Sieben Perspektiven aus der Wissenschaft
Seit Kurzem bietet die Universitätsbibliothek Leipzig ein kompaktes, modular aufgebautes Lernangebot zum Thema Forschungsdatenmanagement (FDM) an. In offen lizenzierten Videos werden die wichtigsten Grundlagen zu sechs zentralen FDM-Themen vermittelt: Forschungsdatenmanagement im Kontext von Open Science und guter wissenschaftlicher Praxis, Datenmanagementplan, Datenorganisation, Metadaten, rechtliche Fragen sowie Archivierung und Veröffentlichung von Forschungsdaten. Im ersten Teil des Blogbeitrags „Videobausteine für den Einstieg ins Forschungsdatenmanagement“ haben wir die Hintergründe des Projekts und die produzierten Erklärvideos vorgestellt.
Dieser zweite Teil des Blogbeitrags widmet sich nun sieben Interviews mit FDM-Praktiker*innen (Link zu YouTube), die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Medienproduktion ergänzend dazu entstanden sind. Die Interviews zeigen, wie FDM in unterschiedlichen Disziplinen umgesetzt wird und verbinden auf diese Weise die theoretischen Inhalte der Erklärvideos mit konkretem Erfahrungswissen.


Die Gruppe der Interviewten setzt sich aus Personen verschiedener Fachrichtungen und akademischer Positionen zusammen, die jeweils eigene Erfahrungen und Vorgehensweisen im Umgang mit Forschungsdaten gemacht haben. Je nach Tätigkeit, Verantwortungsbereich und Hintergrund setzen die Interviewten individuelle Schwerpunkte innerhalb der sechs ausgewählten FDM-Themen. Dabei werden einige Aspekte ausführlicher behandelt, während andere nur am Rande oder gar nicht zur Sprache kommen. Sie sprechen über ihre Motivation, sich mit FDM zu befassen, berichten von Projekten oder eindrücklichen Praxisbeispielen, schildern konkrete Vorgehensweisen und geben Tipps für den Einstieg ins Forschungsdatenmanagement.
Porträts der Interviewten und Schwerpunkte der Interviews
Dr. Maie Stein (Psychologin) legte bereits bei früheren Forschungsarbeiten großen Wert darauf, ihre Forschung möglichst transparent und nachvollziehbar zu machen und alle Daten zu publizieren, die für die Reproduktion ihrer Ergebnisse benötigt werden. Aktuell arbeitet sie in einem durch die VolkswagenStiftung geförderten Data Reuse Project. Im Rahmen des Projekts bereitet sie einen der weltweit größten Längsschnitt-Datensätze zu Erfahrung und Verhalten von Menschen während der Corona-Pandemie auf. FDM ist somit derzeit zentral für ihre Tätigkeit. Anhand dieses Praxisbeispiels schildert Dr. Maie Stein im Interview welche Schritte sie konkret gegangen ist, welche Fragen und Herausforderungen im Laufe des Projekts aufgekommen sind, wie sie damit umgeht und warum.

Foto: F. Naether unter
https://franziska-naether.net/outreach/
PD Dr. Franziska Naether (Ägyptologin und Digital-Humanities-Expertin) arbeitet am KompetenzwerkD der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und ist überzeugte Open-Science-Vertreterin. FDM hat sie bereits in zahlreichen Forschungsprojekten aktiv praktiziert und es zudem in ihre Hochschullehre integriert, z. B. die Erstellung eines Datenmanagementplans. Außerdem hat PD Dr. Franziska Naether bei der Erstellung von FDM-Policies mitgewirkt und engagiert sich in der sächsischen Landesinitiative SaxFDM. Im Interview teilt sie konkrete Anwendungsbeispiele, Erfahrungswerte und Tipps sowie ihre Sicht auf Aspekte aus dem FDM-Diskurs.
Dr. Guido Kraemer (Maschinelles Lernen, KI und Big Data in den Umweltwissenschaften) nutzt in seiner Forschung öffentlich verfügbare Satellitenbilder und Klimadaten, die er mit Kolleg*innen speziell für maschinelles Lernen aufbereitet und als Data Cubes zur Nachnutzung bereitstellt. Dabei handelt es sich um sehr große Datensätze. Im Interview berichtet er, wie er sich intensiv mit sinnvollen Speicherstrukturen und der Ablage der Daten innerhalb der Arbeitsgruppe befasst hat sowie mit der Frage, wie die Daten optimal von anderen nachgenutzt und wo sie archiviert werden können.
Eva Ommert (FDM-Verantwortliche) ist am Research Center Global Dynamics der Universität Leipzig Ansprechperson für das FDM. Dort bietet sie u. a. Schulungen an, führt Beratungen durch und hat das Repositorium des Forschungszentrums mit aufgebaut. Die Forschungsdaten die in Ihrer Arbeit eine Rolle spielen, sind sehr vielfältig: Von historischen Quellen und Interviews über Beobachtungen, Fotos, Videos, Audios bis hin zu Datenbanken. Als Expertin mit Meta-Perspektive beleuchtet sie im Interview den Mehrwert von FDM aber auch Grenzen und Herausforderungen in der Praxis und betont auch die ethische Verantwortung gegenüber beforschten Personen und Gruppen, die beim Veröffentlichen von Forschungsdaten mitgedacht werden muss.
Jun.-Prof. Dr. Julia Fuchs-Kreiß (Germanistische Linguistik – Pragmatik) legt großen Wert darauf, FDM umfassend und korrekt in der Praxis umzusetzen, und hat sich dafür gezielt die nötigen Informationen eingeholt. Im Interview erläutert sie anschaulich, an welchen Stellen in ihrer Forschung FDM eine Rolle spielt, warum es wichtig ist und worin für sie Herausforderungen bestanden. Aufgrund eigener Erfahrungen schildert sie im Interview, wie man sich FDM schrittweise durch Schulungen, Beratungen und Websites annähern kann und was bei der Erstellung eines Datenmanagementplans oder bei der Suche nach einem passenden Repositorium konkret helfen kann.
Dr. Romy Zeiss (zum Zeitpunkt des Interviews Doktorandin Bodenbiodiversitätsforschung) nutzt in ihrer Forschung existierende Daten nach und ist daher auf eine gute Dokumentation anderer Forschender angewiesen. Zugleich ist ihr für ihr eigenes Arbeiten die Umsetzung von Open Science, eine sorgfältige Dokumentation und das strukturierte Anreichern ihrer Forschung mit Metadaten sehr wichtig. Im Interview schildert sie praxisnah, wie FDM fester Teil ihres Arbeitens geworden ist, wie sie es umsetzt und was ihr konkret geholfen hat und hilft (Tools, Austausch, Workshops, Unterstützung).
Prof. Dr. Toralf Kirsten (Medical Data Scientist) ist Professor an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Abteilungsleiter am Medizininformatikzentrum des Universitätsklinikums Leipzig. Dort ist er für die digitale Infrastruktur medizinischer Forschungsdaten zuständig, also für hochsensible, personenbezogene Daten mit strengen Datenschutzanforderungen. Im Interview erläutert er, welche Möglichkeiten es zur Erhebung und Nachnutzung von Forschungsdaten im Bereich der Medizin gibt: Welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, worauf zu achten ist und welche Unterstützungsangebote existieren. Außerdem erklärt er, was zu beachten ist, um Daten für andere Forschende nachnutzbar zu machen, zum Beispiel die Einhaltung geeigneter Standards.
Alle Interviews und Erklärvideos stehen auf dem YouTube-Kanal der Universitätsbibliothek Leipzig sowie in der Zenodo-Community des FDM-Teams der Universität Leipzig frei zur Verfügung. Die als Open Educational Resources veröffentlichten Videos eignen sich zur Einbindung in Workshops, Lehrveranstaltungen oder Selbstlernangebote. Ebenso können Sie die Videos für sich persönlich nutzen, um ins Forschungsdatenmanagement einzusteigen, Ihr Wissen auszubauen und FDM gezielt in Ihren Studien- oder Forschungsalltag zu integrieren.
Das FDM-Team der Universität Leipzig unterstützt Sie gerne mit Schulungen und Beratungen rund um Ihre Forschungsdaten. Weitere Informationen und Services finden Sie auch bei der sächsischen Landesinitiative für Forschungsdatenmanagement – SaxFDM sowie der nationalen Forschungsdateninfrastruktur.







