„Nun singet und seid froh“

Ms 1305 Ausschnitt des"In dulci jubilo" und UBL-Chor in der Bibliotheca Albertina

Im Chor an unserer Bibliothek.

Wer hätte das gedacht? Seit März 2025 haben wir an der UBL einen Chor! Mit 18 eingeschriebenen Sängerinnen und Sängern. Um Geschichte und Statistik etwas auszuführen: Eine Sprechmotette zur Verabschiedung unserer langjährigen Vizedirektorin Charlotte Bauer in den Ruhestand im Dezember 2024 war ein rauschender Erfolg. Von dieser Erfahrung beflügelt, ging im neuen Jahr eine Mail an die ca. 200 UB‑Adressen mit der Idee, einen Chor zu gründen. 20 Personen haben sofort geantwortet, also 10 Prozent! Zwei davon mit herzlichen Sympathiebekundungen und dem Zusatz, nicht singen zu können. 18 sagten zu, im Chor mitzumachen, davon vier Männerstimmen, was ein Fünftel ist. Davon können andere Chöre nur träumen. Auch Alt und Sopran, die tiefe und die hohe Frauenstimme, sind gut besetzt. Nun sind Zahlen bekanntlich Schall, der verraucht. Wie steht es mit dem vernehmbaren Schall?

UBL-Chor beim Aufritt Abschiedsfest für Charlotte Bauer
Abschiedsfest für Charlotte Bauer, Foto: Swen Reichhold

Einmal in der Woche trifft sich der Chor für eine Stunde: dienstags von 11.30 Uhr bis 12.30 Uhr. Wir proben an einem schönen Ort, im Fürstenzimmer der Bibliotheca Albertina. Schnell war uns klar, dass wir es nicht zur Konzertfähigkeit bringen müssen. Vielmehr wollen wir in alternativer kollegialer Gemeinschaft etwas tun, was Körper und Seele – also uns – guttut. Am Ende freut es im besten Fall auch andere. Bis Singen Freude macht (uns selbst und denen, die zuhören), ist es ein Stück Wegs. Die Einzelstimme möchte gehegt, gelockt und gepflegt werden. Und die Stimmen der 18 wollen auch Gelegenheit haben, zueinander zu finden. So entsteht ganz langsam und piano piano ein Chorklang.

Noch sind wir dabei zusammenzuwachsen. Und doch waren wir schon so mutig, im Foyer der Albertina zu singen; in jeder der vier Jahreszeiten einmal. Hier ein paar Anfänge der Lieder und Kanons. Vielleicht kommt ja beim Lesen die Melodie in den Sinn:

  • Zum Frühling: „Es tönen die Lieder“, „Nun will der Lenz uns grüßen“, „Heut‘ kommt der Hans zu mir“, „Zakuka kukuvitchka“, „Grüß‘ Gott Du schöner Maien“.
  • Zum Sommer: „Kommt Ihr G’spielen“, „Froh zu sein“, „Es geht ein dunkle Wolk‘“, „Kein schöner Land“, Quodlibet „Kraut und Rüben“, „Viva la musica“, „Der Mond ist aufgegangen“, „Bajuschki baju“.
  • Zum Herbst: „Bunt sind schon die Wälder“, „Heaven is a wonderful place“, „Die Äpfel in den Bäumen“, „Anytime you Need a Calypso“.
  • Zu Advent und Weihnachten: „Maria durch ein Dornwald ging“, „Oh Bethlehem du kleine Stadt“, „Joy to the World“, „Ding Dong Bells“.
UBL-Chor beim "Wir für uns" in der Bibliothek Erziehungs- und Sportwissenschaften.
„Wir für uns“ in der Bibliothek Erziehungs- und Sportwissenschaften, Foto: Thomas Kademann

Auch beim bibliotheksinternen Get-together „Wir für uns“ in der Bibliothek Erziehung/Sport im September und bei der Mitarbeitendenversammlung Anfang Dezember waren wir sozusagen als special guests dabei. Hier sangen wir Advents- und Weihnachtslieder, zwei davon mit allen im Saal. Das war ein berührender Moment.

UBL-Chor am 16. Dezmeber im Foyer der Bibltiotheca Albertina
Der Chor am 16. Dez. in der Bibliotheca Albertina, Foto: Thomas Kademann

Und ja: Singen hat etwas mit der Seele zu tun, ist aber kein Teufelszeug (vom Gegenteil ist die Verfasserin überzeugt), sondern erlernbar und trainierbar, beinahe wie ein Sport. Unsere Stimmbänder irgendwo hinten im Rachen werden von Muskeln gehalten. Diese Muskeln brauchen all das, was wir auch bei einem Hundertmeterlauf beachten: erstmal alles lockern, dann aufwärmen und langsam beginnen. So ähnlich beginnt auch jede Chorprobe. Wir stehen locker im Halbkreis. Wir schütteln Hände und Füße aus. Wir klopfen Gliedmaßen und Bauch ab, dass es klappert und dröhnt. Wir richten uns auf. Ja! Wir richten uns auf. Denn wir kommen von Bildschirmen, hinter denen wir mit hängenden Schultern sitzen. Oder aus Besprechungen mit niederdrückenden Themen. Oder von einer Begegnung, die uns kleinmacht. Wir richten uns auf und stehen nun aufrecht, unerschütterlich; die Knie entspannt. Und dann der Atem. Der Atem kommt nicht auf Einladung; dann wären wir schon längst tot. Der Atem kommt von selbst, er strömt in einem steten Fluss in uns ein, unterbrochen vom Ausatmen. Dem Ausatmen geben wir mit einem scharfen sch-Laut einen Stups. So ist alles raus. Kehraus. Neues, frischer Sauerstoff, kann rein. Dann singen wir die ersten Töne. Ein wohliges „Mmmm“. „Stellt euch vor, ihr habt eine Pellkartoffel im Mund.“ Mmmm – mit Butter und Salz.

Erst dann geht es los mit Noten und Sätzen. Dann sind die Wälder bunt, geht Maria durch ein‘ Dornwald, wacht die Nachtigall auf. Wir proben zweistimmig oder dreistimmig, manchmal auch schon einen vierstimmigen Satz. Und stehen plötzlich eng zusammen; eine Mischung aus halb erfahren, unerfahren, sehr erfahren im Chorsingen. Wie sich das findet! Wie wir wachsen, klingen! Es bleibt dabei: Wir sind Laien. Was übrigens auch auf die Chorleiterin zutrifft. Doch wenn wir kurz aufblicken von unserm F‑Dur oder dem Sechsachteltakt, wenn wir einen Blick des Gegenübers erhaschen und selbst gar nicht anders können als zu lächeln, dann ist klar: Gemeinsam zu singen ist eine große Freude. Und macht froh.

Sieben Minuten bis zum Ende der Probe. Die Chorleiterin verteilt gerade noch Noten für einen neuen Kanon. Man darf gespannt sein.

Einatmen – Ausatmen. Mehr braucht es nicht.

Einen Eindruck des Chorkonzerts vom 16. Dezember 2025 gibt es auf unserem Youtube-Kanal.

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