How to Sell Bullshit Online (Fast)

Warnung vor dem Betrug mit KI-generierten pseudowissenschaftlichen Büchern am Beispiel „tredition“‎

Auf den ersten Blick wirken sie spannend, die musikwissenschaftlichen Bücher des Verlags „tredition“ aus Ahrensburg bei Hamburg. Da gibt es beispielsweise eine Biografie von Johann Christoph Bach (1642–1703), über den die Forschung bislang wenig weiß. Oder ein Werk über den bisher kaum beachteten Leipziger Musiktheoretiker, Komponisten und Professor am Konservatorium Salomon Jadassohn (1831–1902). Wenn Nutzende einer Bibliothek sich grundsätzlich für Musik, die Bach-Familie und Leipzig interessieren, sollte die Bibliothek diese Bücher anschaffen – oder?

So dachten offenbar die Verantwortlichen in Bibliotheken in Leipzig, Dresden, Weimar und Hannover, die laut Karlsruher Virtuellem Katalog Exemplare dieser Bücher besitzen. Sie sind einem Betrug aufgesessen. Dieser Beitrag erklärt die Masche und zeigt, wie Bibliotheken und Forschung damit umgehen. Betroffen sind jedoch nicht nur Profis in Bibliotheken, sondern potenziell alle Lesenden, Studierenden und sogar seriöse wissenschaftliche Autor*innen. Erhöhte Wachsamkeit ist gefragt!

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Jean Weidt – Masken des Widerstands

Unter dem Titel „Ich habe mich nie hinter einer Maske versteckt“ (Regie: Rainer Pavel) erschien 1984 ein Dokumentarfilm über das Leben des Tänzers und Choreografen Jean Weidt. Darin beschreibt der damals 80-jährige sein v. a. von der Diktatur des Nationalsozialismus geprägtes und bewegtes Leben zwischen Widerstand und Selbstverwirklichung. Das titelgebende Zitat Weidts rekurriert zugleich auf eines seiner prägenden choreografischen und gestalterischen Mittel: die Verwendung von expressionistisch überhöhten Gesichtsmasken, die den Tänzer*innen und ihren Bewegungen einen spezifischen Ausdruck verleihen und ein groteskes Körperbild erzeugen. In seinen Choreografien spielte er bewusst mit Physis und Leid des ausgemergelten Körpers. Verbunden damit waren immer auch die Suche nach einem menschenwürdigen Leben sowie eine politische Aussage, was ihm bereits sehr früh in seiner Karriere den Beinamen „der rote Tänzer“ einbrachte.  

Blickt man jedoch auf Weidts Biografie und sein Schaffen in der DDR, so stellen sich aus heutiger Perspektive einige Fragen. Inwieweit konnte er sich als überzeugter Kommunist und Künstler innerhalb des sozialistischen Systems verwirklichen? Hatte er auch hier mit Widerständen zu kämpfen? Wie bewegte er sich persönlich und künstlerisch zwischen Offenheit und (notwendiger) Maskierung? Wird Weidts Aussage „Ich habe mich nie hinter einer Maske versteckt“ in diesem Kontext zu einer verkehrten Selbstbehauptung? Diese Überlegungen standen im Zentrum der Vorbereitung der Ausstellung EinBlick #9: Jean Weidt / Masken des Widerstands und sollen in diesem Blogpost noch einmal vertieft werden.

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Videobausteine für den Einstieg ins Forschungsdatenmanagement

Neue Open Educational Ressources von der Universitätsbibliothek Leipzig

Gute wissenschaftliche Praxis beinhaltet auch einen planvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Forschungsdaten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg: von der Planung und Erhebung der Daten, über die Aufbereitung und Analyse bis hin zur Veröffentlichung, Archivierung und Nachnutzung. Dies alles wird unter dem Begriff Forschungsdatenmanagement (FDM) zusammengefasst. Ziel ist, die Daten so zu organisieren, dass sie für die eigene Forschung und darüber hinaus auch für andere – sofern möglich und gewünscht – nachhaltig nutzbar sind.

Die Universitätsbibliothek verantwortet unter anderem die Konzeption, Koordination und Durchführung von Schulungen zum Thema FDM. Ergänzend dazu sind im Rahmen eines, durch das Sächsische Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus geförderten Projekts, audiovisuelle Lehr- und Lernmaterialien in Form von Videos entstanden. Diese möchten wir in diesem zweiteiligen Blogbeitrag näher vorstellen.

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Leipzig liest 2026

Bibliotheken locken nicht nur zum Lesen an, sie können auch Orte sein, an denen Worte gesprochen, Gedanken vorgetragen, Wissen diskutiert werden kann. Das bewährte sich beim diesjährigen Leipzig-liest-Programm in der Bibliotheca Albertina wieder. Es gehört einiges dazu, eine entsprechende Atmosphäre aufmerksamen Lauschens für Lesungen zu erzeugen: zuallererst großartige Autor*innen und ein großartiger Ort. Die Anerkennung gilt deswegen unseren gelandenen Gästen und ihren vorgestellten Büchern:

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KI: Ein Traum oder Alptraum für die Bibliothek?

Performante Hardware, effiziente Algorithmen, große Datenmengen: Drei Faktoren, die zur rasanten Entwicklung im Bereich der Künstlichen Intelligenz in den letzten Jahren beigetragen haben.

Das Prinzip der Künstlichen Intelligenz (KI) gleicht einem Traum, der durch große Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) erfüllt wird: diese können alle Bücher lesen, und sie tun dies in der Art eines seltsamen Spiels. Sie lesen den Anfang eines Satzes, verdecken das Ende und versuchen das nächste Wort zu raten und sie wiederholen dies milliardenfach. Das Ergebnis ist ein Modell von Sprache, welches dieses Spiel weiter führen möchte, auch mit der Beteiligung anderer, die eine Anfrage – ein Prompt – formulieren.

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Dichterikone. GOETHE sammeln, erforschen, verehren, vermitteln

Ausstellungshinweis

Ausstellung aus Anlass des 100. Gründungsjubiläums der Leipziger Goethe-Gesellschaft (7. November 2025 bis 1. Februar 2026)

Schon wieder Goethe? Ja und nein. In Leipzig, dem Ort, wo der junge Jurastudent aus Frankfurt drei prägende Jahre seines Lebens zugebracht hat, fanden des Öfteren Ausstellungen statt, die ihn in den Mittelpunkt stellten: die erste 1849 zum 100. Geburtstag, die beiden letzten 1999 zum 250. Geburtstag Goethes. Diesmal aber ist der Fokus ein anderer, es geht nicht eigentlich um den „Dichterfürsten“, sondern um kulturelle Praktiken und die Bedeutungen, die Literatur und Autoren (seltener Autorinnen) in bestimmten historischen Kontexten zugeschrieben werden. Anlass ist das 100-jährige Bestehen der Leipziger Goethe-Gesellschaft. Hinzu kommt ein weiteres Jubiläum: Vor 200 Jahren wurde in Leipzig der Börsenverein des deutschen Buchhandels gegründet. Die Stadt veranstaltet deshalb 2025 das Themenjahr „Mehr als eine Geschichte. Buchstadt Leipzig“, und die UB Leipzig leistet mit der Sonderausstellung Dichterikone in der Bibliotheca Albertina ihren Beitrag zum Programm dieses Themenjahres.

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Offene Türen zu verborgenen Bereichen – Was steckt hinter „Wir für uns“?

Vor einigen Monaten erschien ein Blogbeitrag, der detailliert die Arbeit und Tätigkeiten einer Kollegin, welche die „Musikalia“ der UB Leipzig betreut, beleuchtet. Um diesen Blogbeitrag auch intern zu bewerben, nutzte eine Kollegin den, meiner Meinung nach, wundervollen Satz: „Was macht eigentlich Frau Held den ganzen Tag?“ Wundervoll salopp beschreibt diese Frage implizit eine Tatsache: Wir sind alle neugierig darauf zu erfahren, was unsere Kolleg*innen den ganzen Tag machen.

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­­Über infrastrukturelle Arbeit, den Wert von Rundfunkdaten und die Bibliothek als Publikationsdienstleisterin

Halbzeit-Reflexion aus dem aktuellen Volontariat

“[A]t first it feels alien to think about a resource
in terms of the features that matter
to the organization and retrieval of it,
rather than in terms of mastering its content.”

Marcia Bates, 1999, Informationswissenschaftlerin

Es ist eine kleine Tradition, dass die Volontär*innen der UB Leipzig zur Halbzeit ihrer zweijährigen Ausbildung hier im Blog berichten, wie sie ihren Einstieg in die Bibliothekswelt erlebt haben.

Bibliotheksvolontär*innen sind (meist) Fachwissenschaftler*innen, die in einem zweijährigen Mix aus praktischer Ausbildung („Durchlauf“), eigenständiger Projektarbeit und begleitendem Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft auf die Arbeit an wissenschaftlichen Bibliotheken vorbereitet werden. Die UB Leipzig besetzt ihr Volontariat alle zwei Jahre, jeweils mit einem Schwerpunktbereich. Bei mir ist das der Bereich „Open Science“, zu dem Tätigkeitsfelder wie Open-Access-Publizieren, Forschungsdatenmanagement oder Bibliometrie gehören.

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Leihweise sichtbar

Unsere Leihgaben an Museen und Archive für ihre Ausstellungen

Ein Beitrag von Fanny Bartholdt, Susanne Dietel, Dr. Matthias Eifler, Jörg Graf und Lisa Perchermeier.

Das Telefon klingelt, Frau Dietel nimmt den Hörer ab:

„Universitätsbibliothek Leipzig, guten Tag.“

„Guten Tag, ich bin die wissenschaftliche Mitarbeiterin eines europäischen Museums und habe in Ihrer Datenbank gesehen, dass Sie eine Handschrift besitzen, die gut zu unserem Ausstellungsthema passen würde. Könnten wir diese Handschrift für drei Monate in unserer geplanten Ausstellung präsentieren?“

Kurzes Durchatmen.

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Mehr Bling im wissenschaftlichen Publizieren

Warum ruft der FID Media Bibliotheken auf, zwei medienwissenschaftliche Open-Access-Buchpakete gemeinschaftlich zu finanzieren?

Cover des Buches "Spiel*Kritik""

Wir fangen mit einem Bestseller an: „Spiel*Kritik. Kritische Perspektiven auf Videospiele im Kapitalismus“, herausgegeben von Thomas Spies, Şeyda Kurt und Holger Pötzsch. Das Thema trifft offenbar den Nerv der Zeit und interessiert viele. Die Herausgeber*innen stellen kritische Perspektiven auf vorherrschende Wahrnehmungen sowie die Produktion und Nutzung von Videospielen zusammen. Der Titel kam im März 2024 heraus und wurde bis jetzt knapp 20.000-mal aufgerufen.

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