Neue Open Educational Ressources von der Universitätsbibliothek Leipzig
Gute wissenschaftliche Praxis beinhaltet auch einen planvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Forschungsdaten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg: von der Planung und Erhebung der Daten, über die Aufbereitung und Analyse bis hin zur Veröffentlichung, Archivierung und Nachnutzung. Dies alles wird unter dem Begriff Forschungsdatenmanagement (FDM) zusammengefasst. Ziel ist, die Daten so zu organisieren, dass sie für die eigene Forschung und darüber hinaus auch für andere – sofern möglich und gewünscht – nachhaltig nutzbar sind.
Die Universitätsbibliothek verantwortet unter anderem die Konzeption, Koordination und Durchführung von Schulungen zum Thema FDM. Ergänzend dazu sind im Rahmen eines, durch das Sächsische Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus geförderten Projekts, audiovisuelle Lehr- und Lernmaterialien in Form von Videos entstanden. Diese möchten wir in diesem zweiteiligen Blogbeitrag näher vorstellen.
Bausteine für flexibles Lernen

Videos bieten für die Vermittlung von FDM ein flexibles Format, das Sensibilisierung, Wissensaufbau und Kompetenzentwicklung sinnvoll unterstützen kann. Sie bieten Vorteile wie orts- und zeitunabhängiges Lernen, Wiederholbarkeit und Anpassbarkeit an individuelle Bedürfnisse (z. B. durch Untertitel oder einstellbare Geschwindigkeit).
Es gibt bereits eine Vielzahl unterschiedlicher Videos zum Thema FDM: Webinare, Screencasts und Erklärvideos. Diese decken jedoch nicht alle Bedarfe ab, die von FDM-Expert*innen geäußert wurden. Gewünscht wurden kurze, flexibel einsetzbare Videos, die sich sowohl in Selbstlernkursen als auch als Praxisbeispiele, Impulse oder Abwechslung im Rahmen von Workshops einbinden lassen. Zudem fehlten Videos zu bestimmten Themen, und die Zielgruppe der Studierenden sollte berücksichtigt werden.
Die von uns erstellten Videos bauen auf bestehenden Materialien auf und ergänzen sie gezielt:
- Multimediales Lernen wird durch geeignete Bildgestaltung unterstützt.
- Grundlagen werden kurz, prägnant und verständlich vermittelt.
- Flexible Nachnutzung wird durch offene Lizenzierung ermöglicht (CC BY 4.0).
- Niedrigschwelliger Zugang wird durch praxisnahe Beispiele erleichtert.
Die Videos folgen einem Baukastenprinzip: Sie können je nach Bedarf individuell kombiniert, als Lehrpfad genutzt oder einzeln in Veranstaltungen eingebunden werden. Behandelt werden ausgewählte FDM-Themen, die fächerübergreifend und über die Zeit hinweg konstant bereits ab dem Studium relevant sind.
Offene Lizenzierung als Richtschnur

Zentrales Ziel innerhalb des Projekts stellte der Anspruch dar, die Videos – im Sinne von Open Science – als Open Educational Resources (OER) zu veröffentlichen. OER sind Bildungsmaterialien, die kostenfrei zugänglich sind und von anderen genutzt, vervielfältigt, verändert und wiederveröffentlicht werden dürfen. Hierfür werden die Materialien mit möglichst freien Lizenzen versehen. Je offener die Lizenz, desto besser nachnutzbar sind die Materialien. Auf diese Weise sollen Hürden beim Zugang zu Bildung abgebaut, eine bedarfsgerechte Nachnutzung und kollaborative Weiterentwicklung der Materialien ermöglicht werden.
Um das Projektziel der Erstellung offen lizenzierter Videos zu erreichen, entstanden zwei Arten von Videos: Zum einen Interviews mit FDM-Praktiker*innen, wobei die interviewten Personen ausdrücklich zustimmten, dass die Videos als OER veröffentlicht werden. Zum anderen selbst gezeichnete, animierte Erklärvideos, bei deren Erstellung klar war, dass die Ergebnisse als OER unter CC BY 4.0 veröffentlicht werden sollen.
Der erste Teil dieses zweiteiligen Blogbeitrags widmet sich den Erklärvideos zum FDM. Im zweiten Teil werden zu einem späteren Zeitpunkt die Interviews mit FDM-Praktiker*innen vorgestellt.
Erklärvideos

In insgesamt 39 kurzen Erklärvideos werden sechs zentrale FDM-Themen mithilfe illustrativer Elemente und Animationen anschaulich vermittelt. Die Videos sind thematisch strukturiert und jeweils in separaten Playlists auf dem YouTube-Kanal der UB Leipzig verfügbar. Grundlage der Videos bilden eigens dafür geschriebene Skripte, die durch das FDM-Team der Universität Leipzig fachlich geprüft wurden. Jedes Thema beginnt mit typischen Szenarien oder Problemstellungen aus der Praxis und stellt anschließend zentrale Inhalte, konkrete Handlungsempfehlungen und Tipps auf verständliche Weise vor. Dadurch, sowie durch die direkte Ansprache der Zuschauenden, werden Anreize geschaffen, das neu erworbene Wissen unmittelbar in die Praxis umzusetzen.
Es wurde ein Team aus sechs Figuren entwickelt, die in den Videos immer wieder auftauchen. Die Figuren führen jeweils einzeln durch ein FDM-Thema und agieren teilweise gemeinsam. Folgende sechs FDM-Themen werden in den Erklärvideos behandelt:
Forschungsdatenmanagement im Kontext von Open Science und guter wissenschaftlicher Praxis
James verzweifelt daran, dass er aufgrund fehlender Daten und Dokumentation Studien anderer Forschender nicht detailliert nachvollziehen kann. Er begleitet die Zuschauenden durch die Kern-Themen von Open Science und Forschungsdatenmanagement (FDM): Vom Mentalitätswechsel hin zu transparenter Forschung, über die Rolle offener Daten in diesem Kontext sowie im Kontext guter wissenschaftlicher Praxis, bis hin zu praktischen Empfehlungen.
Der Datenmanagementplan
Mithilfe eines Datenmanagementplans (DMP) geht Lena die Herausforderung an, Prozesse und Strukturen ihrer Forschungsarbeit über den gesamten Projektverlauf zu organisieren. Ein DMP fasst alle wesentlichen Aspekte des Umgangs mit Forschungsdaten strukturiert zusammen und begleitet das Projekt als „lebendiges Dokument“. Die Zuschauenden erfahren von Rolle, Vorteilen und Aufbau eines DMP, von Anforderungen der Fördernden sowie von Unterschieden bei Einzel- und Verbundprojekten. Zudem erhalten sie praktische Tipps, die die Erstellung eines DMP erleichtern und erfahren, was einen guten DMP auszeichnet.
Datenorganisation im Forschungskontext
Ada bekämpft mit Enthusiasmus den Datendschungel, der sich ohne klare Ordnerstruktur, Versionierung und Speicherstrategie allzu schnell auf jedem Laufwerk einstellt. Sie führt die Zuschauenden durch praktische Lösungen für Speicher und Backup – von Datensicherheit über Verschlüsselung bis hin zu regelmäßigen Routinen – und gibt Tipps zu sinnvollen Ordnerhierarchien, einheitlichen Dateinamen und hilfreichen Tools.
Metadaten für Forschungsdaten
Metadaten sind unterschätzte, unverzichtbare Helfer, die Forschungsdaten auffindbar, zugänglich, interoperabel und nachnutzbar, also „FAIR“ zu machen. Jan begleitet die Zuschauenden dabei, die verschiedenen Arten von Metadaten und deren Rolle kennenzulernen. Die Zuschauenden erfahren zudem den Unterschied zwischen fachspezifischen und generischen Metadatenstandards und was es mit Normierungen auf sich hat.
Rechtliche Fragen beim Umgang mit Forschungsdaten
Wie mit personenbezogenen Daten umgehen? Und wem gehören die Forschungsdaten eigentlich? Frank ist immer bedacht, dass Datenschutz, Urheberrecht und ethische Aspekte in Forschungsprojekten eingehalten werden. In den Videos, die er begleitet, werden nach Einführungen in die Bedeutung der Gesetze im Forschungskontext wichtige Fragen und Details genauer beleuchtet sowie konkrete Empfehlungen für die Praxis gegeben.
Archivierung und Veröffentlichung von Forschungsdaten
Im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis müssen Forschungsdaten nach Projektende archiviert werden – darüber hinaus können sie auch veröffentlicht werden. Warum, wo und was beachtet werden sollte, erfahren Zuschauende in den Videos, die Liz begleitet. Sie erklärt in diesem Zusammenhang auch die Rolle persistenter Identifikatoren und offener Lizenzen und gibt praktische Tipps.
Fühlen Sie sich herzlich eingeladen die Videos anzuschauen! Sie bieten Ihnen eine gute Gelegenheit einzusteigen, Ihr Wissen auszubauen und FDM gezielt in Ihren Studien- oder Forschungsalltag zu integrieren. Das FDM-Team der Universität Leipzig steht Ihnen mit Schulungen oder bei Fragen rund um das Management Ihrer Forschungsdaten gern zur Seite. Nutzen Sie darüber hinaus auch die Services der sächsischen Landesinitiative für Forschungsdatenmanagement – SaxFDM – und der nationalen Forschungsdateninfrastruktur.







