Die Mitarbeitenden der UBL waren in verschiedenen Formaten in den Organisationsentwicklungsprozess einbezogen. Auf den Mitarbeiterversammlungen wurde regelmäßig über die Ergebnisse berichtet.
Ein Beitrag von Dr. Anne Lipp und Dr. Henriette Rösch
Die Universitätsbibliothek Leipzig blickt mit ihren 483 Jahren auf eine lange Tradition zurück, die auch darin besteht, sich laufend den Anforderungen, die sich aus der Veränderungsdynamik des Forschens, Studierens, Publizierens und Rezipierens ergeben, anzupassen. Diese Anpassungsleistung zeigt sich nicht nur an neuen Dienstleistungen oder der Umgestaltung der Lernräume, sondern muss sich auch in der Verfasstheit der UBL – sowohl in ihrer Organisationsstruktur als auch in den internen Abläufen widerspiegeln.
In den Jahren 2024 und 2025 fand zu diesem Zweck ein umfassender, extern begleiteter Organisationsentwicklungsprozess statt, der sowohl die Ablauf- als auch die Aufbauorganisation untersucht hat. Eine wesentliche Veränderung mit Blick auf die Aufbauorganisation der UBL ist die Gründung des neuen Bereichs „Open Science“ und mit Blick auf die Ablauforganisation die Einführung eines Rollen- und Prozessmodells.
Auf andere Gedanken kommen in der Bibliothek Medizin/Naturwissenschaften
Die Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) möchte die Studierenden der Universität Leipzig bestmöglich bei ihrem Studium unterstützen. Dafür werden u. a. umfangreiche Literatur (digital und gedruckt) für Lehre und Forschung zur Verfügung gestellt und Veranstaltungen angeboten, die beim wissenschaftlichen Umgang mit den Werken helfen sollen. Lesen einfach nur zur Entspannung oder das Durchblättern von schönen Büchern war bis vor Kurzem kein Ziel der Literaturversorgung. Das hat sich mit der Einrichtung der Literarischen Apotheke in der Bibliothek Medizin/Naturwissenschaften (BMN) geändert.
Entstehung des Bereiches
Die Zusammenstellung der Titel ist ein Projekt für alle Mitarbeitenden in der BMN und wird durch das Projekt enhance unterstützt. Vorschläge werden seit 2025 gesammelt, die ersten Exemplare wurden Ende des vergangenen Jahres bestellt und mit der neuen Signatur RZ 99000 versehen. Diese Signatur ist zum einen in der Aufstellsystematik bisher nicht belegt und sorgt zum anderen dafür, dass die Bücher direkt sichtbar sind, wenn man die Freihandbereiche im 1. Obergeschoss besucht. Das Regal steht neben einem Loungebereich, perfekt um gleich mit dem Durchblättern anzufangen. Alle Bücher sind ausleihbar, falls das Blättern länger dauern sollte. Erwerbungswünsche von Bibliotheksnutzenden sollen zukünftig direkt vor Ort eingesammelt werden.
Die Literarische Apotheke beheimatet vielfältige Themen, Perspektiven und ist erfreulich farbenfroh. Foto: Claudia Jirausch
Nach dem Vorbild der Universitätsbibliothek Augsburg ist in der BMN ein Bestand (von den Mitarbeiter*innen) zusammengestellt worden, der zum Stöbern, in Erinnerungen schwelgen und zur entspannten Verbesserung der eigenen Gewohnheiten einlädt. In Augsburg wurde ein vergleichbarer Bestand Literarische Apotheke genannt und diesen Vorschlag haben wir gern übernommen. Die Bücher unserer Literarischen Apotheke sollen helfen, im Stress des Studiums kleine Entspannungsmomente zu schaffen und auch inhaltlich zur Verbesserung der psychischen Gesundheit der Studierenden beizutragen. Denn Letztere ist auch bei Studierenden in Leipzig besorgniserregend, wie die Forschungsarbeiten der Medizinischen Fakultät zeigen. Die Untersuchungen werden vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus gefördert, wie auch das Projekt enhance – ein erstes Ergebnis dieser Förderung. Das Forschungsrojekt thematisiert mentale Gesundheit von Studierenden und bietet online Angebote zur Bewältigung von psychischen Belastungen im Studienalltag.
Erste Erfahrungen und Weiterentwicklung
Mit den ausgelegte Sudokus gibt es eine spielerische Ablenkung. Foto: Claudia Jirausch
Bereits kurz nach der Aufstellung in den Regalen wurden die ersten Exemplare ausgeliehen. Seitdem sind kontinuierlich ca. 30 Prozent des Bestandes bei unseren Nutzenden. Neue Titel werden, für die UBL untypisch, mit dem Cover nach vorn aufgestellt. So sind die Bücher schon von weitem sichtbar und inspirieren hoffentlich, sich den Bereich auch aus der Nähe anzusehen. Bisher am häufigsten ausgeliehen wurden z. B. „Doctor Who: Time Lord fairy tales“, „Die 1%-Methode“, „Marianengraben“, „Wie geht es Ihnen jetzt?“ und die Graphic Novel „Stolz und Vorurteil“. Mittlerweile werden die Bücher durch kostenlose Campus-Ratgeber „Mental Health“ vom Verlag Die Zeit ergänzt. Diese wurden vom Projekt enhance empfohlen und schon häufig von unseren Nutzenden mitgenommen. Die Ratgeber richten sich an Studierende und möchten zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen beitragen. Dafür versammeln sie u. a. Inhalte dazu, Gefühle zu erkennen sowie einen Therapie-Guide, in dem verschiedene Therapieformen erklärt werden. Außerdem legen wir in unserer Literarischen Apotheke Sudokus aus, um spielerisch die Gedanken in andere Richtungen zu bringen. Innerhalb eines Monats wurden in der BMN ca. 110 Sudokus zur kurzweiligen Ablenkung mitgenommen.
Der Bestand wird auch in den kommenden Jahren mit neuen Titeln ausgestattet und weiterentwickelt. Dabei sind Erwerbungsvorschläge genauso willkommen wie Vorschläge für kleine Pausenaktivitäten wie Kreuzworträtsel oder Stretching-Inspiration.
In den vergangenen 14 Jahren waren wir montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr live über unsere Website erreichbar. Am 20. März 2026 ging der Chat der Universitätsbibliothek Leipzig (UBL) zum letzten Mal online. Ein passender Moment, um auf diese Zeit zurückzublicken und einen besonderen Service zu würdigen.
Reaktionen auf unsere Warnung vor betrügerischen KI-generierten Büchern beim Verlag „tredition“
Vor vier Wochen berichteten wir an dieser Stelle über verdächtige Bücher, die in mehreren Bibliotheken aufgetaucht waren. Sie sahen auf den ersten Blick wie normale musikwissenschaftliche und historische Fachbücher aus. Beim genaueren Lesen entpuppten sie sich als KI-generierter Textmüll. Die Autorennamen waren erfunden, die Texte enthielten gravierende inhaltliche Fehler und verwiesen auf nicht existierende Quellen. Wir stellten fest, dass ein Betrüger massenhaft pseudowissenschaftliche Fake-Bücher auf den deutschsprachigen Markt gebracht hatte, und nannten ihn Klaas Klever. Hier berichten wir, wie Klaas Klever überführt wurde, wie der Verlag „tredition“ reagiert hat und was Vertreter*innen der betroffenen Fächer dazu sagen.
Seit Kurzem bietet die Universitätsbibliothek Leipzig ein kompaktes, modular aufgebautes Lernangebot zum Thema Forschungsdatenmanagement (FDM) an. In offen lizenzierten Videos werden die wichtigsten Grundlagen zu sechs zentralen FDM-Themen vermittelt: Forschungsdatenmanagement im Kontext von Open Science und guter wissenschaftlicher Praxis, Datenmanagementplan, Datenorganisation, Metadaten, rechtliche Fragen sowie Archivierung und Veröffentlichung von Forschungsdaten. Im ersten Teil des Blogbeitrags „Videobausteine für den Einstieg ins Forschungsdatenmanagement“ haben wir die Hintergründe des Projekts und die produzierten Erklärvideos vorgestellt.
Dieser zweite Teil des Blogbeitrags widmet sich nun sieben Interviews mit FDM-Praktiker*innen (Link zu YouTube), die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Medienproduktion ergänzend dazu entstanden sind. Die Interviews zeigen, wie FDM in unterschiedlichen Disziplinen umgesetzt wird und verbinden auf diese Weise die theoretischen Inhalte der Erklärvideos mit konkretem Erfahrungswissen.
Sieben FDM-Expert*innen berichten in Interviews aus der wissenschaftlichen PraxisWeiterlesen →
Mit dem Abschluss der brandschutztechnischen Ertüchtigung der Bibliotheca Albertina im Dezember 2025 fand ein Vorhaben seinen erfolgreichen Abschluss, dessen Anfänge mehr als ein Jahrzehnt zurückreichen. Bereits im Juni 2012 wurde das zugrunde liegende Brandschutzkonzept vorgestellt, gefolgt von intensiven Planungsphasen ab 2013. Nach vorbereitenden Maßnahmen ab 2015 und umfangreichen Voruntersuchungen begann die bauliche Umsetzung schließlich im Oktober 2017.
Warnung vor dem Betrug mit KI-generierten pseudowissenschaftlichen Büchern am Beispiel „tredition“
Auf den ersten Blick wirken sie spannend, die musikwissenschaftlichen Bücher des Verlags „tredition“ aus Ahrensburg bei Hamburg. Da gibt es beispielsweise eine Biografie von Johann Christoph Bach (1642–1703), über den die Forschung bislang wenig weiß. Oder ein Werk über den bisher kaum beachteten Leipziger Musiktheoretiker, Komponisten und Professor am Konservatorium Salomon Jadassohn (1831–1902). Wenn Nutzende einer Bibliothek sich grundsätzlich für Musik, die Bach-Familie und Leipzig interessieren, sollte die Bibliothek diese Bücher anschaffen – oder?
So dachten offenbar die Verantwortlichen in Bibliotheken in Leipzig, Dresden, Weimar und Hannover, die laut Karlsruher Virtuellem Katalog Exemplare dieser Bücher besitzen. Sie sind einem Betrug aufgesessen. Dieser Beitrag erklärt die Masche und zeigt, wie Bibliotheken und Forschung damit umgehen. Betroffen sind jedoch nicht nur Profis in Bibliotheken, sondern potenziell alle Lesenden, Studierenden und sogar seriöse wissenschaftliche Autor*innen. Erhöhte Wachsamkeit ist gefragt!
Neue Open Educational Ressources von der Universitätsbibliothek Leipzig
Gute wissenschaftliche Praxis beinhaltet auch einen planvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit Forschungsdaten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg: von der Planung und Erhebung der Daten, über die Aufbereitung und Analyse bis hin zur Veröffentlichung, Archivierung und Nachnutzung. Dies alles wird unter dem Begriff Forschungsdatenmanagement (FDM) zusammengefasst. Ziel ist, die Daten so zu organisieren, dass sie für die eigene Forschung und darüber hinaus auch für andere – sofern möglich und gewünscht – nachhaltig nutzbar sind.
Die Universitätsbibliothek verantwortet unter anderem die Konzeption, Koordination und Durchführung von Schulungen zum Thema FDM. Ergänzend dazu sind im Rahmen eines, durch das Sächsische Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus geförderten Projekts, audiovisuelle Lehr- und Lernmaterialien in Form von Videos entstanden. Diese möchten wir in diesem zweiteiligen Blogbeitrag näher vorstellen.
Das Prinzip der Künstlichen Intelligenz (KI) gleicht einem Traum, der durch große Sprachmodelle (Large Language Models, LLM) erfüllt wird: diese können alle Bücher lesen, und sie tun dies in der Art eines seltsamen Spiels. Sie lesen den Anfang eines Satzes, verdecken das Ende und versuchen das nächste Wort zu raten und sie wiederholen dies milliardenfach. Das Ergebnis ist ein Modell von Sprache, welches dieses Spiel weiter führen möchte, auch mit der Beteiligung anderer, die eine Anfrage – ein Prompt – formulieren.
Vor einigen Monaten erschien ein Blogbeitrag, der detailliert die Arbeit und Tätigkeiten einer Kollegin, welche die „Musikalia“ der UB Leipzig betreut, beleuchtet. Um diesen Blogbeitrag auch intern zu bewerben, nutzte eine Kollegin den, meiner Meinung nach, wundervollen Satz: „Was macht eigentlich Frau Held den ganzen Tag?“ Wundervoll salopp beschreibt diese Frage implizit eine Tatsache: Wir sind alle neugierig darauf zu erfahren, was unsere Kolleg*innen den ganzen Tag machen.