Systemrelevant – Ein Leuchtturm in der Liebigstraße

Warum und wie die Fernleihe in der Bibliothek Medizin/Naturwissenschaften aufrecht erhalten wird

Obwohl die normale Fernleihe derzeit weitestgehend ausgesetzt ist, arbeitet die Fernleihe Medizin weiter. Die vier Kolleg*innen des Fernleihebüros in der Liebigstraße sind ein eingespieltes Team, wenn es um die Beschaffung von Büchern, Artikeln und anderen Informationen geht. Die Kolleg*innen befinden sich aktuell abwechselnd im Home Office und vor Ort in der Bibliothek. Sie bearbeiten von beiden Standorten aus Ihre Anfragen.

Was ist die Fernleihe?

Susann Haupka: Wie der Name schon sagt: eine „Fern“-Leihe. Alles, was nicht in der Universitätsbibliothek und ihren Standorten zur Verfügung steht, kann man über die Fernleihe bestellen (Ausnahme DIN-Normen).

Tobias Pfütsch: Die Fernleihe dient den Nutzer*innen dazu, Bücher, Aufsatzkopien oder jegliche anderen Medien, die nicht in der „eigenen“ Bibliothek vor Ort vorhanden sind, zu beschaffen. Sie ist eine Dienstleistung, um die lückenlose Versorgung von Literatur und Medien im Rahmen des Leihverkehrs zu gewährleisten.

Wie funktioniert die Fernleihe?

Tobias Pfütsch: Wenn man bei der Literaturrecherche bemerkt, dass man an verschiedene Medien, wie Bücher oder Zeitschriftenartikel, nicht herankommt, weil sie entweder nicht zum UB-Bestand gehören, nicht lizenziert sind oder aber weil sie noch längere Zeit ausgeliehen sind, kann die Fernleihe die Lösung sein.
Dann schreibt man uns am besten einfach eine Mail mit den Wünschen an fernleihe@medizin.uni-leipzig.de und die Mitarbeiter*innen sorgen dafür, das gewünschte Medium aus einer anderen Bibliothek so schnell wie möglich zu beschaffen. Dafür haben wir über Jahrzehnte zuverlässige Kontakte geknüpft. Das Ganze beruht auf einem Geben-und-Nehmen-Prinzip. Das heißt, auch wir liefern an viele Bibliotheken in ganz Deutschland und weltweit unsere Medien, die in anderen Bibliotheken nicht vorhanden sind. Das ist ein globales Kontaktnetz.

Krystyna Schultze: Nachdem eine Fernleihe bei uns eingegangen ist, beginnen mitunter teilweise aufwendige Recherchen, um die aus Anfragen erhaltenen Angaben zu vervollständigen, besonders bei über 100 Jahre alten Publikationen, die in keiner Datenbank verzeichnet sind und bei denen die falsche Zitierung einfach weitergereicht wird. Es kann spannend, aber auch frustrierend sein, wenn sich nach einer langen Recherche herausstellt, dass die hochinteressante Studie nur ein kurzer Abstract in einem Konferenzband ist.

Wie lange dauert eine Fernleihbestellung?

Thomas Gruner: In der Regel dauert sie zwischen 1 und 14 Tagen. Das hängt vor allem vom bestellten Medium (Artikel, Buch usw.) ab. Zeitschriftenartikel liefern wir meist noch am selben Tag, Bücher haben einen längeren Weg zu uns und unseren Nutzer*innen.

Susann Haupka: Im Moment ist die Fernleihe nur eingeschränkt möglich, da viele Bibliotheken ihre Lieferdienste eingestellt bzw. sich von der Online-Fernleihe abgemeldet haben. Buchbestellungen sind daher im Moment leider nicht möglich!

Was ist das Besondere an der Fernleihe Medizin?

Tobias Pfütsch: In der medizinischen und naturwissenschaftlichen Literaturversorgung ist die schnelle Lieferung der Medien von enormer Bedeutung. Hier geht es vor allem um medizinische Zeitschriftenartikel, die von den Ärzt*innen oft dringend benötigt werden. Diese zeitnahe Literaturversorgung und die speziellen Kontakte zu anderen Medizinbibliotheken und Kliniken oder z. B. zur National Library of Medicine in Washington sind das besondere Merkmal unserer Fernleihe Medizin. Wir besorgen hochspezielle Anfragen aus fast jedem Winkel der Welt.

Übrigens wird das in sehr vielen großen Universitätsbibliotheken so gehandhabt, dass die Medizinbibliotheken samt Fernleihen separat agieren, sogar mit eigenem Sigel. Eben weil wir spezielle Dienstleister mit besonderem Anforderungsprofil sind.

Kostet mich die Fernleihe etwas und wie lang darf ich sie behalten?

Susann Haupka: Für Universitätsangehörige und Mitarbeiter*innen des Uniklinikums sind die Fernleihen kostenfrei. Eine Ausnahme stellt die Zusendung an die Privatadresse dar. Hier wird das Porto in Rechnung gestellt.

Thomas Gruner: Für Externe Nutzer*innen fallen Gebühren von 1,50 € an.

Tobias Pfütsch: In Anbetracht der teilweise sehr hohen Kosten für Medizinbücher oder Fachartikel sind 1,50 € pro Medium eine geringe Gebühr. Die Kopien von Zeitschriftenartikeln dürfen behalten werden. Bei Büchern ist die Leihfrist meist 4–6 Wochen.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich Fragen habe?

Tobias Pfütsch: In der Fernleihe der BMN arbeiten vier Mitarbeiter*innen: Frau Haupka und Frau Schultze, Herr Gruner und Herr Pfütsch. Alle sind per Mail (fernleihe@medizin.uni-leipzig.de) oder Telefon (0341 9714014) erreichbar.

Thomas Gruner: Wir sind Montag bis Freitag, 8–16 Uhr im Büro in der Liebigstraße 23/25.

Was war die außergewöhnlichste Anfrage?

Susann Haupka: Können Sie die gekühlten Präparate für die Anatomie (damaliger Sitz in der Anatomie) entgegennehmen?

Tobias Pfütsch: Also bisher waren nur ganz selten Anfragen so außergewöhnlich, dass wir sie nicht besorgen konnten. Auch für die speziellsten und schwierigsten Wünsche haben wir irgendwo auf der Welt eine Partnerbibliothek. Als aber ein Arzt vor ein paar Jahren in regelmäßigen Abständen Reparaturbücher für Oldtimer bei uns bestellt hat, mussten wir ihn freundlich an die Fernleihe der Stadtbibliothek vermitteln.

Thomas Gruner: Die außergewöhnlichsten Fragen beziehen sich meist auf den Gebrauch des Urheberrechts, z. B. auf die Bestellung von gesamten E-Journals oder E-Books. Hier klären wir aber schnell auf und beraten zu alternativen Wegen.

Das Team der Bibliothek Medizin/Naturwissenschaften

Wollten Sie eine Fernleihe schon einmal selber lesen, auf die Sie durch eine Anfrage gestoßen sind?

Susann Haupka: Aktuell hat mich eine Buchbestellung über das Ghetto Theresienstadt berührt. Hier habe ich erfahren, dass die jüngste Schwester von Franz Kafka bis zu ihrer Deportation für das Rote Kreuz gearbeitet hat.

Tobias Pfütsch: Meistens sind es ja medizinische Fachartikel in englischer Sprache, die uns durch die Hände gehen. Das stößt bei mir, ehrlich gesagt, nicht so sehr auf Interesse. Aber bei den Büchern zur Medizingeschichte oder Geographie blättere ich doch gerne mal durch.

Und noch eine Bemerkung zur aktuellen Situation.

Krystyna Schultze: Wir dürfen die Literatur an die Nutzer*innen elektronisch weiterleiten. Das ist sonst nicht möglich, die Dokumente dürfen nur physisch weitergegeben werden. Was für eine komfortable Situation in Sachen schneller Literaturversorgung für unsere Nutzer*innen.

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