Die Universitätsbibliothek Leipzig blickt mit ihren 482 Jahren auf eine lange Tradition zurück. Doch so stolz sie auf ihre lange Geschichte und ihre bedeutenden Bestände ist, so wenig ruht sich sie darauf aus. Stattdessen zieht sie sich täglich die Laufschuhe an, um ihren Auftrag als Dienstleisterin für die Universität zu erfüllen, indem sie deren Lehre und Forschung unterstützt. Die hohe Veränderungsdynamik des Forschens, Studierens, Publizierens und Rezipierens erfordert Beweglichkeit; so passt die UBL fortlaufend ihre Öffnungszeiten genauso wie ihr Literaturangebot den aktuellen Bedarfen an, stellt neue Möbel auf oder digitalisiert ihre historischen Bestände. Und neben diesem tagtäglichen Laufschritt nimmt sie manchmal Anlauf und springt.
„Die UBL hat einen
Sprung gewagt“
Zum Jahresbeginn 2025 hat die UBL so einen Sprung gewagt und hat – als Ergebnis eines Organisationsentwicklungsprozesses – eine neue Abteilung mit Namen Open Science eingerichtet. In dieser Abteilung werden neben dem bestehenden Open Science Office und dessen Schwerpunkt Open Access Publizieren alle Aktivitäten im Bereich forschungsunterstützende Dienstleistungen zusammengeführt: das betrifft Dienste der Forschungsinformation und Forschungsbewertung, die Angebote der UBL im Bereich Forschungsdatenmanagement, Kompetenzen in den Digital Humanities und Wissenschaftstransfer sowie ein hoch differenziertes und für verschiedene Zielgruppen angepasstes Angebot an Schulungen, Workshops und Beratungen.
Eine rein organisatorische Zusammenführung verstreuter Aktivitäten ist allerdings noch kein Sprung. Was diese als Sprung qualifiziert, ist zum einen, dass damit sichtbar gemacht wird, wie die forschungsunterstützenden Dienste und Kompetenzen von den Rändern in das Zentrum des Selbstverständnisses der UBL hineingewachsen sind und als gleichberechtigtes Kerngeschäft neben der Erwerbung von Literatur oder dem Betrieb der verschiedenen Bibliotheksstandorte stehen.
Open Science als Selbstverpflichtung
Zudem trägt diese neue Abteilung den Namen Open Science nicht grundlos, sondern damit geht eine Selbstverpflichtung einher, die forschungsunterstützenden Dienste der Universitätsbibliothek konsequent daraufhin auszurichten, eine Offene Wissenschaft zu fördern und damit Transparenz, Zugänglichkeit und Nachnutzbarkeit der Forschungsergebnisse zu ermöglichen. Der Abteilungsname Open Science beschreibt damit die unter diesem Label versammelten Aspekte und Dienste und weist gleichzeitig eine strategische Ziel- und Weichenstellung aus. Und schließlich soll diese organisatorische Neuordnung dazu dienen, die verschiedenen forschungsunterstützenden Dienste besser zusammenzudenken, Synergien zu nutzen und damit, trotz knapper werdender Ressourcen, das Angebot bedarfsorientiert weiterzuentwickeln. Die Liste der Potentiale, der Ziele und Optionen für Weiterentwicklungen ist lang:
- Was sind passgenaue Angebote der UBL, um wissenschaftsgeleitetes Open Access-Publizieren (Diamond Open Access) zu unterstützen?
- Wie kann die UB ihre Kompetenzen im Bereich Indikatorik und Forscher*innenprofile einbringen?
- Wo können die bestehenden Formate der UBL im Bereich Wissenschaftskommunikation auch um Aspekte der Citizen Science erweitert werden?
- Wie können Open-Science-Themen durch ein fachspezifisches Angebot zielführend bereits in der Lehre Eingang finden und curricular verankert werden?
- Was kann die UBL tun, um die Angebote des institutionellen Forschungsdatenmanagements besser mit denen der NFDI zu verzahnen?
- Welche Kompetenzen und Dienste sollte die Universitätsbibliothek im Bereich Digital Humanities aufbauen?
- Und schließlich die große Frage: welchen Einfluss hat die KI auf diese Felder und wie gelingt es, dieser Entwicklung nicht nur nachzulaufen, sondern sie aktiv mitzugestalten?
Der Sprung, den die UBL mit dieser organisatorischen Verankerung von forschungsunterstützenden Diensten gewagt hat, ist keiner ins kalte Wasser. Seit vielen Jahren hat sie systematisch Kompetenzen aufgebaut und dafür einen umfassenden Personalumbau betrieben. Das Open Science Office, das auch weiterhin als Servicestelle bestehen bleibt, ist für viele Forschende seit über zehn Jahren eine feste Anlaufstelle geworden, vor allem wenn es um Unterstützung beim Open-Access-Publizieren geht.

Open Science als Gemeinschaftsprojekt
Die Universitätsbibliothek ist bei Weitem nicht die einzige Open-Science-Akteurin an der Universität und kann zudem nicht alle Aspekte, die unter dem Label Open Science firmieren, abdecken. An verschiedenen Stellen arbeitet sie schon seit vielen Jahren eng mit der Zentralverwaltung, dem Rechenzentrum und einzelnen Fakultäten zusammen, etwa im Bereich Forschungsinformation und Forschungsdatenmanagement.
„Nicht die einzige
Open-Science-Akteurin“
Mit der strukturellen Verankerung der forschungsunterstützenden Dienste verstärkt die Universitätsbibliothek Leipzig ihre Aktivitäten, Forschende in ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu unterstützen und dabei die Ziele von Open Science zu fördern. Dafür bietet sie konkrete Dienstleistungen an und engagiert sich, verstreute Open-Science-Aktivitäten an der Universität besser zu vernetzen und aufeinander abzustimmen. Zudem möchte die UBL die Hochschulleitung dabei unterstützen, Open-Science-Praktiken zu etablieren und zu verankern, und so die Anforderungen der Guten Wissenschaftlichen Praxis weiter umzusetzen. So arbeitet sie im Auftrag der Hochschulleitung gemeinsam mit dem Dezernat für Forschung und Transfer derzeit an einer Erhebung zu bestehenden Praktiken und Erwartungen im Bereich Open Science, die die Grundlage für eine Open-Science-Strategie der Universität bilden soll.
Dr. Henriette Rösch leitet seit Anfang 2025 den Bereich Open Science an der Universitätsbibliothek Leipzig und ist zudem Nachfolgerin von Charlotte Bauer als Vizedirektorin. Zuvor war sie acht Jahre lang die Leiterin des Bereichs Bestandsentwicklung, zu dem bis Jahresende auch das Open Science Office der UB gehörte, an dessen Aufbau vor zwölf Jahren sie maßgeblich beteiligt war.
Beitragsbild: Dr. Henriette Rösch, Grafiken: ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft
Eine gekürzte Fassung des Beitrags ist zuerst im Magazin der Universität Leipzig erschienen.


