Das erste Kinderprogramm für unsere Ausstellungen war ein voller Erfolg
Kann eine wissenschaftliche Ausstellung Kinder begeistern? Wie vermittelt man die komplexen Inhalte an ein Publikum, das vielleicht noch gar nicht zur Schule geht? Dem wollten wir im Rahmen der Ausstellung Insektenwissen. Historische Bücher und Präparate zur Insektenkunde unbedingt einmal nachgehen. Das Thema bot sich für die Bildungs- und Vermittlungsarbeit geradezu an. Schließlich wurden neben aufwändig illustrierten entomologischen Büchern aus dem Sonderbestand der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) (darunter die Prachtwerke von Maria Sybilla Merian, Johann Jacob Scheuchzer oder Joris Hoefnagel) auch einige der schönsten Insektenpräparate und -modelle der Zoologischen Lehr- und Schausammlung präsentiert. Die Ausstellung verfolgte schlaglichtartig die Geschichte der Entomologie und die Entstehung ihrer wertvollen historischen Publikationen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert.
Doch um zur Anfangsfrage zurückzukehren: Wie vermittelt man diese Themen an Kinder? Wichtig war uns, Kinder unterschiedlicher Altersgruppen anzusprechen und das Angebot für sie kostenlos und möglichst niedrigschwellig zu gestalten. Wir wollten den Forschungsgeist der jungen Gäste wecken und Lust auf Ausstellungen und Bibliotheken machen, ohne allzu didaktisch zu werden. Das Konzept für das Familienprogramm entstand parallel zur Ausstellungsplanung ab Ende 2025. Es sah drei verschiedene Formate vor: wöchentliche Familienführungen, ein spielerisches Angebot, durch das Kinder die Ausstellung selbstständig erkunden können, und ein Ferienprogramm für Vor- und Grundschulgruppen.
Ausgearbeitet und realisiert wurde das Programm im Rahmen eines viermonatigen Praktikums am Referat Ausstellungen. Die beiden Studentinnen Nina Szewczyk und Kassandra Kaden aus dem Master Bibliotheks- und Informationswissenschaften an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) traten das Praktikum im April an. In enger Abstimmung mit der Ausstellungsreferentin setzten sie das Projekt für das Modul Bibliothekspädagogik mit großem Einsatz und viel Herzblut um.
Als erstes wurde die Forschungsstation eingerichtet. Hier konnten sich die Kinder gleich neben dem Eingang der Ausstellung ein Quiz oder eine Bingokarte nehmen und während des Rundgangs ausfüllen. Das Quiz richtete sich an Kinde ab 6 Jahren, die allein oder mit etwas Unterstützung Fragen zur Ausstellung beantworten und ein Lösungswort finden konnten. Die Fragen folgten dem Ausstellungsaufbau und erforderten ein aufmerksames Lesen der Vitrinentexte.

Das Bingo konnten auch schon jüngere Kinder lösen. Hier sollten die Objekte zu den gezeigten Bildausschnitten gefunden werden. Wer vier Bilder in einer Reihe ankreuzen konnte, hatte ein Bingo. Auf der Rückseite wurde darüber hinaus noch spannendes und witziges Insektenwissen vermittelt – z. B. dass Schmetterlinge mit den Füßen schmecken oder Hausfliegen in F-Dur summen.
Das Angebot gab den Kindern die Möglichkeit, sich näher mit einzelnen Bereichen der Ausstellung zu befassen und dort genau hinzuschauen. So wurden sie spielerisch und ohne lehrhaften Ton durch die Ausstellung geleitet. Wer seine Lösungen anschließend im Café Alibi der Bibliotheca Albertina vorzeigte, erhielt dort ein kleines Überraschungspaket mit weiteren Spielen, Bastelanleitungen, Aufklebern und den schönen Lesezeichen mit Ausstellungsmotiv (Gestaltung: Stefan Gunnesch). Das Angebot sprach sich schnell herum und das Team der Familienplattform LipzKidz bewarb die kinderfreundliche Ausstellung zusätzlich mit einem Beitrag auf Instagram. Dort und im Gästebuch der Ausstellung wurde vor allem gelobt, dass das Angebot leicht zugänglich war und die Geschenktüten ohne Plastik-Müll auskamen. Insgesamt haben wir mehr als 200 Überraschungspakete verteilt.
Kurz nachdem die Ausstellung Anfang Mai 2026 eröffnet war, begann das zweite Teilprojekt des Kinderprogramms: Die Familienführungen. Hierzu arbeiteten die beiden Praktikantinnen Nina Szewczyk und Kassandra Kaden ein Konzept aus, das sich inhaltlich eng an den regulären Ausstellungsführungen orientierte, aber stärker auf ein junges Publikum zugeschnitten und zeitlich verkürzt war. Die Familien der UBL-Mitarbeitenden stellten sich als Testpublikum zur Verfügung und selbst die Kleinsten blieben gespannt bei der Sache. Ab da konnten die Führungen wöchentlich kostenfrei gebucht werden. Insgesamt nahmen 40 Personen daran teil, in der Mehrzahl natürlich Kinder.

Im Juli startete mit dem Ferienprogramm schließlich das größte der drei Teilprojekte. Zweimal wöchentlich kamen Gruppen von bis zu 15 Vorschüler*innen und Hortkindern mit ihren Begleitpersonen zum Treffpunkt am Termitenhügel im Foyer der Bibliotheca Albertina. Hier erwartete sie ein ca. zweistündiges Programm rund ums Insekt. Zunächst wurde durch die Ausstellung geführt, in der erst einmal zu klären war, was eigentlich Insekten sind – und was alles nicht (z. B. eklig). Außerdem geklärt wurde: „Ja, die Präparate sind alle echt“ und „nein, die Buchseiten haben wir nicht ausgerissen, die konnte man früher lose sammeln – ja, so ähnlich wie Pokémon-Karten“ und „Warum sind in so vielen Insektenbüchern auch Spinnen, Skorpione und Krebstiere zu sehen?“
Darauf folgte ein Kreativangebot im Fürstenzimmer. Inspiriert von den Exponaten und von uns angeleitet durften die Kinder eigene Insekten kreieren. Natürlich interessierte sich keines der Kinder für den Vorschlag, passenderweise mit alten Buchseiten zu arbeiten. Aber das kann man auch nicht erwarten, wenn man die schönsten Bastelpapiere, Folien und Wackelaugen bereitstellt.
Nahezu alle angebotenen Termine waren ausgebucht. Wir begrüßten im Laufe der Sommerferien insgesamt 90 sehr interessierte Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren in unserem Kreativangebot, darunter auch eine Gruppe des Feriencampus der Universität Leipzig.
Aufgrund des großen Interesses konnte die Ausstellung noch einmal um zwei Wochen verlängert werden, aber irgendwann müssen die Objekte wieder in die Magazine und an ihre Leihgeber zurück. Und damit endete auch das erste Familien-Ausstellungsprogramm der UBL am 23. August 2026.
Das Feedback war überwältigend: Es wurde mehrfach um Wiederholung des Programms gebeten und die Kinder waren begeistert. Wenn es thematisch also wieder einmal so gut passt, wissen wir nun, wie wir unsere naturgemäß akademisch geprägten Inhalte auch auf kreative und spielerische Weise nahebringen können. Schließlich richtet sich unser Auftrag zur Wissenschaftskommunikation auch an diejenigen, die sich in Zukunft vielleicht einmal mit Forschung befassen wollen.









