2030plus der Öffentlichkeit vorgelegt. Zur Einordnung: Die UBL hat in den vergangenen Jahren drei wichtige Prozesse durchlaufen, einer davon war der Strategieprozess. Die anderen beiden sind die Organisationentwicklung und die Erarbeitung der „Handlungsleitenden Werte“.

Der im Jahr 2024 angestoßene Organisationsentwicklungsprozess hatte zum Ziel, unsere Arbeitsabläufe (Ablauforganisation) und unsere Struktur (Aufbauorganisation) zu überprüfen. Das Ergebnis sind Änderungen an der Aufbauorganisation und die Einführung eines Rollen- und Prozessmodells sowie einer Portfolio-Datenbank, in der alle Produkte, Prozesse und Projekte der UBL abgebildet und die jeweiligen Zuständigkeiten dokumentiert sind.

Die unter Beteiligung der Mitarbeitenden erarbeiteten und im Februar 2026 veröffentlichten „Handlungsleitenden Werte“ halten die Maximen unseres Handelns als UBL nach außen und nach innen fest: bedarfsorientiert, kollegial, kooperativ, nachhaltig, offen. 

Das im Frühjahr 2026 durch das Rektorat der Universität Leipzig verabschiedete Strategiepapier UBL2030plus beschreibt unter Berücksichtigung der „Handlungsleitenden Werte“ das gegenwärtige und künftige Handeln der UBL und formuliert strategische Prioritäten. 

Warum ein Strategiepapier? Die vereinfachte Antwort ist: Jede Einrichtung sollte wissen, was sie tut, warum sie es tut und für wen sie es tut. So wichtig es ist, sich diese Fragen regelmäßig zu stellen, so wichtig ist es auch, dies in einem geordneten Prozess und in einem definierten Zeitraum zu tun. Der Strategieprozess gibt der Beschäftigung mit den Fragen was tun wir, warum und für wen einen geordneten Rahmen, und er hat einen Anfang und ein Ende. Für die UBL wird über das Strategiepapier zudem im Sinne einer Geschäftsgrundlage ein gemeinsames Verständnis hergestellt zwischen Bibliothek und der Universität Leipzig – der Körperschaft, zu der wir gehören und von der wie die Finanzierung erhalten. 

Orientierungsphase

Gestartet sind wir in den Strategieprozess mit einer Orientierungsphase. Wir haben dabei die Zielgruppen differenziert betrachtet und das Selbstverständnis der UBL reflektiert entlang der Frage: Was definiert uns als Einrichtung und in welchen Dimensionen wollen und müssen wir mit welcher Intensität aktiv sein? Diese Diskussionen mündeten in die Entscheidung, unser Handeln und die strategischen Prioritäten in fünf Handlungsdimensionen zu gruppieren.  

Fünf
Handlungsdimensionen

Die Universitätsbibliothek ist erstens eine zentrale Dienstleistungseinrichtung der Universität und versorgt Studierende, Lehrende und Forschende mit Informationsressourcen, forschungsnahen Dienstleistungen und ansprechenden Lese-, Lern- und Kommunikationsräumen. 

Zweitens ist die UBL aufgrund ihrer besonderen Geschichte ein Kompetenzzentrum für Sonderbestände. 1543 gegründet, verfügt sie über einen außergewöhnlichen Bestand an Handschriften und historischen Drucken, der insbesondere im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert um bedeutende Sammlungen erweitert wurde. Bis heute ergänzen Nachlässe, Schenkungen und außergewöhnliche Erwerbungen den für eine Universitätsbibliothek in Deutschland einzigartigen Sonderbestand fortlaufend. 

Drittens versteht sich die UBL als Kompetenzzentrum für innovative Informationsinfrastrukturen.

Was recht abstrakt klingt, ist in seiner Bedeutung kaum zu überschätzen, denn es geht nicht zuletzt um digitale Souveränität. Als Infrastrukturpartnerin der Wissenschaft beteiligt sich die UBL in nationalen und internationalen Foren und Initiativen daran, Open-Source-basierte technologische Grundlagen einer innovativen Informationsversorgung aktiv mitzugestalten. 

Dr. Anne Lipp auf einer UBL-Mitarbeitendenversammlung

Die vierte Handlungsdimension der UBL, ist die als Kultureinrichtung der Universität Leipzig mit einem vielfältigen Veranstaltungs- und Vermittlungsangebot.

Fünftens schließlich ist die UBL eine Einrichtung, in der Menschen arbeiten, für die es gilt, ein motivierendes und gesundes Arbeitsumfeld sowie funktionale Strukturen und Prozesse zu schaffen.

Aufgabenportfolio

Es mag auffallen, dass in dem Strategiepapier das Aufgabenportfolio der UBL in der Breite dargestellt ist, darunter natürlich viele bereits gut etablierte Aufgabenbereiche. Ein wichtiges Anliegen im Strategieprozess war es, das gesamte Aufgaben- und Handlungsspektrum der Bibliothek in den Blick zu nehmen und sichtbar zu machen, und sich nicht nur auf neue Themen und Herausforderungen zu fokussieren, denen sich eine Bibliothek wie die UBL stellen muss. Daher stand am Anfang des Prozesses die Auseinandersetzung mit dem Status Quo. Das aktuelle Aufgaben- und Dienstleistungsportfolio wurde einer kritischen Durchsicht unterzogen. Im Ergebnis dieses Prozesses werden – als bewusste strategische Entscheidung – Teile der Ausgangslage fortgeschrieben, andere angepasst und neu ausgerichtet und wieder andere fallen weg. Gleichzeitig haben sich Anforderungen entwickelt, die im Portfolio noch nicht oder nicht ausreichend abgebildet sind und als Ergebnis einer bewussten Entscheidung neu aufgenommen werden. Dazu zählt zum Beispiel das Aufgabengebiet Digital Humanities oder die neuen Aufgabengebiete Interne Kommunikation und Personalentwicklung.

Teilziele

Wie wird das Strategiepapier in unserem UBL-Alltag wirksam bzw. wie stellen wir sicher, dass das, was wir uns mit dem Strategiepapier vorgenommen haben, auch passiert? Sir Winston Churchill, ehemaliger britischer Premierminister und immer gut für eine Pointe soll gesagt haben: „So schön eine Strategie sein mag, man sollte gelegentlich auf die Ergebnisse schauen (However beautiful the strategy, you should occasionally look at the results).“ 
Um auf die Ergebnisse schauen zu können, sind alle im Strategiepapier formulierten Ziele auf handhabbare Teilziele heruntergebrochen worden, für die Verantwortliche und Fristen festgelegt sind. Die Verantwortung für die Umsetzung der Teilziele liegt in den jeweils zuständigen Bereichen. Dort, wo mehrere Bereiche betroffen sind, erfolgt eine Abstimmung in den regelmäßigen Abstimmungsrunden des Leitungsteams. 

Kompass

Strategiepapiere werden häufig und aus naheliegenden Gründen als Kompass bezeichnet. Das greift jedoch zu kurz: Ein Kompass zeigt die Richtung zu einem Ziel. Ein Strategiepapier ist beides: Zielbeschreibung und Orientierung zugleich. Beides ist wichtig, um voran zu kommen und zuversichtlich zu bleiben, auch wenn unterwegs Abweichungen, manchmal Abkürzungen, nicht selten Umwege notwendig sind.

Anne Lipp

Dr. Anne Lipp ist Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig.

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