Ein geheimnisvolles Versprechen: Der Schauraum Papyrus Ebers

Ulrich Johannes Schneider war der Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig von 2006 bis 2022.

Die lange Vitrine steht in einem dunklen Raum, ist schwach erleuchtet, ein geheimnisvolles Versprechen. Was man sieht, ist eine Schrift, die kaum jemand lesen kann, weil sie schon 3.500 Jahre alt ist und ins alte Ägypten gehört. Könnte man lesen, was auf 108 Kolumnen geschrieben steht, wären das Krankheitsbeschreibungen und Rezepte der antiken Medizin. Viele der Zutaten kennen wir heute nicht mehr, und wenn zum Verschönern der Haut oberägyptisches Salz verlangt wird oder Gu-Gras, dann stehen wir ratlos davor.

Weiterlesen →

Hundert Tage im Amt …

… als Kustodin der Papyrus- und Ostrakasammlung

Nicht nur die Arbeitsgruppe Digitalisierung, auch die Papyrus- und Ostrakasammlung hat in diesem Jahr mit Frau Dr. Almuth Märker eine neue Leitung bekommen. Vielen innerhalb der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) ist Frau Märker natürlich gut bekannt, da sie bereits seit 2004 in verschiedenen Funktionen bei uns im Haus tätig ist.
Wir haben Frau Märker gefragt, ob es ihr möglich wäre, nach den ersten – sicher sehr ereignisreichen – 100 Tagen im Amt, eine Bilanz zu ziehen. Im folgenden Blogbeitrag beschreibt sie, wie sie sich in die neuen Aufgabengebiete eingearbeitet hat und was also alles dazu gehört, wenn man eine solche Sammlung zu verantworten hat.
Wir möchten auch im kommenden Jahr in loser Reihenfolge Kolleginnen und Kollegen vorstellen, die neue Positionen übernommen haben und damit einen Blick hinter die Kulissen unserer Häuser ermöglichen, die für unsere Nutzer im Alltagsbetrieb nicht immer ersichtlich sind. Weiterlesen →

Grenzenlose Bilderwelt

Codex Sinaiticus und Codex Vaticanus in einer Mirador Oberfläche

Digitalisate sind mittlerweile fester Bestandteil wissenschaftlichen Arbeitens – vor allem historische Dokumente, die bis vor kurzem nur an wenigen Orten verfügbar waren, werden durch ihre digitale Kopie weltweit zugänglich gemacht. Auch die UB Leipzig digitalisiert seit vielen Jahren systematisch, um ihre reichhaltigen Bestände zur Verfügung stellen zu können.

Die Digitalisierung an Bibliotheken hatte jedoch auch häufig zur Folge, dass die Digitalisate nur über die Webseiten der jeweiligen Bibliothek zugänglich waren, was bspw. vergleichende Studien von historischen Quellen erschwerte, ganz zu schweigen vom Auffinden der digitalisierten Quellen überhaupt. Seit 2011 beschäftigt sich eine wachsende Gemeinschaft von Forschungsbibliotheken und Betreibern digitaler Bildarchive mit der Konzeption und Standardisierung einer interoperablen Technologie zur gemeinschaftlichen Bereitstellung von Digitalisaten im Internet. Beteiligt sind neben vielen anderen die Stanford University, die Bodleian Libraries (Oxford University) und die Bibliothèque nationale de France. Die geschaffene Technologie wurde in den vergangenen Jahren in einer ganzen Reihe von Softwareprodukten umgesetzt und ist heute unter der Bezeichnung „International Image Interoperability Framework“ bekannt, kurz IIIF. Weiterlesen →

Datteln mit Minze gegen Schnupfen

Ein über 3000 Jahre altes Rezept  – gefunden im Papyrus Ebers.
Die Universitätsbibliothek bewahrt diese Buchrolle, datiert auf das 16. Jh. v. Chr., als einen ihrer größten Schätze und er wurde nun sogar zur Aufnahme in das „Weltdokumentenerbe“ bei der UNESCO angemeldet.
Prof. Dr. Reinhold Scholl, Kustos der Papyrus- und Ostrakasammlung in der UBL, wird am 24. Februar um 19 Uhr in der Bibliotheca Albertina gemeinsam mit Dr. Bernd Kromer vom Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie in Mannheim über dieses Vorhaben und damit zusammenhängende aktuelle Forschungsergebnisse berichten.
Einige Fragen konnten wir Prof. Scholl aber schon heute stellen:

Warum wurde der Papyrus Ebers kürzlich auf Echtheit untersucht? Gab es Zweifel daran?

Probeentnahme am Papyrus Ebers

Nein, es gab bisher keine Zweifel, was aber möglichweise damit zusammenhängt, daß ihn nur wenige Wissenschaftler wirklich im Original gesehen haben. Denn er schaut wirklich wie neu und ungebraucht aus, einzigartig sowohl in der Qualität des Schriftträgers als auch der Schönheit und Exaktheit der Schrift, was andererseits aber wiederum gegen eine moderne Nachbildung spricht, wie der Vortrag am Dienstag zeigen wird. Umstritten war aber lange Zeit das wirkliche Alter. Das reichte von 1600 v. Chr. bis in die römische Zeit. Eine große Zeitspanne. Aber die Forschung konnte dann das Datum durch herkömmliche geisteswissenschaftliche Methoden auf das letzte Viertel des 16. Jh. v. Chr. eingrenzen, wobei es hier auch abweichende Meinungen gibt. Um bei der Anmeldung zum Weltdokumentenerbe auf der ganz sicheren Seite zu sein – Neider gibt es immer viele – haben wir uns in der heutigen naturwissenschaftsgläubigen Zeit entschlossen, zusätzlich eine auf einem naturwissenschaftlichen Verfahren beruhende Altersbestimmung vornehmen zu lassen.

Weiterlesen →