Open Access – jetzt erst recht

Egal ob Studierende oder Forschende, die meisten von Ihnen arbeiten momentan von zuhause aus. Als Angehörige der Universität Leipzig können Sie dafür über unseren Katalog auf ca. 80 Millionen elektronisch verfügbare Titel zurückgreifen, die Ihnen von uns zur Verfügung gestellt werden. In einem vor Kurzem auf diesem Blog erschienenen Artikel zeigt Henriette Rösch, wie Sie diese elektronischen Inhalte der Universitätsbibliothek Leipzig von zuhause nutzen können. Rund ein Viertel dieser Ressourcen sind Open Access verfügbar.

Nun könnte die Frage aufkommen, wie groß der Anteil von Open-Access-Publikationen am gesamten wissenschaftlichen Publikationsaufkommen ist. Das kann nur vage abgeschätzt werden. Den mit über 100 Millionen nachgewiesenen Dokumenten wohl vollständigsten Datenbestand liefert der Dienst Unpaywall, der in Form eines Browser-Plugins einen hilfreichen Service zum Auffinden kostenloser, legaler Versionen von wissenschaftlichen Artikeln im Netz bietet. Auf Basis dieses Datenbestandes konnte eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigen, dass für bereits 45 Prozent der im Jahr 2015 publizierten Zeitschriftenartikel eine frei verfügbare Version im Netz auffindbar war. Im Publikationsjahr 2018 dürfte der Anteil bereits bei ca. 50 Prozent liegen.

Für E-Books sieht es im Hinblick auf freie Verfügbarkeit leider deutlich schlechter aus. So nimmt sich die Zahl von 27.679 aktuell im Directory of Open Books nachgewiesenen freien E-Books in Relation zu den über eine Million E-Books, die der weltweit größte Anbieter Proquest in seinem Portfolio „Ebook Central“ handelt, eher bescheiden aus. Fächerspezifische Publikationsgewohnheiten und -muster bestimmen daher nach wie vor, wie viel Literatur und Quellen digital, aber auch wieviele frei zur Verfügung stehen.

In Zeiten von geschlossenen Universitäten, Bibliotheken und Forschungseinrichtungen weltweit erscheinen diese Zahlen nun plötzlich in einem gänzlich anderen Licht. Da die Präsenzbestände der Bibliotheken nun nicht mehr oder nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stehen, sind die elektronischen Varianten momentan die wichtigste Möglichkeit an Inhalte zu gelangen. Und selbst ein 45-prozentiger Open-Access-Anteil, der bei jüngeren Zeitschriftenjahrgängen erreicht wird, bedeutet eben auch, dass der Großteil der Inhalte nach wie vor zugriffsbeschränkt ist. Für diese Inhalte werden Lizenzen gekauft, so dass die Studierenden, Forschenden und Lehrenden beispielsweise der Universität Leipzig unter bestimmten Bedingungen eine Nutzungserlaubnis erhalten. Von Zugriffsbeschränkung betroffen sind auch in der jetzigen Situation ungemein wichtige Studien zum Thema COVID-19 selber. Noch am 5. März war laut einer Studie der London School of Economics über die Hälfte der COVID-19-relevanten Literatur zugangsbeschränkt.

In der Zwischenzeit haben viele Verlage reagiert und bieten einen allerdings zeitlich auf die Corona-Krise beschränkten Zugriff auf ausgewählte elektronische Ressourcen. Die Universitätsbibliothek Leipzig hat aus diesem Grund eine Liste mit verfügbaren elektronischen Ressourcen zusammengestellt. Sie finden dort temporär freigeschaltete, lizenzpflichtige Inhalte für Forschung und Lehre. Außerdem beinhaltet die Übersicht jene von Verlagen freigeschalteten Ressourcen, die Forschende auf der Suche nach Impfstoffen und Gegenmitteln unterstützen sollen.

Bei genauerem Hinschauen bemerken wir jedoch, dass bei den meisten Angeboten kein echter Open-Access-Zugang besteht. Hier wird oftmals lediglich der freie Zugriff für einen begrenzten Zeitraum ermöglicht, ohne dass der Artikel unter eine Open-Access-Lizenz gestellt wird. Für die Verlage besteht somit jederzeit die Option, nach überstandener Krise etwa, den freien Zugang zu diesen Artikeln wieder zu entziehen. In Reaktion auf die aktuellen Entwicklungen und vor allem in Anbetracht des Ausmaßes der Corona-Krise hat die UNESCO am 30.03.2020 in einem Treffen mit Vertreter*innen von insgesamt 122 Staaten und weiteren supranationalen Institutionen diese dazu aufgefordert, Open Science, Open Access und eine verstärkte Zusammenarbeit zu COVID-19 zu fördern. Wie bedeutend die Publikation von und der Zugang zu Erkenntnissen ist, wird uns in der momentanen Krise besonders deutlich. Denn nur unter Berücksichtigung aller vorhandenen Erkenntnisse zu einem Problembereich können Forschung und gleichermaßen auch Lehre neue Erkenntnisse generieren und weitertragen.

Und deswegen heißt es bei uns an der Universitätsbibliothek Leipzig „Open Access – jetzt erst recht!“ Die Dienstleistungen des Open-Science-Offices stehen Ihnen weiterhin in der gewohnten Form und Breite zur Verfügung – nur von Hausbesuchen müssen wir bis auf Weiteres Abstand nehmen. Wir beraten und unterstützen Sie bei Ihren Open-Access-Publikationsvorhaben, bei der Publikation Ihrer Forschungsergebnisse auf dem Publikationsserver der Universität Leipzig, beim Umgang mit Forschungsdaten und bei der Nutzung von Text- und Data-Mining-Methoden auf unseren elektronischen Ressourcen. Außerdem informieren wir Sie regelmäßig zu Neuerungen im Bereich Open Access und Open Science über den Blog der Universitätsbibliothek.

Haben Sie Fragen zu Open Access und anderen Themen aus dem Bereich Open Science? Dann kontaktieren Sie uns gerne, momentan allerdings ausschließlich per E-Mail!

Autoren: Ronny Gey & Martin Bauschmann

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