Insektenwissen oder: Die Entstehung eines Termitenhügels in der Bibliotheca Albertina

Einzelne Termite aus Watte auf dem künstlichen Termitenhügel

Im Mai dieses Jahres eröffnete die Ausstellung „Insektenwissen. Historische Bücher und Präparate zur Insektenkunde“, die beeindruckende Abbildungen und Präparate von Insekten präsentiert. Um die Aufmerksamkeit von Studierenden und Besucher*innen der Bibliotheca Albertina zu wecken und sie in den etwas versteckten Ausstellungsraum zu führen, sollte ein lebensgroßer Termitenhügel im Foyer entstehen. Nach einer großen Sammelaktion der gesamten Belegschaft der Universitätsbibliothek Leipzig und wochenlanger Arbeit ist es geschafft: Der leuchtend orangene Berg mitten im Foyer ist nicht zu übersehen. Der Prozess dieser Entstehung sowie die Bedeutung des Hügels sollen in diesem Blogbeitrag dargestellt werden. 

Termiten

Termiten sind kleine Insekten, die in den Tropen Afrikas, Asiens und Amerikas leben. Trotz ihrer kleinen Größe bauen sie Hügel, die bis zu sieben Meter hoch werden können. Das schaffen sie, da sie in riesigen Staaten mit Millionen von Termiten zusammenleben und arbeiten. Mit vereinten Kräften errichten sie so also ihre beeindruckenden Behausungen aus Erde und Speichel. 

Hügelbau 

  • Foto: Thomas Kademann

Der Albertina-Hügel besteht nicht aus Erde und Speichel, wurde aber ähnlich wie bei den Termiten in Teamarbeit errichtet. Die Materialien, die hauptsächlich aus Eierkartons bestehen, wurden fleißig von den Mitarbeitenden der Universitätsbibliothek gesammelt. Alle paar Tage klingelte es an der Tür der Restaurierungswerkstatt, wo die Konstruktion des Hügels stattfinden sollte, und eine neue Ladung Eierkartons wurde geliefert; der Stapel wurde immer größer. Ausgestattet mit Hügel-Material konnte der Bau beginnen!

Ein Grundgerüst aus Holz und Pappe wurde mit Maschendraht eingekleidet, wodurch die grobe Form entstand. Mit alten Zeitungen wurde der Hügel dann eingekleistert. In diesem Prozess war die Hilfe von zwei Praktikantinnen aus Frankreich – Lisa Aujean und Lena Chyra – sehr förderlich, da es den aufwändigen Prozess beschleunigte.

Im Trockenzustand war ein stabiler Rohbau fertig, bereit für den letzten Schritt: Das Pappmaché aus den Eierkartons. Dafür wurde die Pappe aufgeweicht und mit Papierfarbe und Kleister gemischt aufgeschlagen bis eine rot-orangene Masse entstand. Diese konnte dann Stück für Stück auf den Hügel geklebt werden. Auch hier kam die Hilfe einer Schülerpraktikantin, Anna Bartholdt, gelegen, um die langwierige, matschige Arbeit zu vereinfachen. Während des Baus durften schon einige Bewohner auf dem Hügel einziehen. Nach langer Arbeit und die Hilfe vieler Hände war der Bau fertig, jetzt fehlte nur noch der aufregendste Teil: Der Transport des zwei Meter hohen Hügels ins Foyer. 

Reise ins Foyer

Um den großen Berg bewegen zu können, wurde er schon auf einem kleinen Rollbrett konstruiert. Er konnte also in wenigen Zentimetern Höhe über den Boden gleiten. Wie vorher ausgemessen, passte er gerade so durch die Türen zum Magazin, musste mit vereinter Kraft ein paar Stufen hochgetragen werden und konnte den restlichen Weg ins Foyer vor den Ausstellungsraum geschoben werden. Im großen Foyer wirkte er plötzlich gar nicht mehr so riesig wie in der Werkstatt, fiel aber wegen der auffälligen Form und Farbe in dem weißen Foyer trotzdem sofort auf. Während des Transports fielen schon neugierige Blicke auf den Hügel. 

Ausstellung

Foto: Thomas Kademann

Steht man vor dem Hügel, weisen einem Termiten Aufkleber auf dem Boden den Weg in die Ausstellung. Dort erwartet einen eine faszinierende Sammlung von kolorierten Insektenbüchern, sowie Präparaten der Zoologischen Sammlung der Universität Leipzig. Schwebende Schmetterlinge sind zwischen den kolorierten Abbildungen und Büchern zu sehen. Zusammen geben sie einen Einblick in die Geschichte der Insektenkunde, die sich seit dem 18. Jahrhundert durch das Sammeln und Forschen von Insekten verbreitete. Im Zeitraum der Ausstellung finden Vorträge und Führungen statt, bei denen man noch tiefer in das Thema eintauchen kann. 

Jana Bungardt

Jana Bungardt ist 2026 Praktikantin in der Restaurierungswerkstatt der Universitätsbibliothek Leipzig.

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