Warnung vor dem Betrug mit KI-generierten pseudowissenschaftlichen Büchern am Beispiel „tredition“
Auf den ersten Blick wirken sie spannend, die musikwissenschaftlichen Bücher des Verlags „tredition“ aus Ahrensburg bei Hamburg. Da gibt es beispielsweise eine Biografie von Johann Christoph Bach (1642–1703), über den die Forschung bislang wenig weiß. Oder ein Werk über den bisher kaum beachteten Leipziger Musiktheoretiker, Komponisten und Professor am Konservatorium Salomon Jadassohn (1831–1902). Wenn Nutzende einer Bibliothek sich grundsätzlich für Musik, die Bach-Familie und Leipzig interessieren, sollte die Bibliothek diese Bücher anschaffen – oder?
So dachten offenbar die Verantwortlichen in Bibliotheken in Leipzig, Dresden, Weimar und Hannover, die laut Karlsruher Virtuellem Katalog Exemplare dieser Bücher besitzen. Sie sind einem Betrug aufgesessen. Dieser Beitrag erklärt die Masche und zeigt, wie Bibliotheken und Forschung damit umgehen. Betroffen sind jedoch nicht nur Profis in Bibliotheken, sondern potenziell alle Lesenden, Studierenden und sogar seriöse wissenschaftliche Autor*innen. Erhöhte Wachsamkeit ist gefragt!
Was läuft schief?
In der deutschsprachigen Bibliothekswelt existieren zahlreiche themen- und fachspezifische Mailinglisten. Eine davon – IAML-DE – ist für Musikbibliotheken bzw. Bibliotheken mit musikbezogenen Beständen gedacht. Dort warnte im Juli 2025 Annalena Aring von den Leipziger Städtischen Bibliotheken die mitlesenden Kolleg*innen vor dem Buch über Jadassohn:
„Das Buch ist leider gespickt mit Falschinformationen. So wird behauptet, wir (…) wären Initiatoren des ‚Complete Works of Salomon Jadassohn‘-Projekts und würden einen großen Teil des Nachlasses Salomon Jadassohns verwahren (was beides nicht zutrifft). (…) Es wird auf Publikationen Bezug genommen, die es nicht gibt.“
Daraufhin meldete sich unter anderem Markus Zepf von der Bibliothek des Bach-Archivs Leipzig, der sich das Buch über Johann Christoph Bach genauer angeschaut hatte:
„Der Autor schreibt entweder unter Pseudonym oder der Name ist freie Erfindung. Das Coverbild ist offensichtlich eine KI-generierte Version eines älteren, verschollenen Porträts (…). Inhaltlich ist das meiste falsch, beginnend bei der Feststellung, dass besagter Johann Christoph Bach der Vater Johann Sebastian Bachs sei. Die verschiedenen Mitglieder der Bach-Familie werden munter gemixt und zum Teil mit erfundenen Werktiteln zitiert. An einigen Stellen wird deutlich, dass das Buch KI-generiert sein muss und wenigstens teilweise englische Übersetzungen von deutschen Werken (…) zugrunde gelegen haben müssen. (…) Erfundene Quellenangaben wie z. B. Martin Geck, Von Generation zu Generation: Die Musiktradition der Bachs. Musikjournal, 17(4), 23–36, sind für sich genommen zwar harmlos, als Teil dieses erfundenen Ganzen aber dann doch ein Ärgernis.“
Der Befund ist klar und trifft offensichtlich auch auf weitere Bücher aus dem Hause „tredition“ zu: Da erstellt jemand, nennen wir ihn Klaas Klever, mit Hilfe von generativer KI Bücher mit wissenschaftlichem Anstrich. Bei genauerem Hinsehen entpuppen sich die Bücher als Fake. Klaas benutzt Pseudonyme wie Valentin Fuchs, Robert H. Hummel oder Sophia Weller, was nicht verboten ist, doch in der Wissenschaft ein No-Go: Die Gute Wissenschaftliche Praxis verlangt, dass namentlich erkennbar ist, wer welchen Anteil zu einer Forschungsleistung beigetragen hat.
Aber es geht Klaas nicht um wissenschaftliche Erkenntnis, erst recht nicht um Reputation, sondern offensichtlich um Profit. Sein Handwerk hat er auf einer Plattform für Online-Kurse wie Udemy gelernt. Er hat dort ganz einfach nach „KI Bücher erstellen“ gesucht und reichlich Angebote gefunden. Sie heißen z. B. „KI Bücher Meisterkurs: Verkaufe KI generierte Bücher online“ oder „No, Low & High Content KI-Bücher mit Amazon KDP verkaufen“. Es gibt auch einen Kurs, der die Vermarktung gedruckter Bücher u. a. mit „tredition“ beschreibt.

Mit „tredition“ hat Klaas den perfekten Partner für sein betrügerisches Geschäft gefunden: „tredition“ ist nämlich nicht das, was man sich landläufig unter einem Verlag vorstellt, also ein Unternehmen, in dem Menschen Bücher unters Volk bringen, die sie für wichtig halten und die vorher jemand gegengelesen hat. Bei „tredition“ kann im Prinzip jeder alles veröffentlichen, eine funktionierende Qualitätskontrolle gibt es nicht. Im Impressum der Bücher steht – so ehrlich ist man bei „tredition“ –, dass die Autor*innen allein für den Inhalt verantwortlich sind. Das erinnert an die flache und durch europäische Gesetzgebung mittlerweile widerlegte Argumentation der großen Social-Media-Plattformen: „Wir bieten nur die Infrastruktur. Was die Nutzer*innen dort treiben, ist deren Sache.“
In den AGB von „tredition“ ist das Geschäftsmodell erklärt, das Klaas sehr gut gefällt: Für die Publikation des Buchs zahlt er gar nichts. Falls das Buch verkauft wird, erhält er einen Anteil am Umsatz. Den Preis und damit indirekt auch seinen Gewinn legt Klaas selbst fest. Er entscheidet sich für rund 30 Euro für das Softcover und das E-Book, fürs Hardcover sollen knapp 50 Euro fällig sein.
Wenn Klaas genauer hinsieht, findet er auch bei „tredition“ ein Dokument zu Qualitätsanforderungen. Dort liest er:
„Unserer Einschätzung nach sind die Künstlichen Intelligenzen (KI) aktuell noch nicht so weit, ein komplettes Buch zu schreiben. Die Qualität und vor allem die Richtigkeit der Inhalte, kann aufgrund der Funktionsweise von KIs nicht gewährleistet werden (…). Wir möchten daher zum aktuellen Stand der Technologie keine Inhalte veröffentlichen, die zu einem überwiegenden Anteil KI-gestützt geschrieben wurden.“
Klaas beschließt, sich darüber keine Gedanken zu machen, denn wer will das schon überprüfen? Beschäftigt „tredition“ eine Lektorin mit Musik-Expertise, die die Bücher gegenliest und nachforscht, ob es die erfundenen Quellenangaben wirklich gibt? Eher nicht. Also steht dem schnellen Geld mit wissenschaftlich aussehenden Büchern nichts im Wege.
Wer hat den Schaden?
Die Leidtragenden dieser Methode sind zunächst die Steuerzahlenden, deren Geld die Bibliotheken versehentlich für Fake-Bücher verschwenden, sowie private Käufer*innen, die sich wertvolle Lektüre versprechen, aber Schrott bekommen.
Der Schaden ist jedoch nicht nur ein wirtschaftlicher. Die Bücher blenden mit ihrem Anschein von Seriosität die Lesenden. Wer in einem Fachgebiet noch neu ist oder wer überhaupt erst das wissenschaftliche Arbeiten lernt, dem werden Falschinformationen erst einmal gar nicht auffallen. Der schreibt auf dieser unzuverlässigen Basis vielleicht eine Hausarbeit oder zitiert sie in einem wissenschaftlichen Artikel. So sickern Falschbehauptungen in den Diskurs ein, trüben den Blick und erschweren den Erkenntnisgewinn. Im schlimmsten Fall untergräbt der KI-generierte Schrott das Vertrauen ins Wissenschaftssystem insgesamt. Das spielt all jenen in die Karten, die Zweifel an der Wissenschaft und ihren Institutionen säen wollen. Wir wollen Klaas Klever keine politische Agenda unterstellen, aber hat er diese Konsequenzen bedacht?
Nicht zuletzt schaden Klaas Klevers pseudowissenschaftliche Bücher all den seriösen Autor*innen, die für ihre Forschungsergebnisse eine kostengünstige Publikationsmöglichkeit suchen. Denn das Angebot von „tredition“ zieht nicht nur windige Geschäftemacher an. Es ist auch attraktiv für echte Forschende, die ihre Bücher im Druck veröffentlichen wollen, sich aber die Druckkostenzuschüsse nicht leisten können, die bei Wissenschaftsverlagen normalerweise anfallen. Das betrifft besonders Autor*innen, die selbstständig oder nebenberuflich forschen. Wissenschaftliches Publizieren kostet Geld. Universitäten haben Fördertöpfe für Open-Access-Publikationen – die stehen aber nur den eigenen Angehörigen offen. Wer aktuell nicht an einer Universität oder Forschungseinrichtung affiliiert ist, geht leer aus.
Bringt deshalb eine ehrliche Forscherin ihr mühevoll erarbeitetes Buch bei „tredition“ unter und macht anschließend die Bibliothek ihres Vertrauens auf die neue Publikation aufmerksam, kann es passieren, dass die Bibliothek sagt: Interessant, aber Bücher von „tredition“ kaufen wir grundsätzlich nicht. So ist es an der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) schon vorgekommen. Allzu verständlich ist der Ärger der Autorin, wenn sie erfährt, in welch schlechte Gesellschaft sie sich mit ihrem seriösen Buch begeben hat. Auch wenn es in Details Unterschiede gibt: Der Vergleich mit sogenannten Raubzeitschriften (Predatory Journals) liegt nahe und die Risiken für die wissenschaftliche Karriere sind möglicherweise ähnlich.
Welche Dimension hat der Betrug?
Wie viele KI-generierte pseudowissenschaftliche Bücher es im Handel und in den Bibliotheken bisher insgesamt gibt, ist kaum seriös abzuschätzen. Denn es gilt Brandolinis Gesetz: „Das Widerlegen von Schwachsinn erfordert eine Größenordnung mehr Energie als dessen Produktion.“ Wie lange braucht Klaas Klever, um ein Schrottbuch herzustellen – eine Stunde vielleicht? Wie lange brauchen Expert*innen wie Aring und Zepf, um ein Schrottbuch zu lesen, Fehler im Text ausfindig zu machen und nicht existierenden Quellen nachzuforschen? Auf der Ebene des einzelnen Buches, von einzelnen Menschen gelesen, ist der Kampf schon verloren, bevor er begonnen hat.
Die Deutsche Nationalbibliothek muss alle in Deutschland bzw. auf Deutsch erscheinenden Bücher archivieren, egal ob nobelpreiswürdig oder Nonsens. Sie verzeichnet aktuell über 112.000 Medien aus dem Hause „tredition“. Nur ein geringer Teil gibt sich den Anschein der Wissenschaftlichkeit, es sind Fantasy-Romane, Sudokus, Koch- und Kinderbücher dabei. Die meisten „tredition“-Bücher füllen zum Glück noch nicht die Regale, sondern kommen in Form von Online-Publikationen und Ankündigungen in den DNB-Katalog. In den DNB-Magazinen in Leipzig und Frankfurt stehen bisher jeweils knapp 400 gedruckte „tredition“-Bücher. Werden es irgendwann 40.000 oder 400.000 sein?

Nun ist „tredition“ nur ein Beispiel von vielen. So wies jüngst z. B. der Online-Händler Galaxus auf eine ähnliche Masche beim „Flip Flop Verlag“ hin und entfernte knapp 1.000 Bücher aus seinem Sortiment. Wie viele Verlage es noch gibt, die so oder ähnlich Glaubwürdigkeit suggerieren, wo nur heiße Luft ist – niemand weiß es.
Ganz blümerant kann einem werden, wenn man bedenkt: Wir blicken auf einen winzigen Bruchteil des internationalen Markts für wissenschaftliche Publikationen. Die angeprangerten Beispiele sind deutschsprachige geisteswissenschaftliche Bücher und damit dreifach randständig: Global gesehen stellen englischsprachige Zeitschriftenartikel aus Lebenswissenschaften, Medizin und MINT-Fächern die große Masse wissenschaftlicher Publikationen dar. KI-generierte Fake-Artikel sind dort ein seit Jahren wachsendes Problem, das mittlerweile beängstigende Dimensionen annimmt. Für die biomedizinische Forschung etwa gehen Bernhard A. Sabel et al. von einem Fake-Anteil von mindestens fünf Prozent aller Publikationen aus, was sich auf mehr als 100.000 Artikel pro Jahr beläuft – wohlgemerkt für 2023, das erste Jahr nach der Veröffentlichung von ChatGPT.
Was tun Bibliotheken und Forschung?
Die bibliothekarische Community wehrt sich zunächst mit typisch bibliothekarischen Mitteln: Wir warnen uns gegenseitig bei Verdachtsfällen, zum Beispiel über die besagten Mailinglisten, und wir tragen Verlage zusammen, bei denen wir bei der Erwerbung besonders vorsichtig sind. Deshalb werden im Katalog der UBL Bücher von „tredition“ und „Flip Flop“ jetzt nicht mehr als „beschaffbar“ angezeigt. Wir wissen, dass nicht alle Bücher aus diesen Verlagen betrügerisch sind. Deshalb können wir im Einzelfall dennoch entscheiden, ein Buch von einem „verdächtigen“ Verlag zu erwerben. Wir könnten sogar bei Bedarf absichtlich ein pseudowissenschaftliches Fake-Buch kaufen, z. B. damit Forschende sich genauer mit der Fälschungsmethode befassen oder Lehrende ihre Studierenden dafür sensibilisieren können.
Erste Bibliotheken warnen außerdem ihre Nutzenden mit Einträgen in ihren Katalogen. Zum Beispiel ist im K10plus-Verbundkatalog zu dem Bach-Buch mittlerweile dieser Hinweis zu lesen:
„Achtung! Der Inhalt des Buches wurde mit KI produziert und enthält wahllos zusammengestellte Texte aus dem Netz, die inhaltlich fehlerhaft und oft aus dem Zusammenhang gerissen sind.“
An der Hochschule für Musik in Weimar formuliert man beim pseudowissenschaftlichen Buch über Jadassohn etwas zurückhaltender: „Autorschaft ungeklärt, eventuell KI-generierte Texte“. Ähnlich handhabt es die Leipziger Hochschule für Musik und Theater, in deren Bestand sich ein „vermutlich KI-generiertes“ E-Book befindet.
An der UBL versuchen wir über Blogbeiträge wie den vorliegenden (oder auch diesen) für das Thema zu sensibilisieren. Aber auch in Blogs und Zeitschriften von Fachcommunitys kursieren entsprechende Warnungen. So hat Markus Zepf im Bach-Magazin 45 (S. 55) eine vernichtende Rezension des Buchs über Johann Christoph Bach veröffentlicht. Das gleiche Machwerk rezensiert Ingo Bredenbach im Magazin Concerto 314 (S. 48) unter dem schönen Titel „Zur Entsorgung zu empfehlen“. In einem ausführlichen Rezensionsessay in der Zeitschrift Die Musikforschung befasst sich Klaus Martin Kopitz nicht nur mit einem Schrottbuch über den Komponisten Norbert Burgmüller, sondern listet gleich 78 weitere offensichtlich gefälschte Bücher zu musikwissenschaftlichen Themen auf.
Nicht nur die Musikwissenschaft wehrt sich: Die Monumenta Germaniae Historica (MGH) – eine Instanz in Sachen Mittelalterforschung – warnten schon im Januar 2025 auf ihrer Webseite vor Fake-Wissenschaft. Vornehm zurückhaltend wird dort kein Verlagsname genannt. Aber wer diesen Beitrag bis hierhin gelesen hat, kann sich denken, wo die von den MGH als Fake enttarnten Bücher erschienen sind. Ebenfalls aus der Geschichtswissenschaft, allerdings mit Schwerpunkt Frühe Neuzeit, stammt ein nachdenklicher Blogbeitrag des Kölner Historikers Sebastian Schlinkheider, der bei der Entdeckung eines verdächtigen Buchs über Köln seinen Ausgang nimmt. Auch hier kommt uns der Verlag bekannt vor.
Was können Autor*innen tun?
Wer als Autor*in das Geschäftsmodell von „tredition“ und ähnlichen Unternehmen nicht unterstützen will, gleichzeitig aber auf kostenlose Publikationswege für Bücher angewiesen ist, dem sei gesagt: Das Zauberwort Nummer eins ist Diamond Open Access. Gemeint sind damit elektronische Publikationsdienste, die gemeinschaftlich finanziert sind und wo das Publizieren für Autor*innen kostenlos ist. Das kann im Einzelnen unterschiedlich ausgestaltet sein, mit verschiedenen Arten von Qualitätssicherung. Der Klassiker ist der Publikationsserver, den viele Hochschulbibliotheken anbieten (z. B. der Publikationsserver der Universität Leipzig). Es gibt aber auch fachspezifische Services, wo man unabhängig von einer institutionellen Zugehörigkeit publizieren kann, für die Musikwissenschaft beispielsweise musiconn.publish.
Eine weitere Herausforderung kann darin bestehen, zu zeigen, dass man selbst kein erfundenes Pseudonym ist, sondern eine echte Person mit wissenschaftlichem Profil und Werdegang. Hier heißt das Zauberwort Nummer zwei Akademisches Identitätsmanagement: Machen Sie es anderen leicht, Ihren Namen und Ihre wissenschaftlichen Publikationen im Internet zu finden, indem Sie z. B. ein eigenes ORCID-Profil pflegen. Falls Sie an einer wissenschaftlichen Einrichtung tätig sind, legen Sie sich dort ein öffentliches persönliches Profil zu. All das erzeugt Vertrauen und schafft verifizierbare Verbindungen zwischen Autor*innen, Institutionen und Werken, die für Dritte nachvollziehbar sind.
Was können Leser*innen tun?
Wenn Sie ein wissenschaftlich aussehendes Buch in den Händen halten, wie können Sie sichergehen, dass es ein Mensch nach bestem Wissen und Gewissen geschrieben hat? Die folgende Liste enthält Verdachtsmomente. Sie sollten umso vorsichtiger sein, je mehr Punkte davon erfüllt sind:
- Sie finden im Internet keine Informationen über die angebliche Autorin/den angeblichen Autor, außer immer wieder den Verweis auf dieses eine Buch.
- Das Titelbild sieht verdächtig nach einer KI-Kreation aus (mögliche Anhaltspunkte dafür und ein schönes Quiz bietet diese Seite des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik).
- Die in den Fußnoten und Quellenverzeichnissen angegebenen Bücher und Artikel sind nicht aufzufinden.
- Titel, Klappentexte und letztlich die Inhaltstexte selbst wirken schablonenhaft, redundant, unpersönlich.
- Der Verlag heißt „tredition“ oder „Flip Flop“.
Das ist nur eine Momentaufnahme. Sicherlich gibt es weitere solche Unternehmen und andere werden im Laufe der Zeit auf diese Masche aufspringen, die Fakes werden weniger offensichtlich erkennbar sein. Jedenfalls, wenn Sie auf ein derartig verdächtiges Buch stoßen, tauschen Sie sich mit Kolleg*innen und in Ihren Fachcommunitys aus, informieren Sie Ihre Bibliothek! Wir haben keine fertigen Lösungen, aber gemeinsam kommen wir Klaas Klever und Konsorten auf die Schliche.
Hier erfahren Sie, wie es weiterging: Klaas Klever ist gefasst





Transparenzhinweis: Nach Erscheinen dieses Beitrags erreichte mich ein Hinweis auf die wichtige Rezension von Klaus Martin Kopitz (https://doi.org/10.52412/mf.2025.H4.5101). Daraufhin habe ich am 22.04.2026 den Satz „In einem ausführlichen Rezensionsessay (…) zu musikwissenschaftlichen Themen auf“ nachträglich ergänzt.
https://mgh.de/de/blog/post/ki-generierter-schwachsinn
Auf die Frage, was KI von dieser Meinung hält, gibt Google Gemini folgende Antwort:
„Oh, welch glorreiche Blütezeit der Wissenschaft wir hier erleben! Wer in Zukunft die Karolingerzeit erforschen will, sollte vielleicht besser die KI für die Zusammenstellung von Kochrezepten nutzen – die Wahrscheinlichkeit, dass Hilda dabei wenigstens real existiert, ist höher. Der Verlag hingegen hat bewiesen, dass man mit geschickt gefälschten Quellen und einer Prise Digitalwahnsinn eine ganze Branche elegant in die Irre führen kann.“
Vielen Dank für diesen sehr interessanten, informativen Artikel! 🙂
Danke für den sehr informativen Text. KI-Slop, wie sowas inzwischen gemeinhin heißt, hat das wissenschaftliche Ökosystem tief infiltriert. Viel tiefer, als die meisten „Wissensarbeiter“ auch nur ahnen. Um hier gegenzusteuern braucht es dringend grundlegende KI Bildung. Aber die fehlt weithin.
Eine Lösung für dieses Problem könnten die zahlreichen Tools sein, die solche Fake-Bücher automatisiert erkennen. Eine Bibliothek könnte sie einfach bei Erwerbungsideen vor Titel, die fragwürdig sind, vorschalten. Bei Studien, die das Gros der Publikationen und damit auch der Gefahr ausmachen, können halluzinierte Quellen z.B. mit Tools wie bibsafe oder checkifexist leicht und schnell geprüft werden. Es gibt noch viel mehr Möglichkeiten, z.B. die eigenen Repositorien attraktiver machen. Aktuell bieten OPACs,DBIS und Qucosa keine KI Integration, bei letzterem ist die Suche wirklich nicht gut, das schreckt ab, es zu nutzen bzw. da zu publizieren. KI kann hier helfen , es gibt erste Pilotprojekte, z.b. um das DBIS leichter durchsuchbar zu machen, denn aktuell ist die Suche dort viel zu grobschlächtig, was due geringe Nutzung von Fachdatenbanken mit erklärt. Soll heißen: wir brauchen – und haben bereits – neue Formen des Informationszugangs und der -kontrolle. Meist aber fehlt das Wissen. Denn eines ist neben all den Problemen, die KI bringt, auch klar. KI legt die alten Mängel des Bildungs- und Wissenschaftssystems radikal offen und acht die exponentiell größer. Was wir jetzt sehen, war in kleineren Maßstab schon lange da, war aber meist unsichtbar. Das gleiche gilt für Paper Mills und predatory Journals. Aktuell fehlt es Forschern, Lehrenden und Studis hier an grundlegenden Wissen, wie damit umzugehen ist. Die Hochschulen brauchen deshalb dringend fundierte KI-Bildung, Die Bibliotheken können hier (wieder) wichtig werden. Aber auch da ist da Wissen noch nicht tief implantiert, KI oft noch nicht Teil der Ausbildung von Bibliothekaren, vieles hängt noch an Einzelnen und persönlichen Interessen. Insofern Danke für diesen Text, ich hoffe, er findet viele Leser.
Lieber Danny Walther,
danke für Ihren Kommentar und Ihre Anregungen. Sie schlagen vor, dass Bibliotheken beim Erwerb Tools benutzen, die Alarm schlagen, wenn ein Buch unter (betrügerischem) KI-Verdacht steht. Hier gibt es ein ganz praktisches Problem: Die Tools können, soweit ich weiß, nur Texte checken, die digital vorliegen. Die in diesem Beitrag angeprangerten Bücher werden aber sowohl digital als auch im Print vertrieben. Bei einem Printbuch hilft mir ein digitales Tool nicht weiter. Und bei einem E-Book bekommen wir erst Volltextzugriff, wenn wir das Buch gekauft haben – also zu spät. Diese Art von Prüfung muss meines Erachtens früher ansetzen, nämlich dort, wo die Texte immer digital vorliegen: beim Verlag.
Sie sprechen außerdem das Thema Wissensvermittlung zu KI an. Dazu möchten wir sagen, dass die UB Leipzig mehrere Schulungsangebote zu KI-Themen bietet. Aktuell z. B.:
– Künstliche Intelligenz für die wissenschaftliche Arbeit: Ethik, Verantwortung und praktische Anwendung
– Erfolgreich recherchieren: PubMed und KI im Einsatz
– Scite_ai Crash Course
Wir stimmen Ihnen allerdings zu, dass diese Angebote in der Regel nicht auf KI-Vermittlung in der bibliothekarischen Ausbildung basieren, sondern dem persönlichen Interesse und Engagement der Mitarbeitenden zu verdanken sind.
Transparenzhinweis Nr. 2: Der Beitrag enthielt ursprünglich Links, die in den Onlineshop von „tredition“ zu den beiden beispielhaft vorgestellten Büchern führten (Bach, Jadassohn). Inzwischen hat der Verlag die Bücher aus dem Vertrieb genommen. Sie sind im Shop von „tredition“ nicht mehr zu finden. Deshalb habe ich stattdessen auf den Katalog der Deutschen Nationalbibliothek verlinkt, wo beide Bücher elektronisch archiviert sind.
„tredition“ hat außerdem seine Webseite zum Thema „Qualitätsanforderungen“ überarbeitet, so dass das im Beitrag vorkommende Zitat dort nicht mehr so zu finden ist.