Sieben(einhalb) Fragen an … Cordula Reuß

Mit Cordula Reuß müssen wir leider bald die nächste hochgeschätzte und langjährige Mitarbeiterin der UB Leipzig in den Ruhestand verabschieden. Wir lassen sie zwar gehen, wenn auch nur sehr ungern, aber nur weil sie uns noch die entscheidenden sieben(einhalb) Fragen beantwortet hat. Wir hätten gern noch viel mehr fragen wollen.

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Leben und Schreiben im rauhen Schwarzwald

Die Handschriften des Villinger Bickenklosters. Ergebnisse aus dem Projekt zur Erschließung der St. Georgener Handschriften in der BLB Karlsruhe

Seit August 2019 werden in einem Gemeinschaftsprojekt der Handschriftenzentren Stuttgart und Leipzig mit der Badischen Landesbibliothek (BLB) die Handschriften aus dem Benediktinerkloster St. Georgen im Schwarzwald digitalisiert und wissenschaftlich erschlossen.

Nur sehr wenige der ca. 110 Handschriften sind in St. Georgen selbst entstanden, der allergrößte Teil gelangte über Erwerbungen des 17. und 18. Jahrhunderts dorthin. Von wo und auf welchen Wegen sie in das Kloster kamen, lag zu Projektbeginn für die meisten Handschriften völlig im Dunklen. Mittlerweile sehen wir nun deutlich klarer und wissen, dass die meisten Bände aus Frauenklöstern in Westschwaben und dem Bodenseeraum stammen. Eine ganz besondere Bedeutung kommt dabei dem sogenannten Bickenkloster in Villingen am Ostrand des Hochschwarzwalds zu: Diesem franziskanischen Schwesternkonvent konnten bislang besonders viele der St. Georgener Handschriften zugewiesen werden. Aus ihnen lässt sich nun ein völlig neues Bild für die dortige Handschriftenproduktion und Lesekultur in der Zeit zwischen 1480 und 1530 rekonstruieren, ein neuer Baustein für die Literatur- und Frömmigkeitsgeschichte des deutschen Südwestens.

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Ein geheimnisvolles Versprechen: Der Schauraum Papyrus Ebers

Ulrich Johannes Schneider war der Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig von 2006 bis 2022.

Die lange Vitrine steht in einem dunklen Raum, ist schwach erleuchtet, ein geheimnisvolles Versprechen. Was man sieht, ist eine Schrift, die kaum jemand lesen kann, weil sie schon 3.500 Jahre alt ist und ins alte Ägypten gehört. Könnte man lesen, was auf 108 Kolumnen geschrieben steht, wären das Krankheitsbeschreibungen und Rezepte der antiken Medizin. Viele der Zutaten kennen wir heute nicht mehr, und wenn zum Verschönern der Haut oberägyptisches Salz verlangt wird oder Gu-Gras, dann stehen wir ratlos davor.

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Wenn Bücher reden könnten … (Folge 5)

Ein Buch aus dem Besitz der Anglistin Helene Richter

Am 13. April 2022 ist der „Tag der Provenienzforschung“. Aus diesem Anlass soll an dieser Stelle wieder von der Forschung nach unrechtmäßig erworbenen Büchern an der Universitätsbibliothek Leipzig berichtet werden. Nachdem über ein drittmittelfinanziertes Projekt von 2008 bis 2011 Teilbestände der Bibliotheca Albertina aus dem Erwerbungszeitraum 1933–1973 durchgesehen wurden – die Ergebnisse sind u. a. in einem Ausstellungskatalog und im Katalog der UB sichtbar  – untersuchten die Projektmitarbeitenden auch nach dem Ende des Projektes weitere Bestände nach unrechtmäßig erworbenen Büchern, die in der Zeit des Nationalsozialismus geraubt wurden.

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Vielfalt wertschätzen, Klarheit unterstützen: Die Publikationsrichtlinie der Universität Leipzig

Am 19. März 2022 trat die Publikationsrichtlinie der Universität Leipzig in Kraft. Ihr Kern ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Wer an der Universität Leipzig forscht, macht dies bei wissenschaftlichen Veröffentlichungen kenntlich. Das klingt einfach, erweist sich in der gelebten Praxis doch oft als kompliziert – und als verwandt mit einem ganzen Bündel von Themen rund um Transparenz beim wissenschaftlichen Publizieren. Dieser Beitrag beleuchtet die Hintergründe: Warum profitieren die Universität Leipzig und ihre Forschenden von dieser Richtlinie?

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Mein persönlicher Rückblick

Dieser Text von Prof. Dr. Ulrich Johannes Schneider, Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig von 2006 bis 2022, erschien zuerst im Tätigkeitsbericht 2021.

Im Januar 2006 habe ich als Direktor der Universitätsbibliothek Leipzig begonnen und beende meine Tätigkeit nach 16 Jahren und drei Monaten im März 2022. Es war eine mehr als erfüllte Zeit, ein wunderbares Arbeiten in der Bibliothek selber, in und mit der Universität und der Stadtgesellschaft. Ich kam in Leipzig an und brachte sieben Jahre praktischer Bibliothekserfahrung in der Leitung der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel mit (1999–2005). Zugleich war es für mich ein Zurückkommen, denn ich war zuvor sieben Jahre (1992–1999) Assistent am Institut für Philosophie und habe auf dieser Stelle habilitiert, was mich auch in der Wolfenbütteler Amtszeit regelmäßig zur Lehre nach Leipzig führte.

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Holzmehl und Historie

Im Jahr 1724 komponierte Johann Sebastian Bach (1685–1750) die Kantate „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig“ (BWV 26), die dem 2021 bewilligten KEK-Modellprojekt der Universitätsbibliothek Leipzig als Motto vorangestellt war. In seiner Funktion als Thomaskantor brachte Bach diese Kantate im Gottesdienst am Ende des Kirchenjahrs zur Aufführung, zu einer Zeit also, in der es um die Vergänglichkeit und Begrenztheit des Daseins geht. In Satz 3, einem Alt-Rezitativ, heißt es dort sinnfällig: „Die Wissenschaft und was ein Mensche dichtet,/wird endlich durch das Grab vernichtet.“

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Your Space – The American Space!

Mit Freude werden sicher einige von Ihnen die neue große Leselounge in der Bibliotheca Albertina wahrgenommen haben, die seit dem Wegfall der Platzbuchungen im Sommer 2021 allen Leser*innen zur Verfügung steht. Sie befindet sich im zweiten Obergeschoss Ost am Anfang der Freihandbereiche Amerikanistik und Anglistik.

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Mut schafft Respekt – Sexualisierter Diskriminierung und Gewalt ruhig und souverän entgegentreten

Im Zusammenhang mit den Vorfällen von sexualisierter Belästigung in der Bibliotheca Albertina und der Campus-Bibliothek sowie im Hörsaalgebäude am Campus Augustusplatz, erschien am 16. Februar 2022 im Leipziger Universitätsmagazin ein Interview mit Georg Teichert, dem Leiter der Stabsstelle Chancengleichheit, Diversität & Familie. Er ist außerdem Teil einer neuen Arbeitsgruppe zum Umgang mit sexualisierter Diskriminierung und Gewalt an der Universität Leipzig, deren Einrichtung vom Senat am 8. Februar beschlossen wurde. Auch die UBL wird in dieser Runde personell vertreten sein.

In diesem Beitrag teilen wir das Interview, das von Michael Lindner, Pressesprecher der Universität Leipzig, geführt wurde.

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Von Abfahrtsskiern und osterzgebirgischen Städten

Die Digitalisierung der Leipziger Hochschulschriften 1949–1965

Die Universität Leipzig blickt auf eine lange Forschungstradition zurück, in der über Jahrhunderte hinweg zahlreiche Hochschulschriften entstanden, die das akademische Interesse und den Wissensstand ihrer Zeit bezeugen. Teilweise sind die Schriften unikal. Sie zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gehört zu den zahlreichen Aufgaben der Leipziger Universitätsbibliothek. Die Bestandserhaltung ist jedoch für jede Epoche vor eigene Herausforderungen gestellt. Während Holzwurm und Tintenfraß als Gefahr für mittelalterliche und frühneuzeitliche Schriften durchaus bekannt sind, sind die spezifischen Bedrohungen für jüngere Druckschriften, wie die Leipziger Dissertationen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, meist weniger geläufig.

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