Während man in unseren Breiten bei der Farbe Rot an Gefahr, Feuer, Wut mitunter auch an Liebe denkt, ist diese Farbe in China ein Symbol für Freude, Glück und Feste.
So stand auch die Eröffnungsfeier des Taiwan Resource Centre for Chinese Studies am 7.11.13 in der Bibliothek Orientwissenschaften ganz im Zeichen der roten Farbe. Und es gab Grund zu feiern: nämlich die Kooperation zwischen der UBL und der National Central Library of Taiwan (China). Ein jährlich wachsender Stiftungsbestand an Büchern und der Zugang zu Fachdatenbanken der National Central Library werden in Zukunft einen würdigen Platz und dankbare Nutzung in der Bibliothek Orientwissenschaften finden.
Der 3. Sommerkurs für Handschriftenkultur hat sich in der vorletzten Woche im Benutzungsbetrieb der Bibliotheca Albertina gehörig bemerkbar gemacht: Der Forschungslesesaal blieb für eine Woche für den normalen Publikumsverkehr geschlossen, der Vortragsraum war täglich belegt, und am Mittwochabend (11.9.) schloss die Bibliothek sogar bereits um 19 Uhr. Was war da los?
Für eine Woche waren dank der großzügigen Förderung durch die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung 20 hochqualifizierte Nachwuchswissenschaftler_innen aus dem In- und Ausland bei uns zu Gast, um an einem Vertiefungskurs zur mittelalterlichen Handschriftenkunde teilzunehmen, den das Handschriftenzentrum der UB Leipzig in Kooperation mit dem internationalen Mediävistenverband organisiert hat. Vormittags haben wir vorlesungsartige Crashkurse zu einzelnen Themengebieten geboten, am Nachmittag dann das theoretisch Vermittelte anhand handschriftlicher Originale gemeinsam erprobt. Sechs international renommierte Mittelalter-Expert_inn_en aus Großbritannien, Frankreich, der Schweiz und Deutschland waren nach Leipzig gekommen, um zusammen mit dem Team des Handschriftenzentrums ihre Kompetenz für den Kurs zur Verfügung zu stellen. Es war eine großartige und intensive Woche gemeinsamen Lernens für uns alle, was auch die sehr positive Evaluation bestätigt hat.
Ein Schwerpunkt unseres Kurses war die Frage, wie im Mittelalter Musik aufgeschrieben wurde und wie wir die liturgischen Handschriften zu verstehen haben, in denen solche Gesänge fast ausschließlich überliefert sind. Was lag da näher, als eine öffentliche Veranstaltung zu organisieren, bei der die historische Gebrauchssituation des liturgischen Gesangs sinnlich erlebbar gemacht wird.
Foto: Christian Kern
Im letzten Jahr hatte das bekannte Leipziger Vokal-Ensemble amarcord eine CD mit Gesängen aus dem Thomas-Graduale aufgenommen, einer liturgischen Handschrift des frühen 14. Jahrhunderts aus dem Leipziger Thomaskloster, die als Leihgabe der Thomaskirchengemeinde bei uns aufbewahrt wird. Von daher bestanden gute Kontakte zu amarcord, und tatsächlich fand sich das Ensemble sofort bereit, als wir sie fragten, ob sie mit uns ein interaktives Konzert gestalten wollten, bei dem nicht nur gesungen, sondern das Gesungene auch durch Experten erklärt, diskutiert und in den historischen Zusammenhang eingebettet wird.
Das Konzert war ein Experiment für uns alle, für amarcord, für die Professoren Felix Heinzer und Jeremy LLewellyn aus Freiburg i. Br. und Basel, die als Musik- und Liturgieexperten mitgemacht haben, und für uns von der Bibliothek. Aber es ist gelungen, denn 140 Besucher_innen füllten am Mittwochabend die Eingangshalle der Albertina bis auf den letzten Platz und hörten gespannt zu, wie amarcord eine ganze Messfeier Station für Station durchsangen und die beiden Experten sich immer wieder mit Erklärungen und Kommentaren einschalteten. Wer wollte, konnte alles in der Handschrift mitlesen, deren entsprechende Seiten auf eine große Leinwand gestrahlt wurden. Und nach 90 Minuten interaktivem Konzert blieben sogar ca. 40 Hartnäckige und diskutierten mit den Sängern und den Experten eine Stunde lang weiter.
Die Erinnerung an die Völkerschlacht, die Entstehungsgeschichte des Denkmals sowie die Denkmal-Weihe sind die Themen einer kleinen Kabinettausstellung in der Bibliotheca Albertina, die seit gestern zu sehen ist. Gezeigt werden u. a. Entwürfe zum Bau eines Denkmales von 1814 bis 1900, die Weiheschrift und eine Erinnerungsmedaille des Deutschen Patriotenbundes von 1913.
Refaiya 1853 – Eine Bücherreise von Damaskus nach Leipzig Seit dem 19. April 2013 sind die Türen zu unserem Ausstellungsraum wieder geöffnet. Dieses Mal möchten wir Sie in die orientalische Welt entführen: präsentiert werden ausgewählte Stücke aus der Familienbibliothek Refaiya. Ein wahrer Schatz, denn die Bibliothek ist die einzige, derart vollständig erhaltene dieser Zeit. Dabei geht es nicht einfach um die Schriftstücke und deren Inhalte, nein – durch etliche Randnotizen erzählen uns die Werke auch etwas über die damaligen Leser und Besitzer und erlauben uns so, einen Blick auf das vergangene Leben zu erhaschen. Beispielsweise verrät uns die Handschrift eines Eintrags, dass deren Besitzerin eine Frau war. Eine Besonderheit, denn Frauen haben in der Welt der Bücher wenig Spuren hinterlassen und dieser Eintrag ist aus der arabischen Welt das einzig bekannte Beispiel, in dem eine Frau bekundet, ein Buch besessen zu haben.
Die Ausstellung in der Bibliotheca Albertina kann noch bis zum 14. Juli 2013, täglich von 10 bis 18 Uhr, besucht werden. Außerdem wird sie von spannenden Vorträgen und Führungen begleitet. Wir starten das Programm morgen: 7. Mai 2013, 18 Uhr, im Vortragsraum der Bibliotheca Albertina mit „Die Schönheit liegt oft im Verborgenen: Überraschende Entdeckungen in Damaszener Wohnhäusern des 18./19. Jh.“ zu dem alle Interessierten herzlich eingeladen sind! Weiteres Wissenswertes zur Ausstellung finden Sie unter: https://www.ub.uni-leipzig.de/refaiya/ Autorin des Blogbeitrages: Vanessa Berges