Auf adlrs Schwingen durch schwere Zeiten

Sie haben auf den Seiten der UB Leipzig und in diesem Blog in den letzten Wochen verfolgen können, wie die Covid-19-Pandemie den Bibliotheksalltag kräftig durcheinandergewirbelt hat. Nutzerinnen und Nutzer in ganz Deutschland standen auf einmal vor verschlossenen Bibliothekstüren – und die Frage stellte sich, wie komme ich weiterhin an meine Literatur?

So kam es nicht unerwartet, dass sich viele Forschende und Studierende an adlr.link, den Fachinformationsdienst für die Kommunikations- und Medienwissenschaft, wendeten und dort nach Literatur recherchierten. Wir möchten Ihnen in diesem Beitrag zeigen, wie sich die Nutzung von adlr.link seit dem Aufkommen der Pandemie verändert hat.

Seitdem das Portal von adlr.link online ist, messen wir dessen Nutzung mit der Open-Source-Analysesoftware Matomo. Dies tun wir natürlich nur, wenn die Besucher*innen dem Tracking nicht widersprochen haben und wir machen es ausschließlich mit anonymisierten Daten. Bei allen Zahlen, die jetzt folgen, gibt es also eine Dunkelziffer von Besucher*innen, die nicht analysiert werden wollten. Um herauszufinden, wie sich die Nutzung von adlr.link durch die Pandemie verändert hat, haben wir Folgendes gemacht:

Wir haben für einen Vergleich die acht Wochen ausgewählt, bevor unsere Bibliothek am 16. März 2020 schließen musste. Für diesen Zeitraum (genauer gesagt: vom 20. Januar bis zum 15. März 2020) haben wir Durchschnittswerte gebildet und zwar nicht für den ganzen Zeitraum, sondern für jeden Wochentag. So sehen wir, dass z. B. an einem durchschnittlichen Mittwoch in dieser Zeit rund 66 Besucher auf unserer Seite waren und 213 Suchanfragen gestellt haben, an einem durchschnittlichen Samstag aber nur 32 Besucher mit rund 107 Suchanfragen. Jetzt wissen Sie auch gleich, warum wir für jeden Wochentag einen Durchschnittswert errechnet haben, weil sich eben die Nutzung des Portals zwischen Werktagen und dem Wochenende unterscheidet.

Anschließend haben wir uns den Zeitraum vom 16. März bis zum 13. Juni 2020 angeschaut, in dem wegen der Pandemie die UB Leipzig erst ganz geschlossen war und dann nur für Ausleihen und erst am Ende wieder für längere Aufenthalte öffnete. Hier sehen Sie eine Grafik, wie stark die Besuchszahlen pro Tag vom Durchschnittswert abwichen. Die blaue Linie zeigt Ihnen übrigens immer einen 15-Tage-Durchschnittswert, der weniger schwankt als die täglichen Zahlen und damit einen Trend besser aufzeigen kann:

Abb. 1: Abweichung der Anzahl Besucher*innen zum Vergleichszeitraum

Die orangene Linie stellt den Durchschnittswert dar, wenn also die Abweichung an einem Tag 100 Prozent betrug, dann waren doppelt so viele Besucher*innen auf der Seite als üblich. Insgesamt haben wir also seit der Pandemie im Schnitt rund 70 Prozent mehr Besucher*innen dazu gewonnen. Und diese sind im wahrsten Sinne des Wortes keine Eintagsfliegen. Denn wir untersuchen auch, ob sie wiederkommen. Und tatsächlich: Auch die Zahl der Wiederkehrenden (also Besucher*innen, die mehr als einmal auf das adlr.link-Portal gehen) stieg um 71 Prozent.

„Das freut uns natürlich, denn es zeigt, dass die meisten bei uns scheinbar das finden, was sie brauchen und uns als so nützlich einschätzen, dass sie wieder bei uns suchen.“

Aber was ist es genau, was Nutzende bei uns nachgefragt haben? Natürlich: In der Zeit von Bibliotheksschließungen sind es hauptsächlich elektronische Ressourcen, wie die beiden folgenden Grafiken zeigen:

Abb. 2: Abweichung der Anzahl Downloads zum Vergleichszeitraum
Abb. 3: Abweichung der Anzahl ausgehender Verweise zum Vergleichszeitraum

Direkte Downloads aus dem Portal haben in der Zeit um rund 55 Prozent zugenommen, hierunter verstehen wir alle direkten Links, bspw. zu PDF-Dateien. Ausgehende Verweise wurden um mehr als 69 Prozent häufiger geklickt als üblich, das sind Links auf externe Seiten, also z. B. auf elektronische Bücher oder Zeitschriften, bei denen meist noch eine Abstractseite vor dem eigentlichen Dokument zu finden ist. Absolut haben wir damit bereits am 7. Juni 2020 die Zahlen vom gesamten Vorjahr 2019 eingestellt, nämlich insgesamt rund 1.900 Downloads und 10.000 ausgehende Verweise.

Aber selbst in Corona-Zeiten mussten unsere Nutzenden auf das analoge Buch nicht verzichten. Auch unsere nutzergesteuerte Erwerbung von Neuerscheinungen war stark nachgefragt (denn wir liefern ja auch per DHL bequem direkt nach Hause) und auch dort haben wir die Zahl an Buchbestellungen des Vorjahres bereits jetzt erreicht.

Die höhere Nutzung zeigt sich übrigens auch im direkten Jahresvergleich der Kalenderwochen. In der nachfolgenden Grafik haben wir Ihnen die Bibliotheksschließung zu Beginn der Kalenderwoche 12 mit einer Strichlinie eingezeichnet. Sie sehen, dass ab diesem Zeitpunkt die Anzahl der Besucher*innen im Vergleich zum Vorjahr deutlich angestiegen ist:

Abb. 4: Vergleich der Anzahl Besucher*innen der Kalenderwochen 4 bis 24 in den Jahren 2019 und 2020

Was sagen uns diese Zahlen? Wir haben adlr.link als ergänzendes Angebot zum Bestand der Heimatbibliotheken der Nutzer*innen konzipiert, d. h. wir sehen uns als fachbezogenes Rechercheinstrument und immer dort als Lieferdienst, wo die örtliche Bibliothek eine Ressource nicht zur Verfügung stellen kann. Und genau in dem Moment, wo die Bibliotheksschließungen hinzukamen, suchten unsere Nutzenden natürlich verstärkt bei adlr.link. Und wenn weder ein E-Book noch eine Open-Access-Ressource verfügbar waren, versuchten wir trotz Schließungen über unseren Dokumentlieferdienst, bestmöglich zu helfen.

Und was wünschen wir uns? Natürlich, dass unsere „neuen“ Besucher*innen uns treu bleiben, auch wenn die Bibliotheken wieder geöffnet sind. Wir hoffen auf viele Empfehlungen an Kolleg*innen und Kommiliton*innen. Denn wir verstehen uns natürlich auch weiterhin und ohne Pandemie als Recherche- und Lieferdienst für die ganze Fachcommunity in Deutschland.

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