Sieben Fragen an… Leander Seige & Caroline Bergter

Leander Seige, Leiter des Bereichs Digitale Dienste und Caroline Bergter, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit haben mit einem engagierten Team den Kultur-Hackathon Coding da Vinci Ost koordiniert. Hier stellen sie sich unseren „Sieben Fragen“.

1. Was ist ein Hackathon, hackt man da im Marathon?

Das ist mit der Frage wunderbar auf den Punkt gebracht. Das Wort Hackathon setzt sich aus Hacken und Marathon zusammen. Leider wird der Begriff Hacken oft ganz falsch und einseitig im Kontext der Computerkriminalität verwendet. Tatsächlich bezeichnet Hacken einen kreativen, leidenschaftlichen, unkonventionellen Umgang mit Technik und Daten. Und so ist auch unser Kultur-Hackathon zu verstehen. Coding da Vinci Ost war eine weitere Ausgabe der Hackathon-Serie Coding da Vinci.

2. Was sind Kulturdaten?

Schon die Bereitstellung dieser Daten ist ein spannender Prozess

Diese Frage mussten wir uns im Laufe der Vorbereitungen auch stellen. Auf den ersten Blick werden natürlich Digitalisate (Scans) von Gemälden, Handschriften, Zeichnungen, Landkarten, Fotografien und so weiter darunter verstanden. Doch bei Coding da Vinci werden auch viele andere Daten verwendet: Videos, Sounds, 3D-Modelle und auch Metadaten, Tabellen und Listen ganz unterschiedlicher Herkunft stehen zur Verfügung.

Schon die Bereitstellung dieser Daten ist ein spannender Prozess. Hier regen wir nicht nur die technische Aufbereitung und oft auch die Verbesserung der Daten an. Essentiell für die Verwendbarkeit der Daten ist, dass sie unter freien Lizenzen bereitgestellt werden. Leider ist es immer noch nicht selbstverständlich, dass kulturelles Erbe, welches aufgrund seines Alters eigentlich frei zur Verfügung stehen sollte, auch frei bereitgestellt wird. Es gab tatsächlich einige wenige öffentliche Einrichtungen, die ihre Daten zurückgezogen haben, weil sie die Daten der Allgemeinheit nicht so frei zur Verfügung stellen wollten. Um so mehr freuen wir uns, dass wir in diesem Jahr so viele Kultureinrichtungen gewinnen konnten, die kein Problem mit der freien Bereitstellung der Kulturdaten hatten.

3. Wie codiert man Leonardo da Vinci und vor allem warum sollte man das tun?

In den letzten Jahren haben wir beobachtet, welche großartige Vernetzungsarbeit Coding da Vinci zwischen Kulturinstitutionen und technikaffinen Communities leistet. Diese wunderbaren Effekte wollten wir auch in unsere Region holen. Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen waren die drei Bundesländer, auf die wir uns besonders fokussiert haben.

Kulturgut kann Grundlage für neue Kreativität und Kunst auf technischer Basis sein

Kultureinrichtungen in Deutschland digitalisieren systematisch ihre Kulturschätze, viele davon sind in digitalen Portalen und Repositorien zugänglich. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen diese Quellen. Doch dass Kulturgut auch die Grundlage für neue Kreativität und Kunst auf technischer Basis sein kann, ist vielen noch nicht bewusst. Das will Coding da Vinci ändern und den technischen, kreativen, künstlerischen Umgang mit digitalem Kulturerbe anregen.

4. Das Preisgeld für „Bibliothek des Jahres“ wird für diesen Hackathon verwendet. Ihr könntet auch Bücher kaufen oder einen Ausflug für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter organisieren. Weshalb verwendet Ihr das Geld für die Bereitstellung und Verarbeitung von Daten?

Auslöser für Coding da Vinci Ost war, dass die Universitätsbibliothek Leipzig die Bibliothek des Jahres 2017 geworden ist – unter der Losung “digital autonom, frei zugänglich und innovationsstark”. Diesen Preis hat sie auch bekommen, weil sie sich seit Jahren für Offenheit in Bezug auf Daten und Software einsetzt: Viele Projekte im Haus basieren auf Open Source Software, Daten werden unter freien Lizenzen bereitgestellt, damit die Nutzerinnen und Nutzer die Daten auch wirklich verwenden können, um Neues zu schaffen.

Die Verabschiedung der Open Digitization Policy war ein weiterer wichtiger Höhepunkt dieser Bemühungen um Offenheit. Die Ausrichtung des Hackathons schließlich gab uns die Gelegenheit, den Gedanken der Openness, der mit der Zuerkennung des Titels gewürdigt wurde, noch einmal ausdrücklich zu kommunizieren, weiterzutragen und mit Leben zu erfüllen.

5. Welche Projekte aus den vergangenen Jahren haben Euch am meisten beeindruckt?

Es ist wirklich schwer, sich auf ein konkretes Projekt festzulegen. Unzählige Beispiele finden sich auf der Website von Coding da Vinci – und jedes Projekt hat seinen eigenen Charme und seine eigenen Aha-Effekte. Am liebsten möchte man gleich ein halbes Dutzend Beispiele anführen.

Jedes Projekt hat seinen eigenen Charme und seine eigenen Aha-Effekte

Doch um wenigstens eines beispielhaft zu beschreiben: das Projekt Berliner MauAR macht mit Hilfe von Fotos und Texten der „Stiftung Berliner Mauer“ die Absurdität der Teilung Berlins wieder erlebbar. Dafür hat das Team eine mobile App geschrieben, welche durch Augmented Reality, GPS-Lokalisierung und Cloud-Anbindung die Berliner Mauer wieder an den Originalorten erscheinen lässt und dazu historische Bilder der Mauer herunterlädt und dort im freien Feld positioniert, wo sie geschossen wurden. An Originalschauplätzen entsteht quasi ein virtuelles Freilichtmuseum. Man kann die Berliner Mauer vor sich sehen und um sie herumlaufen. Die Fotos zeigen, wie die Mauer aussah und wie sie sich über die Zeit veränderte. Bei einem Klick auf die Bilder erscheinen die Erklärungstexte der „Stiftung Berliner Mauer“ im 3D-Raum und geben weitere Einblicke in die Geschichte Berlins. Das Smartphone wird zur Zeitmaschine; das Archiv der Stiftung wird räumlich durchschreitbar.

6. Habt Ihr besondere Lieblingsdaten?

Nein. Wirklich jeder Datensatz hat seine eigenen Reize, bei manchen sind bestimmte Ideen sehr offensichtlich ableitbar, bei anderen sieht man die vielen Möglichkeiten erst auf den zweiten oder dritten Blick. Die Projekte im Hackathon demonstrieren dabei immer wieder eindrucksvoll, in welch völlig unerwarteten Zusammenhängen die Daten eingesetzt werden können. Sind die Daten nicht vielfältig und abwechslungsreich, können es auch die Gleichförmigkeit oder gar die Fehler in Daten sein, die Anknüpfung für faszinierende Ideen bieten.

Doch leider gibt es auch bei jedem Hackathon Daten, die nicht verwendet werden. Das ist bei der riesigen Auswahl und den vielen Impulsen, die man bei den Datenpräsentationen mitbekommt, auch nicht verwunderlich. Die Zeichnungen der bergbaulichen Anlagen der TU Bergakademie Freiberg wurden beispielsweise in diesem Jahr nicht verwendet. Es sind großartige Zeichnungen von einer ganz eigenen, wunderbaren Ästhetik. Wir hätten uns vorstellen können, dass jemand diese Konstruktionen virtuell als 3D-Modelle nachbaut und sie zum Leben erweckt – als Anschauungsobjekte oder vielleicht im Kontext eines Spieles. Das ist leider nicht passiert, doch da die Daten nun dauerhaft frei zur Verfügung stehen, kann das immer noch jederzeit geschehen!

7. Trinken Programmierer wirklich Mate, haben Rechner voller Aufkleber und schwarze Kapuzenpullover? 

Nein.

  • Teambildung am Kick-Off-Wochenende 14./15. April 2018
  • Teambildung am Kick-Off-Wochenende 14./15. April 2018
  • Teambildung am Kick-Off-Wochenende 14./15. April 2018
  • Teambildung am Kick-Off-Wochenende 14./15. April 2018
  • Projektpräsentation bei der Preisverleihung am 16. Juni 2018
  • Die Preise und Gewinner

Natürlich müssen wir an dieser Stelle die Heterogenität der Teilnehmenden betonen. Wie in den vergangenen Ausgaben des Coding da Vinci-Hackathons waren auch dieses Mal keineswegs nur Softwareentwickler/-innen anwesend. Entscheidend für einen erfolgreichen Kulturhackathon ist, dass auch kreative Menschen aus Grafik, Design, Kunst, Kultur und Wissenschaft vertreten sind und heterogene Teams bilden. Das hat auch bei Coding da Vinci Ost bestens geklappt und wir hatten viele tolle Teams und Projekte im Hackathon. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, der sollte unbedingt einen Blick auf die Projekte werfen.

Die Fragen stellte Sophia Manns-Süßbrich.

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